Aktualisiert 25.04.2020 21:05

Gewappnet gegen Sars-CoV-2

«Es gibt Hinweise auf Hintergrundimmunität»

Sind manche Menschen vor Sars-CoV-2 gefeit, weil sie schon einmal mit Erkältungs-Coronaviren infiziert waren? Unmöglich ist das nicht.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Milde oder symptomlose Corona-Verläufe könnten mit früheren Infektionen mit Erkältungs-Coronaviren zusammenhängen.
  • Darauf deutet eine Studie von Charité-Forschern hin.
  • Virologe Christian Drosten warnt davor, voreilige Schlüsse zu ziehen.

Wer sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, stirbt nicht zwangsläufig. Bei den meisten Betroffenen verläuft Covid-19 völlig unproblematisch. Manche bekommen noch nicht einmal mit, dass sie sich angesteckt haben. Woran das liegt, ist bislang völlig offen.

Vorstellbar ist, dass die Patienten, die glimpflich davonkommen, einfach weniger Virus aufgenommen haben, aber auch, dass sie ein besseres Immunsystem haben als diejenigen, die um ihr Leben kämpfen müssen. In seinem Podcast berichtete der deutsche Virologe Christian Drosten nun von einer weiteren möglichen Erklärung, auf die seine Kollegen an der Berliner Charité gestossen sind.

Christian Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin.

Christian Drosten ist Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin.

KEYSTONE

Abwehrzellen ohne Kontakt

Demnach könnten die milden und asymptomatischen Fälle auf frühere Infektionen mit Erkältungs-Coronaviren zurückzuführen sein: In der Bevölkerung bestehe offenbar «eine gewisse Hintergrundimmunität», so Drosten. Darauf lasse die Untersuchung von Abwehrzellen in Proben aus der Zeit vor der Pandemie schliessen.

Wie Drosten berichtet, hat das Team um den Immunologen Andreas Thiel dabei gesehen, dass bei 34 Prozent der Patienten reaktive T-Zellen (Blutzellen, die der Immunabwehr dienen) vorlagen, die bestimmte Teile des neuen Coronavirus erkannten. Und das, «obwohl diese Patienten nie Kontakt mit Sars-CoV-2 hatten.»

Das neue Coronavirus

Der offizielle Name des neuen Coronavirus lautet Sars-CoV-2 (Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2). Diese Bezeichnung wurde vom International Committee on Taxonomy of Viruses am 11. Februar 2020 beschlossen. Zuvor hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO das Virus als 2019-nCoV bezeichnet.

Gleichentags teilte die WHO mit, dass die durch das neue Coronavirus ausgelöste Krankheit offiziell Covid-19 (Corona Virus Disease 2019) heisst.

Damit verhält es sich bei der neuen Krankheit ähnlich wie bei HIV und Aids. Auch dort hat das Virus (HIV) einen anderen Namen als die Krankheit (Aids).

«Eine sehr gute Basis»

Dass diese Abwehrzellen trotzdem vorlagen, könne an durchgemachten Infektionen mit menschlichen Erkältungs-Coronaviren liegen, erklärt Drosten. Gleichzeitig warnt er davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Man dürfe nun keinesfalls annehmen, dass ein Drittel der Bevölkerung immun sei.

«Es ist im Moment nur eine sehr interessante immunologische Beobachtung», so der Virologe. Schliesslich sei es die erste Beobachtung, die in dieser Richtung weltweit gemacht wurde. «Eine sehr gute Basis, um das im Rahmen von Beobachtungsstudien weiter aufzuklären.»

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