22.10.2019 11:22

Tipps vom Experten

«Es gibt einfache Wege aus dem Herbstblues»

Wenn die Tage kürzer werden, fallen viele Menschen in ein Tief. Wie man dem entkommt, verrät Schlafforscher Björn Rasch.

von
Fee Riebeling
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Wer angesichts des Herbstes Trübsal bläst, ist damit nicht allein.

Wer angesichts des Herbstes Trübsal bläst, ist damit nicht allein.

iStock/Finwal
Denn der menschliche Körper braucht Tageslicht, um zu funktionieren. Und das fehlt in der dunklen – und kalten – Jahreszeit mit den kurzen Tagen.

Denn der menschliche Körper braucht Tageslicht, um zu funktionieren. Und das fehlt in der dunklen – und kalten – Jahreszeit mit den kurzen Tagen.

iStock/Yury Zap
«Das kann zu erhöhter Müdigkeit und längerem Schlaf führen», sagt Björn Rasch, Schlafforscher von der Universität Freiburg.

«Das kann zu erhöhter Müdigkeit und längerem Schlaf führen», sagt Björn Rasch, Schlafforscher von der Universität Freiburg.

iStock/Abykov

Wer zu den klassischen Uhrzeiten aus dem Haus zur Schule, Uni oder Arbeit geht, erlebt die Welt draussen zurzeit in tiefer Dunkelheit. Bei manchen Menschen kann das auf die Stimmung schlagen. Bei den meisten sorgt es zumindest für grosse Müdigkeit.

Herr Rasch*, warum bringt uns wenig Licht durcheinander?

Unsere innere Uhr wird sehr stark vom Tageslicht beeinflusst. Ich sage bewusst Tageslicht, weil es auch an bewölkten Tagen sehr stark wirkt. Wenn die Tage kürzer werden, bekommen wir weniger davon ab. Das kann zu erhöhter Müdigkeit und längerem Schlaf führen.

Haben wir nur das Gefühl, zu wenig zu schlafen, oder schlafen wir wirklich zu wenig?

Wenn wir könnten, würden wir länger schlafen als im Sommer. Das kommt durch die längere Dunkelphase.

Was macht das mit uns?

Wir müssen uns stärker wecken. Es fällt uns schwerer, aufzustehen. Dieses Gefühl prägt dann die Stimmung am Tag. Man fühlt sich weniger konzentriert, selbst wenn man objektiv gar nicht weniger konzentriert ist. Das führt zu Unmut.

Wie kann man dem begegnen?

Trotz des vielleicht nicht ganz so guten Wetters sollte man darauf achten, rauszugehen und Spaziergänge zu machen. Zum Beispiel in der Mittagspause oder am Wochenende. Am besten aber am Vormittag, dann fühlt man sich hinterher wacher.

Was bewirkt künstliches Licht in Innenräumen?

Auch das beeinflusst uns, aber viel weniger als das Tageslicht. Die Komposition des Sonnenlichts ist anders.

Wie sieht es mit Tageslichtsimulationslampen aus?

Sie können die zirkadiane Rhythmik – den Schlaf-Wach-Rhythmus – verzögern oder nach vorne schieben. Studien zeigen, dass sie etwa den Melatoninspiegel positiv beeinflussen. Melatonin ist das Hormon, das den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers steuert.

Die Frage ist aber, wie angenehm man solche Lampen empfindet. Denn um die gewünschte Ergebnisse zu bringen, müssen sie ziemlich hell sein. Für manche Menschen ist das schon zu viel. Dann macht die Lampe zwar wach, reizt aber die Augen. Das sollte man ausprobieren. Sofern das möglich ist, sollte man solche Lampen vor dem Kauf testen. Eine Woche etwa.

Was gäbe es sonst noch für Mittel, um dem Herbstblues zu entkommen?

Man kann versuchen, seine Einstellung zu ändern und der dunklen Zeit etwas abzugewinnen. Denn sind wir mal ehrlich,

wenn man die ganze Zeit mies gelaunt auf die Dunkelheit und das Wetter schaut, dann ist es nicht verwunderlich, dass man schlechte Laune und Müdigkeit entwickelt. Und wir in der Schweiz haben Glück: Dank der Berge können wir immer Sonne finden.

Diese Einschlafhilfen kosten keinen Rappen

Guter Schlaf ist keine Hexerei und muss auch nicht viel Geld kosten. Denn schon kleine Kniffe können Grosses bewirken – eine Übersicht.
(Video: iStock/Wibbitz)

Gratis-Schlaftipps für die, die versuchen, den Herbstblues mithilfe von ausreichend Schlaf zu bekämpfen. (Video: iStock/Wibbitz)

Björn Rasch leitet die Abteilung Kognitive Biopsychologie und Methoden an der Universität Freiburg. In EEG- und fMRT-Studien untersucht er mit seinem Team vor allem den Einfluss von Schlaf auf Gedächtnisprozesse. (Bild: Christian Doninelli)

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