Publiziert

Covid-Zahlen explodierten nicht«Es gibt keinen Grund zum Aufatmen»

Nur noch gut 3000 positive Tests vermeldete das BAG Tage nach Weihnachten und Silvester. Laut Epidemiologin Nicola Low soll man sich nicht zu früh freuen.

von
Bettina Zanni
1 / 8
«Auf keinen Fall gibt es einen Grund zum Aufatmen», sagt Nicola Low, Epidemiologin an der Universität Bern und Mitglied der Covid-19-Taskforce.

«Auf keinen Fall gibt es einen Grund zum Aufatmen», sagt Nicola Low, Epidemiologin an der Universität Bern und Mitglied der Covid-19-Taskforce.

Bis jetzt blieb eine Explosion der Fallzahlen nach den Feiertagen jedoch aus, was optimistisch stimmen könnte. Der 7-Tage-Durchschnitt liegt aktuell bei rund 3300 Fällen.

Bis jetzt blieb eine Explosion der Fallzahlen nach den Feiertagen jedoch aus, was optimistisch stimmen könnte. Der 7-Tage-Durchschnitt liegt aktuell bei rund 3300 Fällen.

Während die Zahl der täglichen Neuansteckungen in den letzten Wochen öfter bei 4000 bis 5000 Fällen lag, meldete das BAG am Freitag noch 3220 Fälle.

Während die Zahl der täglichen Neuansteckungen in den letzten Wochen öfter bei 4000 bis 5000 Fällen lag, meldete das BAG am Freitag noch 3220 Fälle.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • Bis jetzt blieb die prognostizierte Explosion der Fallzahlen aus.

  • Der 7-Tage-Durchschnitt liegt aktuell bei rund 3300 Fällen.

  • «Auf keinen Fall gibt es einen Grund zum Aufatmen», sagt Nicola Low, Mitglied der Covid-19-Taskforce.

  • Die Schweiz weise eine hohe Anzahl Fälle bei einer im Verhältnis viel zu tiefen Testrate auf, so Low.

Pessimistische Prognosen dominierten bei einigen Epidemiologen für die Zeit nach den Feiertagen. «Weihnachten und auch die erhöhte Reiseaktivität werden die sowieso schon viel zu hohen Infektionszahlen noch weiter anfeuern», sagte die Genfer Virologin Isabella Eckerle kurz vor Weihnachten. Auch der Bundesrat schloss am 6. Januar einen erneuten Anstieg der Fallzahlen nach den Feiertagen nicht aus. Zudem wurden in der Schweiz bisher 88 Fälle des mutierten Coronavirus bestätigt.

Bis jetzt blieb eine Explosion der Fallzahlen nach den Feiertagen jedoch aus: Der 7-Tage-Durchschnitt liegt aktuell bei rund 3300 Fällen. Während die Zahl der täglichen Neuansteckungen in den letzten Wochen öfter bei 4000 bis 5000 Fällen lag, meldete das BAG am Freitag noch 3220 Fälle.

«Hohe Anzahl Fälle bei viel zu tiefer Testrate»

Auch verzeichnete die Schweiz weniger neue Hospitalisierungen (166) und Todesfälle (75) als auch schon an Werktagen der letzten Wochen. Gleichzeitig macht das Bundesamt für Gesundheit (BAG) jedoch darauf aufmerksam, dass die Zahlen zu den Hospitalisationen aufgrund von Meldelücken und Meldeverzug mit Vorsicht zu interpretieren seien. Gibt die aktuelle Lage Hoffnung zum Aufatmen?

Nicola Low, Epidemiologin an der Universität Bern und Mitglied der Covid-19-Taskforce, verneint. «Auf keinen Fall gibt es einen Grund zum Aufatmen», sagt sie. Die Schweiz weise eine hohe Anzahl Fälle bei einer im Verhältnis viel zu tiefen Testrate auf. Zum Vergleich zieht sie Australien heran. «In Australien werden pro Tag rund 60’000 Tests gemacht, wovon gerade einmal 20 positiv ausfallen.» In der Schweiz dagegen seien bei lediglich 26’000 Tests über 3000 positiv.

«Explosion könnte schon da sein»

Low geht «mit Sicherheit» davon aus, dass in der Schweiz mehr Menschen infiziert sind als diagnostiziert. «Die befürchtete Explosion der Fallzahlen nach Weihnachten könnte deshalb schon da sein – nur sehen wir sie nicht, weil die Testrate zu tief ist.» Auch die Ausbreitung der Infektion mit dem mutierten Virus könnte bereits zu einem Anstieg beitragen.

Auch die aktuell etwas tiefere Anzahl an Hospitalisierungen und Todesfällen deutet für die Epidemiologin nicht auf eine Entspannung hin. «Wenn an einem Tag 75 Menschen sterben, sind das 75 zu viel, und das ist absolut schrecklich.»

Neue Massnahmen

Falls notwendig, will der Bundesrat am 13. Januar zusätzliche Massnahmen ergreifen, wie aus einem Begleitschreiben des Innendepartements an die Kantone hervorgeht. Geplant sind eine Homeoffice-Pflicht und die Schliessung von Läden des nichttäglichen Bedarfs. Geht es nach Nicola Low, gibt es keine Zeit mehr zu verlieren. «Je schneller diese Massnahmen umgesetzt werden, desto schneller können wir wieder in eine angenehmere Lage zurückgehen.»

Sie sagt, dass die Schulen bei diesen Massnahmen nach wie vor geöffnet blieben. «Da sich Kinder gleich oft anstecken wie Erwachsene, bleibt offen, ob es nicht auch noch Fernunterricht braucht, um die Zahlen drastisch zu senken.» Als «schnellsten Weg, um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen», schlägt die Epidemiologin einen Lockdown vor. Zudem werde ein zweiter Lockdown dank der Impfung eine Lockerung der Massnahmen ermöglichen. «Wenn die Durchimpfungsrate hoch genug ist.»

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.