Expertin verrät: Mit diesen Outfits punktest du beim Bewerbungsgespräch

Wir verraten dir, worauf du bei deinem Outfit achten solltest, damit es beim nächsten Jobinterview klappt.

Wir verraten dir, worauf du bei deinem Outfit achten solltest, damit es beim nächsten Jobinterview klappt.

Pexels/cottonbro
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Jobinterview«Es gibt nichts Schlimmeres als underdressed zum Vorstellungsgespräch zu erscheinen»

Für den ersten Eindruck gibt es nur eine Chance. Wir haben bei Bewerbungsexpertin Selma Kuyas nachgefragt, wie du im Vorstellungsgespräch auch mit deinem Outfit punktest.

von
Johanna Senn

Einige Dinge kannst du beim Bewerbungsgespräch nicht beeinflussen. Wie du vor Ort erscheinst und was du anziehst, um einen guten Eindruck zu hinterlassen, aber schon. Wir haben mit Bewerbungsexpertin Selma Kuyas über den richtigen Auftritt beim Jobinterview gesprochen.

Hallo Selma, um gleich zur Sache zu kommen: das richtige Outfit für das persönliche Gespräch: Was rätst du grundsätzlich?

Am wichtigsten ist, dass man diese Frage vorab mit der HR-Person abklärt und nachfragt: Was ist euer Dresscode? Es gibt nichts Schlimmeres, als underdressed zu einem Vorstellungsgespräch zu erscheinen. Menschen fällen innert weniger Sekunden eine Entscheidung, wie jemand wirkt. Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck.

Was, wenn man keine zufriedenstellende Antwort bekommt?

Dann würde ich mich so kleiden, wie wenn ich an ein Familienfest gehe. So, dass auch das Grosi zufrieden wäre.

Wenn man schon Mitarbeiter der Firma kennt, kann man sich auch bei ihnen nach dem Dresscode erkundigen?

Das würde ich nicht machen. Diese sind bereits im Job und können lockerer auftreten als ein möglicher Kandidat oder eine Kandidatin. Die Nachfrage nach dem Dresscode gibt der HR-Person zusätzlich das Signal, dass sich jemand mit dem Unternehmen und dessen Werten auseinandersetzt.

Wie oft hast du dich schon für Jobs beworben?

Man sollte also das ganze Gespräch von A-Z planen?

Ja, das Vorstellungsgespräch muss von Anfang bis Ende vorbereitet werden. Dazu gehört nicht nur, dass man nach dem Dresscode fragt, sondern auch die Anreise plant und einen Zug oder ein Tram früher nimmt, falls etwas passiert. Es geht auch nicht nur um das Outfit, sondern auch um ein allgemein gepflegtes Auftreten.

Wenn man vor Ort merkt, dass man underdressed ist, wie kann die Situation gerettet werden? 

Ich würde das ansprechen à la: Ich hatte so eine Vorfreude und habe komplett vergessen, mich nach dem Dresscode zu erkundigen. Jetzt habe ich gemerkt, dass mein Outfit vielleicht nicht passt oder einen falschen Eindruck erwecken könnte. Und um Nachsicht bitten.

Was ist wichtiger: mit dem Outfit die eigene Persönlichkeit widerspiegeln oder zeigen, dass man in die Firma passt?

Wenn es der absolute Traumjob ist, ist es auch der Traumjob, wenn man authentisch sein darf. Ich würde Authentizität aber nicht mit dem Kleidungsstil in Verbindung bringen. Unternehmen wollen Wunschkandidaten einstellen, also Menschen, die fähig sind, sich anzupassen und doch sie selbst zu bleiben. Man sollte sich aber auch nicht komplett verbiegen: Wer beispielsweise nur Jeans trägt, wird im Endeffekt in einem Unternehmen mit Anzugspflicht nicht glücklich werden.

Selma Kuyas ist Bewerbungsexpertin und steht Bewerbungswilligen mit Rat und Tat zur Seite. Mit ihrer Führungserfahrung aus den Bereichen Business Operations, Coaching, Arbeitsintegration, HR und Grafikdesign unterstützt sie Menschen aus jeglichen Branchen, damit es mit dem Traumjob klappt. Dazu gibt sie auf Social Media oder auf ihrer Website konkrete Tipps, wie du dein berufliches Ziel erreichst. Kuyas wurde 2020 sowie 2021 als Linkedin Top Voice ausgezeichnet.

