Aktualisiert 02.06.2014 15:03

Radioaktivität in Biel«Es gibt bestimmt noch weitere Deponien»

Der Aufschrei war gross: In Biel wurden auf einer ehemaligen Deponie Radium-Rückstände mit hoher Strahlung gefunden – die Bevölkerung wurde nicht informiert. Jetzt haben die Behörden Fehler zugegeben.

von
woz

Nach dem Fund von radioaktivem Abfall auf der A5-Baustelle in Biel haben die Behörden am Montag Fehler in der Kommunikation zugegeben. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) richtete umgehend eine Anlaufstelle für Fragen ein.

Es handelt sich um eine E-Mail-Adresse, an die sich besorgte Bürgerinnen und Bürger wenden können, gab BAG-Vizedirektor Roland Charrière an einer Medienkonferenz in Biel bekannt. Die Stadt Biel will ausserdem zusammen mit dem Kanton Bern Altlasten-Verdachtsflächen auf mögliche radioaktive Abfälle untersuchen.

Die Radiumkontamination, die auf der A5-Baustelle in Biel entdeckt wurde, berge nur geringe Risiken für Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung, teilten die Stadt Biel und das BAG weiter mit.

Grundwasser wird untersucht

Die Untersuchungen seien immer noch am Laufen. Letzte Woche seien Bohrungen durchgeführt worden, um das Grundwasser zu untersuchen. Die Resultate dazu sollen «bald» vorliegen.

Auf die Frage, wie viele verseuchte Deponien es in der Schweiz gebe, lautete die Antwort: Es gebe bestimmt noch weitere. In den 60er- und 70er-Jahre sei es normal gewesen, radioaktive Abfälle in Deponien zu entsorgen. Ein entsprechendes Programm zum Abbau sei am Laufen.

«Es hat etwas Sand im Getriebe gegeben»

BAG, Stadt Biel und Kanton Bern traten an der Medienkonferenz gemeinsam auf. Sich früher zu koordinieren und sich früher auszutauschen, wäre gut gewesen, sagte die Bieler Umweltdirektorin Barbara Schwickert.

«Es hat etwas Sand im Getriebe gegeben», sagte die Gemeinderätin über die Beziehung zwischen dem BAG und der Stadt Biel. Die Konflikte seien übers Wochenende aber ausgetragen worden. Es sei wichtig, dass Bund, Kanton und Stadt jetzt zusammenarbeiteten.

Radium-226 aus der Uhrenindustrie

Am Sonntag war bekannt geworden, dass auf der Baustelle für die Autobahnumfahrung von Biel Radium-226 aus der Uhrenindustrie gefunden worden war. Die Behörden trafen in der Folge Massnahmen zum Schutz der Bauarbeiter. Die Stadt Biel hatte seit letztem Jahr Kenntnis davon. Die Bevölkerung im Gebiet der ehemaligen Abfalldeponie wurde aber nie informiert.

Hier gehts zum Live-Ticker der Pressekonferenz:

Zum Liveticker im Popup (woz/sda)

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