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Tom Lüthi«Es gibt nur ein Thema: Das Duell mit Domi»

Nach einer durchzogenen Saison zurück in der Weltspitze: Tom Lüthi will in Valencia den Beweis erbringen, dass er die Nummer 1 der Schweizer Moto2-Piloten ist.

von
Alexandra Stäuble
Valencia

Tom Lüthi, Vor einem halben Jahr stand Ihnen der Frust ins Gesicht geschrieben. Sie haben geflucht und sich über die schlechten Ergebnisse beschwert. Schön, Sie wieder strahlen zu sehen.

Tom Lüthi: War es wirklich so schlimm? (lacht)

Ja.

Ich war enttäuscht, weil mir die Hände gebunden waren. Damals in Le Mans war es schon extrem. Wir, also Domi (Suter, Anm. d. Red.) und ich, hatten nicht den Hauch einer Chance gegen die ganze Kalex-Meute. Vielleicht hat es ein solches Wachrütteln – auch bei mir – gebraucht.

Inwiefern?

Wir haben den nötigen Schritt gemacht. Klar, es war hart und dauerte mehrere Rennen, aber wir haben es geschafft.

Worin bestand die Lösung?

Der neue Rahmen hat viel dazu beigetragen. Damit konnten wir gut arbeiten. Zudem haben wir viel an den Einstellungen geändert.

Abgesehen vom Material, das nicht konkurrenzfähig war: Wäre es Tom Lüthi gewesen?

Ich habe nie gesagt, nur das Material ist schuld. Schliesslich habe ich es mitentwickelt und dabei auch Fehler gemacht. Also konnte ich nie sagen, ich bin super, bereit und die Maschine nicht. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass wir aus dem Loch finden.

Ausgerechnet während dieser schwierigen Phase bestach Dominique Aegerter durch seine unbeschwerten Auftritte. Entstand bei Ihnen dadurch zusätzlicher Druck?

Jein. Klar wäre ich auch gerne schneller gewesen, aber ich gönnte ihm seinen ersten Sieg (Sachsenring, Anm. d. Red.) sehr. Rückblickend gesehen war es auch für mich gut, denn ich wusste, er sitzt auf dem gleichen Motorrad und gewinnt. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis es auch bei mir wieder passt. Wir mussten nur das richtige Puzzleteil finden.

Das haben Sie. In den letzten sieben Rennen fuhren sie konstant in die Top 5 und haben Dominique Aegerter in der WM-Wertung überholt. Jetzt kommt es in Valencia zum Showdown: Ihre sieben Punkte Vorsprung sollten reichen, oder?

Ja, eigentlich schon. Aber ich darf mir keinen Fehler erlauben, denn sieben Punkte holt er ohne Probleme.

Inwiefern ist das Schweizer Duell um den vierten WM-Platz ein Thema?

Sehr! Ich werde derzeit ständig von allen danach gefragt. Aber ich denke, es ist vor allem für die Medien ein grosses Thema.

Stachelt man sich da gegenseitig an?

Nein. Dafür sind Domi und ich zu sehr Profis. Ausser einer von uns lässt sich von den Medien dazu anstiften.

Und?

Nein. Aber es ist klar: Beide wollen am Ende die Nase vorn haben.

Nicht nur diesbezüglich ist das Rennen in Valencia von grosser Bedeutung. Sie werden letztmals für das Paddock-Team an den Start gehen.

Ich wünsche mir sehr, dass wir noch einmal alle zusammen einen Erfolg und so einen würdigen Abschluss feiern können. Am besten wäre es, noch einmal auf das Podest zu fahren.

2015 bekommt die Schweizer Töff-Delegation weiteren Zuwachs. Ausnahmetalent Jesko Raffin steigt in die Moto2 auf.

Das ist cool, der Hammer, ich freue mich unglaublich! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: So viele Fahrer aus der motorsporttechnisch gesehen kleinen Schweiz.

Wie schätzen Sie seine Chancen ein?

Er ist zweifelsohne ein riesiges Talent und kann bestimmt viel erreichen - wenn er im Zirkus rasch Fuss fasst und schnell lernt, vielleicht schon bald.

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