Aktualisiert 20.04.2016 14:34

Hanf-Initiative

«Es gibt keinen Grund, Kiffer zu kriminalisieren»

Der Verein Legalize it! plant eine Volksinitiative zur Legalisierung von Cannabis. Co-Initiant Nino Forrer nennt das Kiffer-Paradies Colorado als Vorbild für die Schweiz.

von
daw

Herr Forrer, der Verein Legalize it! will die Cannabis-Legalisierung erneut vors Volk bringen. Warum?

Weltweit geht der Trend in Richtung Legalisierung. Cannabis hat in unserer Gesellschaft eine so grosse Akzeptanz, dass es keinen Grund mehr gibt, Kiffer zu kriminalisieren. Wir stellen fest, dass einige Kantone immer noch eine sehr repressive Politik fahren. Bestes Beispiel ist, dass mehrere Kantone letzten Sommer einen regelrechten Feldzug gegen Personen geführt haben, die wenige Hanfsamen im Internet bestellten. Sogar Wohnungen wurden durchsucht. Das ist doch nicht mehr verhältnismässig.

Sie stellen Cannabis auf dieselbe Stufe wie Tabak und Alkohol?

Man kann die Genussmittel nicht vergleichen. Es ist aber so, dass der Konsum nur für sehr wenige Kiffer problematisch ist. Es geht um unbescholtene Bürger, die am Wochenende einmal einen Joint rauchen. Beim Alkohol sind mehr Leute von einem problematischen Konsum betroffen.

Es gibt Studien, die besagen, dass regelmässiger Cannabis-Konsum dumm macht.

Über diese Frage wird in der Wissenschaft eifrig gestritten. Wie der Alkoholkonsum fördert das Kiffen sicherlich nicht gerade die Hirnleistung. Aber eine Verdummung durch den Cannabis-Konsum halte ich für ausgeschlossen. Ein intelligenter Mensch bleibt auch nach einem Joint noch intelligent, da muss sich niemand Sorgen machen.

Kiffen wird in der Schweiz nur noch mit einer Ordnungsbusse bestraft. Und mehrere Städte diskutieren Testprojekte zur straffreien Abgabe von Cannabis. Reicht das nicht?

Es stimmt, dass Bewegung in die Diskussion gekommen ist. Es handelt sich aber lediglich um Vorprojekte. Letztlich braucht es einen Volksentscheid in dieser Frage.

Wenn überall gekifft werden darf, wie wollen Sie Jugendliche schützen?

Die Abgabe wäre streng reglementiert. Heute kaufen Minderjährige ihr Gras auf dem Schwarzmarkt – teilweise ist es gestreckt und von schlechter Qualität. Wenn es diesen nicht mehr gibt, geraten Junge nicht in ein kriminelles Umfeld. So würde der Jugendschutz verbessert und es könnte gezielt Prävention betrieben werden.

2008 ist der Versuch der Cannabis-Legalisierung an der Urne kläglich gescheitert. Warum sollte das Volk nun anders entscheiden?

Mittlerweile hat man international Erfahrungen mit verschiedenen Modellen der Legalisierung sammeln können – von Kiffer-Clubs bis zu staatlichen Abgabestellen. Nehmen wir das Beispiel Colorado: Es ist unglaublich, wie dieser US-Bundesstaat profitiert. Der Staat verdient dank Steuern kräftig mit und es entstehen neue Arbeitsplätze. So etwas wäre auch in der Schweiz möglich. Wir haben zudem das Abstimmungsresultat von 2008 analysiert und daraus gelernt.

Was wurde denn falsch gemacht?

Die Stimmbürger nahmen die Initiative als linkes Begehren wahr – dabei haben wir Unterstützung aus allen politischen Lagern. Dieses Mal sollen deshalb weniger die Parteien im Vordergrund stehen als vielmehr Einzelpersonen von links bis rechts.

Mit diesem Video werben die Kiffer-Freunde für ihr Projekt:

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.