15.09.2015 16:36

Baselbieter an Hacker-EM«Es gibt keine völlig sicheren Systeme»

Der 19-jährige Birsfelder Anthony Schneiter gehört zu den besten Nachwuchs-Hackern der Schweiz. Bald darf er sich vielleicht sogar zu den besten Europas zählen.

von
Matthias Kempf
Anthony Schneiter hofft, eines Tages sein Hobby zum Beruf machen zu können.

Anthony Schneiter hofft, eines Tages sein Hobby zum Beruf machen zu können.

Anthony Schneiter hat es geschafft. Zusammen mit neun anderen Schweizern darf er vom 19. bis zum 22. Oktober die Schweiz an der European Cyber Security Challenge 2015, der Europameisterschaft der Nachwuchs-Hacker in Luzern vertreten. Schneiter geht es aber nicht nur darum, zu den Besten zu gehören – er möchte auch das Bild des Hackers ins rechte Licht rücken. «Hacker haben in der Gesellschaft ein zwielichtiges Image», so Schneiter. «Ich denke das liegt daran, weil in den Medien mit Hacker meist die sogenannten Black-Hats – die Hacker mit bösartigen Absichten – gemeint sind. Bei Wettbewerben sind allerdings die guten Hacker, die sogenannten White Hats gefragt.» Dies wolle man mit den öffentlichen Auftritten an der EM klarstellen.

Schneiter hat seine Kenntnisse noch nie missbraucht. Er sieht sich auf der Seite der ‹Guten› und will Systeme beschützen. «Ich greife nur mit Bewilligung fremde Systeme an.» Dabei gebe es vier Vorgehensschritte: «Zuerst muss man die Informationen über ein System einholen, danach muss man diese analysieren. Im dritten Schritt folgt die Attacke und zum Schluss die Präsentation mit den Sicherheitslücken und den Vorschlägen, um diese zu schliessen.»

Eine Garantie, dass das System nachher sicher ist, gibt es aber nicht: «Es gibt keine völlig sicheren Systeme», so Schneiter. Hacken sei wie das Eintauchen in die zweite Realität, in der wir uns alle mit der Internetnutzung bewegen: «Aber nur die wenigsten verstehen, wie das ganze System funktioniert. Man ist als Hacker wie eine Art Magier in dieser zweiten Realität.»

«Illegale Hacker leben paranoid»

Derzeit arbeitet Schneiter als Praktikant für Verwaltungssoftware bei einer IT-Firma in Basel und übt das Hacken in der Freizeit. Er könnte es sich alleine aus moralischer Überzeugung nicht vorstellen, illegal zu hacken und versteht auch nicht, warum andere es tun. «Die Chancen erwischt zu werden sind relativ gross. Es ist ein Leben eines Bankräubers – ständig in Angst, doch noch entdeckt zu werden.» Damit ein Hacker auffliege brauche es nur einen einzigen falschen Klick.

Schneiters Interesse für Computerprogramme und Technik entwickelte sich schon früh: «Ich habe bereits mit zwölf meine ersten Programme geschrieben.» Seit über einem Jahr ist der Absolvent der Informatik-Mittelschule Mitglied des Vereins Swiss Cyber Storm Challenge. Hier kommen junge Nachwuchs-Hacker zusammen, um sich auszutauschen und miteinander zu messen.

«Die Ethik steht bei uns an oberster Stelle», sagt Schneiter. «Im Swiss Cyber Storm Challenge akzeptieren wir keine Teilnehmer, die illegalen Aktivitäten nachgehen.»

Die EM im Blick

In der Selektion für die Europameisterschaften wurde in zwei Kategorien unterschieden. Das Team stellen je die besten fünf Mitglieder der 14- bis 20-Jährigen sowie der 20- bis 30-Jährigen. Schneiter hat es in seiner Kategorie unter die Top Fünf geschafft und reist mit den anderen neun Schweizer Teilnehmern an die European Cyber Security Challenge 2015, die Hacker-Europameisterschaft, nach Luzern. Er rechnet sich durchaus Chancen aus, gegen die anderen fünf Teilnehmerländer zu bestehen.

Unterstützt wird die erste grössere Hacker-EM vom Schweizer Finanz- und dem Aussendepartement. Der Gewinner erhält keine Sachpreise, dafür aber ein Zertifikat und die Möglichkeit auf aussichtsreiche Berufsmöglichkeiten. Eine grosse Chance für Schneiter, der eines Tages als professioneller Hacker arbeiten möchte.

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