Chiengora – Es gibt jetzt Mode aus Hundehaar
Ann Cathrin Schönrock, die Mitbegründerin von Modus Intarsia, mit einem möglichen Wolllieferanten.

Ann Cathrin Schönrock, die Mitbegründerin von Modus Intarsia, mit einem möglichen Wolllieferanten.

Stephanie Braun
Publiziert

ChiengoraEs gibt jetzt Mode aus Hundehaar

Neu kommt Wolle nicht vom Alpaka oder Schaf, sondern vom Hund. Wir haben mit einer der Gründerinnen von Modus Intarsia gesprochen. Die Firma will Mode aus Hundehaar salonfähig machen.

von
Johanna Senn

Hunde sind Freunde, Begleiter, Familienmitglieder und, geht es nach Modus Intarsia, nun auch Wolllieferanten. Das Berliner Unternehmen hat sich Chiengora verschrieben. Chiengora setzt sich aus Chien, Französisch für Hund, und Angora zusammen. Ann Cathrin Schönrock und Franziska Uhl, die zwei Gründerinnen von Modus Intarsia, halten sogar das Markenrecht am Namen. Die Wolle von unseren vierbeinigen Freunden soll mehr wärmen als Schafwolle und sieht wirklich chic aus. Sie ist aber keineswegs ein neues Phänomen.

Hundewolle hat lange Tradition

Das Verweben von Hundewolle mag unkonventionell klingen, hat aber eine längere Tradition als die Arbeit mit Schafwolle. Schon im prähistorischen Skandinavien sollen die Menschen Wolle von Hunden versponnen haben. Und auch die indigenen Völker Nordamerikas sollen Hundewolle verwendet haben, bevor die Spanier Schafe auf das Land brachten. Heute aber ist die Wolle vom Hund fast in Vergessenheit geraten und findet in der breiten Masse kaum Verwendung.

Das wollen Strickdesignerin Ann Cathrin Schönrock und Franziska Uhl, angehende Textilingenieurin, ändern und haben darum Modus Intarsia gegründet: «Irgendein Garn ist recht schnell aus Hundewolle gemacht. Wir haben es aber geschafft, daraus ein sehr feines Garn zu entwickelten, welches auf industriellen Strickmaschinen anwendbar ist. Damit sind wir die ersten auf der ganzen Welt», sagt Ann Cathrin Schönrock zu 20 Minuten Lifestyle.

«Für jede Wolle werden extra Tiere gezüchtet»

Die beiden gründeten Modus Intarsia mit der Vision, den Garnmarkt zu diversifizieren. Dabei ist Hundewolle eine Ressource, die schon vorhanden ist aber von vielen Menschen einfach weggeworfen wird. «Wir leben in einer Zeit, in der wir es uns nicht mehr leisten können, wertvolle Ressourcen dieser Erde zu verschwenden», schreiben sie auf ihrer Webseite. Ann Cathrin Schönrock erklärt: «Für jede Wolle werden extra Tiere gezüchtet, meistens nicht tierethisch gehalten und dann wird die Wolle geerntet. Bei unseren Tieren fällt die Wolle als Nebenprodukt der Haustierhaltung an. Kein einziges Tier wird dafür in die Welt gesetzt.»

Die Wolle aus Hundefell ist wärmer als die Wolle von Schafen und alles andere als kratzig, da sie von der feinen Unterwolle der Vierbeiner gewonnen wird. Um das kostbare Gut zu sammeln, haben Ann Cathrin und Franziska Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer mit ins Boot geholt: «Wir haben in den letzten vier Jahren ein inzwischen internationales Sammlernetzwerk aufgebaut, wodurch wir inzwischen mehrere Tonnen jährlich vor der Mülltonne retten», erklärt Ann Cathrin.

Bei der Sammelaktion des deutschen Unternehmens können auch Hundehalterinnen und Hundehalter aus der Schweiz mitmachen. Statt in den Müll wandert die ausgekämmte Unterwolle in ein Paket, das an eine Sammelstelle in der Schweiz geschickt wird. Dann wird die Wolle gewogen, sortiert und in die Wäscherei weiterversendet. Anschliessend wird sie entweder zu Handstrickgarn oder Industrie-Garn gesponnen. Pro Einsendung spendet Modus Intarsia einen Betrag an den Tierschutz – so haben auch die Fellnasen etwas davon.

«Da es sich bei der Faser um eine sogenannte Hohlfaser handelt, ist Hundewolle bedeutend wärmer als Schafswolle. Von der Wärme und Feinheit ist sie mit Kaschmir oder Angora vergleichbar.» Von der äusserst warmen Hundewolle sollen dann nicht nur Menschen profitieren.

Im Shop von Modus Intarsia gibt es nebst Balaclava und Beanies für Menschen auch Pullover für Hunde, die selbst keine Unterwolle haben und sonst die kalte Jahreszeit zitternd verbringen würden. Dabei sei die Wolle auch für Menschen besonders angenehm und sogar für Allergiker und Allergikerinnen sei die Wolle geeignet: «Wir haben dazu keine Studien durchgeführt, haben aber auch noch keine negative Erfahrung gehört. Das Garn ist sehr sauber und mehrfach gereinigt.»

Würdest du ein Stück aus Hundewolle tragen? Oder hast du sogar schon eines?

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