Was empfiehlst du Menschen, die neu den Berufseinstieg wagen und doch ihren persönlichen Stil in die Firma bringen möchten?

T-Shirts mit Print, Marken-Logos oder auffälligen Mustern würde ich im Schrank lassen, denn das lenkt ab. Entscheide dich darum zum Beispiel für etwas Unifarbenes. So ist der Fokus im Gespräch dann sicher bei dir und nicht auf deinem Outfit.

Wieso sollte man auf Logos im Gespräch verzichten?

Es kommt auf die Branche an: Wenn man sich bei Prada bewirbt, kann man natürlich mit den Prada-Schuhen zum Gespräch auftauchen, um zu zeigen, dass man sich schon jetzt mit der Marke identifiziert. Auf Namedropping mit Kleidungsstücken würde ich aber verzichten. Du weisst nie, wer dein Gegenüber ist und was für Assoziationen er oder sie mit der entsprechenden Marke verbindet.

Auf auffällige Label solltest du laut unserer Expertin für das Jobinterview verzichten.

Auf auffällige Label solltest du laut unserer Expertin für das Jobinterview verzichten.

Unsplash/BenjaminWilliams

Wie sieht es mit der passenden Farbe aus?

Ich würde auf eine dezente, frische Farbe wie etwa Hellblau setzen. Denn jede Farbe hat eine Wirkung auf das Gegenüber. So assoziieren wir Rot als Signalfarbe oder komplett Schwarz mit Schwere oder Trauer – diese Signale lösen unbewusst etwas aus. Das will man im Gespräch vermeiden.

Gerade wenn es, wie jetzt im Sommer, besonders heiss ist: Was rätst du Männern, die unbedingt einen Anzug tragen müssen?

Bei einer Hitzewelle würde ich sagen ist es okay, wenn du ein Kurzarmhemd wählst. Aber wie gesagt: Man kann sich so viel Kopfzerbrechen vor dem Kleiderschrank ersparen, wenn man vorher nachfragt.

Wie sieht es während der Hitzewelle mit offenen Schuhen für das Erstgespräch aus?

Auch wenn es heiss ist, kannst du zu Schuhen mit Mesh-Stoff oder für Frauen zu Ballerinas greifen. Das Vorstellungsgespräch geht meist nur eine bis zwei Stunden, das kann man verschmerzen. Sobald man im Unternehmen ist und sieht, dass die anderen Mitarbeitern Birkenstocks tragen, kann man diese später dann auch anziehen. Fürs Vorstellungsgespräch würd ichs lassen.

Die Birkenstocks dürfen nach dem Bewerbungsgespräch wieder an deine Füsse.

Die Birkenstocks dürfen nach dem Bewerbungsgespräch wieder an deine Füsse.

Unsplash/ChristinHume

Früher waren Spaghetti- und Trägertops ein absolutes No-Go. Wie sieht das 2022 aus?

Der Fokus soll im Gespräch nicht auf dem Outfit, sondern auf der Persönlichkeit liegen. Ich bin darum für das Vorstellungsgespräch ein Fan von dezenter Kleidung und Make-up. Auch auffälligen Schmuck würde ich zu Hause lassen. Es gibt aber natürlich Ausnahmen: Wenn sich jemand in der Schmuckabteilung bewirbt, kann man natürlich auch seinen Lieblingsring tragen und im Gespräch darauf Bezug nehmen.

Was ist für dich beim Bewerbungsgespräch in puncto Outfit ein absolutes No-Go?

Alles, was übertrieben oder künstlich wirkt oder die Sinne des Gegenübers durcheinanderbringt. Ob das ein starkes Parfum ist, ein ungepflegtes Auftreten oder Statussymbole wie die goldene Rolex.

Verrätst du uns einen Trick, wie man sich im Gespräch besonders wohl fühlt?

Vorbereitung ist das halbe Leben. Und zwar nicht nur zu und über sich selbst und seine Stärken und Schwächen, sondern auch über das Unternehmen: Wie ist ihre Kultur? Was ist ihre Vision? Da hilft es, sich über das Internet und Social Media zu informieren. Es hilft auch, wenn man sich die Frage beantwortet, wieso man genau diesen Job möchte. Dann ist das Gespräch eher ein Kennenlernen und ein Dialog zwischen Bekannten, statt dass sich der Kandidat oder die Kandidatin als Bittstellerin oder als Bittsteller fühlt. 

Teile mit uns deinen Tipp für das nächste Bewerbungsgespräch in den Kommentaren!

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