Aktualisiert 27.11.2009 20:01

Zeitbomben im Finanzsystem

Es gibt Grund zu zittern

Eine der grössten Finanzkrisen der Geschichte scheint sich gerade zu entspannen. Doch es gibt keinen Grund aufzuatmen – wir sollten uns auf künftige Krisen vorbereiten. Eine Studie beschreibt mögliche Szenarien.

von
scc/zac

In der Studie «Extreme risks» von Watson Wyatt Worldwide untersucht das Unternehmen Risiken, welche die Finanzwelt treffen könnten. Von Währungskrise über Krieg bis zu einer tödlichen Pandemie ist alles dabei. Das Risk-Management der ZKB schätzt die Eintretenswahrscheinlichkeit als gering ein: «Die aufgeführten Risiken sind Extremfälle, welche ohne Zweifel gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und sogar die Menschheit nach sich ziehen würden.»

«Wenn solche Szenarien schon einmal stattgefunden haben, dann nur unregelmässig. Daher gibt es wenige historische Hintergründe» erklärt Watson-Wyatt-Berater Tim Hodgson die Rahmenbedingungen der Erhebung gegenüber «eFinancialnews». Die Wahrscheinlichkeit, wann und ob so ein Ereignis eintritt, sei deshalb schwierig einzuschätzen.

Auch das WEF publizierte eine Krisen-Aufstellung

Nicht nur paranoide Amerikaner beschäftigen sich mit dem Finanz-Armageddon. Bereits im Januar 2009 – zum Höhepunkt der aktuellen Krise – publiziert das Word Economic Froum eine Studie mit 36 Risiken aus den Bereichen Wirtschaft, Geopolitik, Umwelt, Soziales und Technologie heraus. Die Risiken wurden nach Wahrscheinlichkeit des Eintreffens von 1 bis 20 Prozent und der geschätzten Schadenshöhe (bis 1 Trillion Dollar) aufgeführt.

Die 15 Risiken wurden in der Studie von Watson Wyatt Worldwide in die drei Kategorien ökonomisch, politisch und finanziell unterteilt. Die Reihenfolge ergab sich aus der Wahrscheinlichkeit, dass das Szenario eintreffen wird. Auch wie gross die Auswirkungen für die Wirtschaft sein würden, spielte bei der Platzierung eine Rolle.

1. Depression

Wird durch eine Deflations-Falle ausgelöst, bei sinkendem Wachstum und Einkommen.

2. Hyperinflation

Eine starke Inflations-Spirale, die ausser Kontrolle gerät wie beispielsweise seit 2006 in Simbabwe.

3. Exzessiver Verschuldungsgrad

Die Verschuldung der Gesellschaft kann nicht mehr mit eigenen Mitteln zurückbezahlt werden.

4. Währungskrise

Plötzliche starke Ab- oder Aufwertung von Währungen. Nicht selten mündet eine Währungskrise in eine Finanz- und Wirtschaftskrise.

5. Eine weitere Bankenkrise

Einen ähnlichen Schock wie in den letzten Monaten könnten die Bilanzen der Banken nicht mehr tragen.

6. Staatliche Zahlungsunfähigkeit

Mehrere entwickelte Länder könnten unter Druck ihrer Schuldenlast zahlungsunfähig werden.

7. Klimawandel

Die Erderwärmung schreitet schneller voran als gedacht, so dass rasch Gelder aus der klassischen Wirtschaft in die Rettung der Umwelt gepumpt werden müssen.

8. Politische Krise

Umsturz und Machtübernahme durch eine extreme politische Gruppe.

9. Versicherungskrise

Solvenzprobleme bei den Versicherungen löst eine Krise ähnlich wie bei den Banken aus.

10. Protektionismus

Rückzug aus der freien Marktwirtschaft durch nationale Regime und die Errichtung von neuen «alten» Grenzen.

11. Uneinigkeit in Europa

Aufspaltung des europäischen Wirtschaftsraumes.

12. Ende des Kapitalismus

Mit dessen Ende erhält der Welt-Sozialismus wieder Aufschwung und die Märkte würden sich wieder schliessen und abkapseln.

13. Ende des freien Geldes

Zusammenbruch des monetären Systems und die Rückkehr der Kopplung des Geldes ans Gold. Eine steigende Inflation wäre die Folge.

14. Krieg

Eine Auseinandersetzung zwischen mehreren der grossen Wirtschaften über einen längeren Zeitraum.

15. Tödliche Pandemie

Ein Virus mit einer hohen Sterberate, welcher einen Grossteil der Menschheit auslöscht.

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