Simonetta Sommarugas emotionaler Karriere-Schlusspunkt

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Sommaruga-Rücktritt«Es gibt Momente im Leben, da können Sie nicht einfach zurückkehren»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga rang um Fassung, als sie den Grund für ihren Rücktritt schilderte. Es ist der Schlusspunkt einer 40-jährigen Karriere.

von
Claudia Blumer
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«Es gibt Momente im Leben, da können Sie nicht einfach zurückkehren.» Simonetta Sommarugas Ehemann Lukas Hartmann hatte vor zehn Tagen einen Schlaganfall. Nun hat sich die Bundesrätin entschieden, die «Schwerpunkte in ihrem Leben anders zu setzen».

«Es gibt Momente im Leben, da können Sie nicht einfach zurückkehren.» Simonetta Sommarugas Ehemann Lukas Hartmann hatte vor zehn Tagen einen Schlaganfall. Nun hat sich die Bundesrätin entschieden, die «Schwerpunkte in ihrem Leben anders zu setzen».

Screenshot youtube.com
Die Medienkonferenz war 40 Minuten vor Beginn angekündigt worden, der Rücktritt kommt überraschend. Auch für Sommaruga selber. Sie hatte geplant, länger im Amt zu bleiben. Doch auf Fragen, wann sie ursprünglich hätte zurücktreten wollen oder ob sie nachträglich etwas bereue, ging sie nicht ein. «Es ist nicht der Moment dazu und es ist auch nicht meine Art.»

Die Medienkonferenz war 40 Minuten vor Beginn angekündigt worden, der Rücktritt kommt überraschend. Auch für Sommaruga selber. Sie hatte geplant, länger im Amt zu bleiben. Doch auf Fragen, wann sie ursprünglich hätte zurücktreten wollen oder ob sie nachträglich etwas bereue, ging sie nicht ein. «Es ist nicht der Moment dazu und es ist auch nicht meine Art.»

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Damit geht eine 40-jährige politische Karriere zu Ende. Sie selber hätte als junge Frau kaum geglaubt, dass sie einst Bundesrätin werden würde, sagte ihr Mann Lukas Hartmann vor Jahren in einem Interview. Er selber habe es ihr eher zugetraut. Umgekehrt habe sie mehr Potenzial in seinen frühen Romanen gesehen.

Damit geht eine 40-jährige politische Karriere zu Ende. Sie selber hätte als junge Frau kaum geglaubt, dass sie einst Bundesrätin werden würde, sagte ihr Mann Lukas Hartmann vor Jahren in einem Interview. Er selber habe es ihr eher zugetraut. Umgekehrt habe sie mehr Potenzial in seinen frühen Romanen gesehen.

Tamedia

Darum gehts

Bundesrätin Simonetta Sommaruga (SP) zeigte sich emotional, als sie am Mittwochnachmittag überraschend ihren Rücktritt per Ende Jahr bekannt gab. Überraschend auch für sie selber – ihr Mann, der Schriftsteller Lukas Hartmann (78), hatte am 22. Oktober einen Schlaganfall erlitten. Daraufhin nahm Sommaruga eine einwöchige Auszeit und kehrte diesen Montag wieder an den Arbeitsplatz zurück. Doch inzwischen hatte sie sich entschieden, ihr «Leben zu verändern, andere Schwerpunkte zu setzen». Das sagte sie vor einem vollen Saal Medienschaffender, 40 Minuten zuvor war die Medienkonferenz angekündigt worden. Für diesen Entscheid erntet sie rundherum Respekt.

Die 62-jährige Bernerin liess sich anmerken, wie sehr sie die Ereignisse der letzten Tage mitgenommen haben. Wenn sie von ihrem Mann sprach, atmete sie hörbar und rang mit den Tränen. Sie habe viel durchgemacht, es sei ein Schock gewesen für beide, ein Einschnitt, der nachdenklich stimme. Zwar erhole sich ihr Mann den Umständen entsprechend gut und werde bestens umsorgt. Doch sie könne nicht einfach weitermachen wie bisher, sagte Sommaruga. «Es gibt Momente im Leben, da können Sie nicht einfach zurückkehren.»

SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga tritt per Ende 2022 zurück. Bei Interviews mit 20 Minuten wirkte sie dieses Jahr stets entspannt und verriet einige ihrer Vorlieben. (Video: 20min)

«Sie kam oft müde und erschöpft nach Hause»

Es folgte ein Rückblick auf die zwölfjährige Bundesratszeit. Dabei war dieser Weg nicht von Anfang an vorgespurt. Sie selber hätte als junge Frau wohl am wenigsten geglaubt, dass sie einst Bundesrätin werden würde, sagte ihr Mann Lukas Hartmann in einem Interview mit der «Schweizer Illustrierte» im Jahr 2016. Er selber habe sich das eher vorstellen können.

Im selben Interview sagte Hartmann auch, dass Simonetta Sommaruga in die Stadt Bern gezogen sei, weg von ihrem Haus in Spiegel BE mit dem geliebten Garten am Fusse des Gurten. Dass sie jetzt abmachten, wo sie das Wochenende verbrächten und die nächste Reise spontan unternähmen. Das belebe die Beziehung, sagte der Schriftsteller. Und dass das Leben einer Bundesrätin nicht leicht mit demjenigen eines Schriftstellers zu vereinen sei. «Sie kam nach all den Gesprächen oft erschöpft und müde nach Hause. Da will man zuerst einfach mal abschalten, wofür ich alles Verständnis habe. Ich hingegen, der den ganzen Tag allein war, wollte vielleicht reden.»

Beliebt gewesen bei Bürgerlichen

Sommaruga sagte am Mittwoch vor den Medien: «Ich habe zwölf Jahre lang ein Leben geführt, in dem das Amt als Bundesrätin immer oberste Priorität hatte. Das Amt als Bundesrätin verlangt einen vollen Einsatz, ich habe ihn gerne geleistet. Mit voller Kraft, Freude und Leidenschaft. Ich bin gern Bundesrätin, bis zum Schluss.»

Angefangen hat es früh, mit 21 wurde sie Kantonsrätin, mit 39 Nationalrätin, vier Jahre später Ständerätin. Landesweit bekannt wurde die zierliche Frau mit der beharrlichen Rede als Konsumentenschützerin: Fast 20 Jahre war sie bei der Stiftung für Konsumentenschutz in leitender Position. Dass sie noch etwas anderes kann, zeigte sie etwa am SP-Jubiläum 2013, als sie sich mit Kollege Alain Berset an den Flügel setzte. Sommaruga hatte nach der Matura in Immensee SZ in Luzern Klavierspiel studiert, später in Fribourg einige Semester Sprachen.

Der grosse Schritt kam 2010, als Moritz Leuenberger zurücktrat. Da war Sommaruga 50 Jahre alt und galt gegenüber Mitbewerberin Jacqueline Fehr als Favoritin, wegen mehr Nähe zu den Bürgerlichen. Sommaruga hatte das «Gurtenmanifest» von 2001 mitverfasst: Zuwanderung begrenzen, Staat verschlanken, mehr Selbstverantwortung für Sozialhilfebezüger.

Mutter des gemeinsamen Sorgerechts

Diese Positionen schienen zum Teil auch später noch durch, als sie Bundesrätin war. Manche warfen Sommaruga vor, die Masseneinwanderungsinitiative nur halbherzig bekämpft zu haben, die 2014 knapp angenommen wurde. Und als Mutter des gemeinsamen Sorgerechts und einer modernen Familienpolitik sind ihr die Väter des Landes bis heute dankbar.

In anderen Dossiers zeigte sich ihre links-grüne Herkunft. So hat sie sich als erste Bundesrätin bei den Verdingkindern entschuldigt, was ihr besonders wichtig ist. Mit dem CO2-Gesetz versuchte sie, eine Abgabe aufs Fliegen einzuführen, und für das Mediengesetz hatte sie sich vehement eingesetzt, weil ihr die Zeitungen am Herzen liegen. «Wir hatten zu Hause das ‹Vaterland› und den ‹Corriere del Ticino› auf dem Küchentisch», sagte sie im Gespräch mit 20 Minuten. Beide gebe es heute nicht mehr.

Sie hätte noch nicht zurücktreten wollen. Sie tue es jetzt, weil der Schlaganfall ihres Mannes die Situation komplett verändert habe. Mit ihm und beiden Familien werde sie das nun durchstehen. Auf Fragen, wann sie ursprünglich hätte zurücktreten wollen oder ob sie nachträglich etwas bereue, ging sie nicht ein. «Es ist nicht der Moment dazu und es ist auch nicht meine Art. Ich bin eine Person, die nach vorne schaut. Jetzt kommt ein neuer Lebensabschnitt.»

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