1,5 Meter Mindestabstand: «Es gibt fast wöchentlich gefährliches Überholen»
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1,5 Meter Mindestabstand«Es gibt fast wöchentlich gefährliches Überholen»

Ein Politiker fordert einen Mindestabstand für Autofahrer, die Velofahrer überholen. Die Leser kennen die Gefahr. Doch nicht alle halten die Idee für sinnvoll.

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vro
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Mindestens ein 1,5 Meter Abstand soll beim Überholen von Velos gehalten werden.

Mindestens ein 1,5 Meter Abstand soll beim Überholen von Velos gehalten werden.

Keystone/Christian Beutler
Denn jeder zehnte Unfall sei auf zu wenig Abstand beim Überholen zurückzuführen.

Denn jeder zehnte Unfall sei auf zu wenig Abstand beim Überholen zurückzuführen.

Keystone/Patrick Huerlimann
Das einzuhalten, sei aber nicht immer möglich, findet SVP-Nationalrat Roland Büchel.

Das einzuhalten, sei aber nicht immer möglich, findet SVP-Nationalrat Roland Büchel.

Keystone/Christian Beutler

SP-Nationalrat und Pro-Velo-Präsident Matthias Aebischer will, dass Autofahrer, die ein Velo überholen, mindestens 1,5 Meter Abstand halten. In einem Vorstoss verlangt er, dass dies gesetzlich verankert wird. Bei manchen Velo fahrenden Lesern stösst die Forderung auf Zuspruch. «Wenn ich von meinem Arbeitsplatz mit dem Velo nach Hause gehe, komme ich an einer 80er-Strecke vorbei», schreibt ein Leser. «Es hat zwar einen Velostreifen, jedoch überholen mich Autofahrer zum teil mit knapp 20 Zentimeter Abstand, wenn gerade ein Auto von der anderen Seite kommt.» Und: «Zum Glück ist mir noch nichts passiert.»

Bernhard Platz aus Bergün GR hat schon mehrfach brenzlige Situationen erlebt, als er auf dem Velo von Autofahrern überholt wurde. «Am Sonntag fuhr ich auf der Bergstrecke von Bergün nach Filisur, als mich ein Auto überholte. Ich wurde fast an die Wand gedrückt», erzählt der 26-Jährige. Auf der Strasse kämen auch regelmässig Autos entgegen, die die Kurve schnitten und somit auf seiner Fahrbahn fahren. «Manche überholen auch an den unübersichtlichsten Stellen», sagt Platz.

«Fahrverhalten lässt auf beiden Seiten zu wünschen übrig»

«Irgendwann werde ich im Strassengraben enden», schreibt Leserin Helga*. Sie sehe oft Autofahrer, die zu wenig Abstand halten würden. Zwar sei sie für ein Gesetz für einen Mindestabstand, mehr Velowege wären ihrer Meinung nach jedoch sinnvoller.

Leser Denis F.* fährt täglich mit dem Velo von Horgen nach Zürich-Altstetten und zurück. «Trotz eingezeichnetem Velostreifen gibt es fast wöchentlich die Situation von gefährlichen Überholmanövern.» F. glaubt, das liege auch an der Handynutzung am Steuer. «Das Fahrverhalten lässt auf beiden Seiten zum Teil zu wünschen übrig. Manchmal habe ich das Gefühl, dass zu egoistisch gefahren wird.»

Eine weitere Leserin berichtet von einer kurzen Strecke auf ihrem Arbeitsweg, auf der sie mit dem Velo auf der Strasse statt auf einem Veloweg fahren muss. «Als ich um eine Kurve fuhr, wurde ich von einem Lastwagen überholt. Ich hatte Angst und bekam Panik, da ich fast keinen Platz hatte und ein Schacht auf meinem Weg war, bei dessen Deckel die Räder meines Rennvelos gern stecken bleiben.» Einen Unfall habe es nicht gegeben, doch «ich wünsche mir wirklich mehr Schutz und Sicherheit».

«Was ist mit den Velofahrern?»

Andere Velofahrer sehen in einer solchen Regelung weniger Sinn. Ein Leser, der laut eigenen Angaben viel mit dem Velo unterwegs ist, findet sie sogar vollkommen überflüssig. «Viel wichtiger ist die Geschwindigkeitsdifferenz, mit der überholt wird.»

Ein anderer Leser spricht aus Sicht der Autofahrer: «Was ist denn bitte mit den Velofahrern, die über rote Ampeln fahren und sich zwischen dem Kolonnenverkehr durchzwängen? Muss ich dann auch ausweichen, wenn ich Auto fahre, und was ist mit den Velofahrern, die auf der Strasse anstatt dem Veloweg fahren?» Der 29-Jährige appelliert deshalb an die gegenseitige Rücksichtnahme.

*Name der Redaktion bekannt

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