Aktualisiert 06.10.2007 07:44

«Es gibt genug Lehrstellen»

Sie bekämpft Offroader-Fahrzeuge - er verlangt von den Jungen mehr Engagement in der Ausbildung: Im Polit-eTalk lieferten sich die Grüne Claudia Gambacciani und der prominente FDP-Kopf Otto Ineichen einen Schlagabtausch.

Das Thema droht im Wahlkampf unterzugehen – im Polit-eTalk von 20minuten.ch aber sprach der Luzerner FDP-Politiker Otto Ineichen, 66, Klartext. «Es gibt genug Lehrstellen», so die Einschätzung Ineichens, der als Gründer von «Ottos Schadenposten» landesweite Bekanntheit erlangte. Das Problem bei der Ausbildung von Jugendlichen liege woanders. Zum einen zeigten viele Jugendliche «zu wenig Engagement», zum anderen sei das angestrebte Ausbildungsniveau in vielen Branchen zu hoch. Und Ineichen unterliess es nicht, das Chat-Publikum darauf hinzuweisen, dass sein Lehrstellenprojekt «Speranza» in diesem Jahr rund 3000 Ausbildungsplätze vermitteln werde.

Verbote? Oder Vernunft?

Claudia Gambacciani, 26, Nationalratskandidatin der Jungen Grünen Zürich, musste gegenüber den 20minuten.ch-Usern die Stopp-Offroader-Initiative ihrer Partei verteidigen. SUV-Fahrzeuge seien auf Stadtgebiet überflüssig, und da man nicht auf die Vernunft und Zurückhaltung der Automobilisten zählen könne, brauche es Verbote. Anders Ineichen, der sich als Ex-Offroader-Fahrer outete und argumentierte, selbst grosse Fahrzeuge würden in wenigen Jahren nicht mehr als sieben Liter Benzin verbrauchen.

Plakative Nacktheit

Gambacciani ist vielen 20minuten.ch-Usern allerdings nicht bloss als Offroader-Schreck in Erinnerungen. Einen bleibenden Eindruck hinterliess die Jungpolitikerin auch mit einer Aktion gegen die Zürcher Stadtpolizei, für die sich Gambacciani und weitere Junge Grüne halbnackt fotografieren liessen. Ob mit solchen Kampagnen die Politik nicht «gänzlich verblöde», wollte ein Chatteilnehmer wissen. «Im Gegenteil», entgegnete Gambacciani, «im Einheitsbrei der Wahlplakate braucht es solche Aktionen, um die Leute wachzurütteln.» Eine Meinung, der sich auch Ineichen anschliessen konnte: Er gratulierte der Jungpolitikerin zu «ihrem Mut».

Vorbei mit der Einigkeit wars jedoch schnell bei der User-Frage nach den Positionen der beiden zum Stimm- und Wahlrecht 16. Ein klares Ja gabs von Gambacciani: «Wir müssen damit die Jugendlichen für die Politik begeistern.» Ineichen hingegen lehnt eine Senkung des Stimm- und Wahlrechtalters strikte ab, «die meisten Jugendlichen wollen das gar nicht, das ist meine Erfahrung aus Schulbesuchen».

Blocher muss bleiben

Auch Gambacciani und Ineichen mussten sich im eTalk der Gretchenfrage dieses Wahlkampfes stellen: «Wie halten Sie es mit Blocher?» Gambacciani wiederholte die Forderung ihrer Partei, wonach die Grünen einen Bundesratssitz erhalten sollen – was allerdings nicht zwingend auf Kosten der SVP geschehen müsse. Gar nichts von einer Abwahl Blochers, hält Ineichen - damit würde die SVP-Leitfigur in eine «Märtyrer-Rolle» und dessen Partei in die Opposition gedrängt. «Das würde die Schweiz blockieren», warnte Ineichen.

Nationalratskandidatin Gambacciani mahnte zum Schluss ihren eTalk-Gegenspieler Ineichen an, «sich weiterhin für Jugendanliegen zu engagieren, bis es genügend Junge in der Politik hat, die die Anliegen ihrer Generation selber vertreten können.» Eine Forderung, mit der der FDP-Politiker und Unternehmer offenbar leben kann: «Ich wünschte mir, dass Sie gewählt werden, Frau Gambacciani», sagte Ineichen. (mma)

Das ganze eTalk-Protokoll lesen Sie hier.

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