Vladimir Petkovic: «Es gibt bei allen Spielern eine Schmerzgrenze»

Aktualisiert

Vladimir Petkovic«Es gibt bei allen Spielern eine Schmerzgrenze»

Beim Espresso äusserte sich Nati-Coach Vladimir Petkovic in einer kleinen Runde von Journalisten über diverse Themen rund um die Nationalmannschaft.

von
E. Tedesco

Vladimir Petkovic, die Schweiz hat statistisch das erfolgreichste Länderspieljahr in der Geschichte geschafft. Wo sehen Sie den grössten Fortschritt?

Die Mannschaft ist seit meinem Start gegen England taktisch besser und kompakter geworden. Sie hat von der Spielkultur bis zur Chancenvorbereitung Fortschritte gemacht. Was mich auch freut, ist, dass wir vor dem Tor konkreter sind, zielstrebiger und effizienter. Ich bin aber auch zufrieden, dass wir in der Slowakei 0:3 zurücklagen, weil das Gespräche in der Mannschaft ausgelöst hat. Hätten wir gewonnen, wäre das nicht so konstruktiv gewesen. Wir haben dieses Resultat und diesen Moment ausgenützt, um in Zukunft etwas zu bewegen. Die Mannschaft hat in Österreich eine starke Reaktion gezeigt, und das will ich von nun an immer sehen.

Wie hat die Mannschaft das 0:3 begründet?

Man hat gesehen, dass die Teamhaltung und Homogenität nicht da war. Das hat einen Dialog innerhalb der Mannschaft ausgelöst und vielleicht auch Ventile geöffnet. Nur so können wir uns weiterentwickeln.

Stand am Dienstag nicht einfach die bessere Mannschaft auf dem Platz?

Wenn man in dem Moment, in dem man die Möglichkeit hat, sich nicht zeigt, ist man am falschen Ort.

Welche Folgen hat das?

Die Konsequenz ist, dass man immer weniger Chancen bekommt.

Aber viele Spieler kommen in ihren Klubs nicht regelmässig zum Einsatz. Raten Sie Ihnen, im Winter einen Wechsel anzustreben?

Das wäre falsch, ein falsches Zeichen auch an die ganze Mannschaft. Sie müssen lernen, sich durchzubeissen. Ich kann nicht an die EM reisen mit Spielern, die im Frühjahr nicht spielen. Ich werde die einzelnen Fälle bis März beobachten, aber in dieser Zeit muss sich etwas bewegen. Denn ein Spieler, der nicht spielt, kann weder physisch, taktisch, technisch noch mental bereit sein.

Und dabei sind grosse Namen egal?

Wir haben nur grosse Namen und alle sind Stars in unserer Mannschaft.

Gilt das auch für Captain Gökhan Inler, der bei Leicester kaum spielt?

Er hat ein bisschen mehr Kredit, weil er Captain ist, weil er viel für die Schweiz geleistet hat, es verdient und eine besondere Rolle in der Mannschaft einnimmt. Er ist ein Mediator und bewahrt Ruhe, auch in schwierigen Situationen wie zuletzt in Wien. Aber es gibt eine Schmerzgrenze – bei allen Spielern.

Was können Sie in Zukunft besser machen?

Ich wünsche mir, dass alle immer offen reden. Deshalb habe ich begonnen, dass die Spieler und der Staff ihre Wünsche und Meinungen aufschreiben. Positives und Negatives, vom Material bis hin zu den Reisen und was man vielleicht ändern könnte. Ich werde die Dinge am Ende auswerten. Der Prozess läuft noch, aber ich habe schon gesehen, dass die Mannschaft mit vielen Sachen einverstanden ist. Es geht meist nur um Kleinigkeiten.

Themenwechsel: Könnte Klarheit bezüglich Ihrer Vertragssituation mehr Ruhe in die EM-Vorbereitung bringen?

Es wird wohl nie Ruhe geben. Dann würden die Diskussionen losgehen, ob es nicht zu früh war oder warum der Vertrag verlängert wurde. Wichtig ist, dass alle Parteien überzeugt sind von der Sache.

Das heisst, dass Sie sich vorstellen können, ohne verlängerten Vertrag an die EM zu gehen?

Das kann ich mir vorstellen. Ich habe früher oft Black Jack und Poker gespielt. Ich war gut mit den Karten. Man wirft mir oft vor, dass man in meinem Gesicht nicht lesen kann.

Dann bluffen Sie zum Thema Vertrag oder haben Sie gute Karten?

Ich bluffe und versuche immer, gute Karten zu haben.

Brandstifter ärgern Petkovic Auf die Behauptung der «Schweiz am Sonntag» und die Fortsetzung in der «Aargauer Zeitung» es gebe in der Nati einen «Balkan-Graben», demonstrierte die Nati beim 2:1 in Österreich Zusammenhalt. «Sie haben die Gelegenheit genützt, stärker zu werden», sagte Vladimir Petkovic am Donnerstag und «über sportliche Themen kann man immer reden, aber wenn jemand absichtlich Feuer legen will, werde ich das nicht akzeptieren.» Dagegen habe er sich schon vor einem Jahr gewehrt, denn es habe nichts mit Fussball zu tun. Der Nati-Coach: «Diese Dinge ärgern mich. Die Spieler müssen nicht singen können, um Stolz und Charakter für die Schweiz zu zeigen.» Wenn Dinge auf das Persönliche abzielen, dann spüre die Mannschaft das. «Das muss aufhören, denn es gibt mir nicht den Eindruck, dass alle Gutes für die Schweiz wollen.» (ete)

Brandstifter ärgern Petkovic Auf die Behauptung der «Schweiz am Sonntag» und die Fortsetzung in der «Aargauer Zeitung» es gebe in der Nati einen «Balkan-Graben», demonstrierte die Nati beim 2:1 in Österreich Zusammenhalt. «Sie haben die Gelegenheit genützt, stärker zu werden», sagte Vladimir Petkovic am Donnerstag und «über sportliche Themen kann man immer reden, aber wenn jemand absichtlich Feuer legen will, werde ich das nicht akzeptieren.» Dagegen habe er sich schon vor einem Jahr gewehrt, denn es habe nichts mit Fussball zu tun. Der Nati-Coach: «Diese Dinge ärgern mich. Die Spieler müssen nicht singen können, um Stolz und Charakter für die Schweiz zu zeigen.» Wenn Dinge auf das Persönliche abzielen, dann spüre die Mannschaft das. «Das muss aufhören, denn es gibt mir nicht den Eindruck, dass alle Gutes für die Schweiz wollen.» (ete)

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