Rue de Blamage, Altstätten SG - «Es ging chlapfartig aus der Schlafphase ins Extreme»
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Rue de Blamage, Altstätten SG«Es ging chlapfartig aus der Schlafphase ins Extreme»

In Altstätten ist die Situation in einer Strasse mit vielen Barbetrieben eskaliert. Anwohnende trafen an Wänden auf Erbrochenes und Urin. Die Stadt handelte und schaut nun genau hin.

von
Michel Eggimann
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An der Trogenerstrasse, der sogenannten Rue de Blamage, in Altstätten dürfen derzeit ab 21 Uhr keine Gläser mehr an Gäste abgegeben werden. 

An der Trogenerstrasse, der sogenannten Rue de Blamage, in Altstätten dürfen derzeit ab 21 Uhr keine Gläser mehr an Gäste abgegeben werden.

Google Street View
Dies, nachdem die Situation an der Strasse mit vielen Barbetrieben zuvor ausgeartet ist.

Dies, nachdem die Situation an der Strasse mit vielen Barbetrieben zuvor ausgeartet ist.

Gemeinde Altstätten
Anwohnende trafen in ihren Gärten und an Hausfassaden auf Urin und Erbrochenes.

Anwohnende trafen in ihren Gärten und an Hausfassaden auf Urin und Erbrochenes.

Gemeinde Altstätten

Darum gehts

  • An der Rue de Blamage in Altstätten gelten derzeit spezielle Vorschriften.

  • Zuvor ist die Situation an der Strasse mit vielen Barbetrieben eskaliert.

  • Für eine Besserung arbeiten alle involvierten Parteien zusammen.

  • Für eine Bilanz ist es noch zu früh, es wird nun genau hingeschaut.

In der Region ist die Rue de Blamage berüchtigt. Die Bezeichnung der Strasse in Altstätten SG ist historisch bedingt und ein gesetzter Begriff. In letzter Zeit machte die Strasse mit seinen vielen Bar-Betrieben dem Namen jede Ehre. Andreas Broger, Vizepräsident der Stadt sowie Präsident der Kommission Innere Sicherheit, Ruhe und Ordnung, sagt: «Anwohnerinnen und Anwohner fanden an den Hauswänden oder in den Gärten Urin sowie Erbrochenes.» Auch «TVO» berichtete über die Problematik. Laut Broger nahm die Situation ein Ausmass an, das nicht mehr akzeptiert werden konnte. Er meint zum Moment, als die Gastro-Betriebe vor einigen Wochen wieder öffnen durften: «Es ging chlapfartig aus der Schlafphase ins Extreme. Bei der Rue de Blamage hatte es an den Wochenenden einen Pulk von Menschen, darunter aussergewöhnlich viele Junge gegeben.»

Es kam auch zu Sachbeschädigungen. Deswegen gab es letzten Donnerstag einen runden Tisch. Mit dabei waren Vertreter der Stadt, Wirte und Sicherheitskräfte. Es wurden Sofortmassnahmen beschlossen, die bereits einen Tag später umgesetzt wurden. «Ab 21 Uhr dürfen die Wirte Getränke nur noch in Bechern ausschenken und nicht mehr in Gläsern. Zudem haben wir die Kontrollen durch die Sicherheitsdienste optimiert», so Broger.

Für Bilanz noch zu früh

Das erste Fazit fällt positiv aus. Laut dem Altstätter Vizepräsidenten gab es nach dem letzten Party-Wochenende kaum Scherben. Er relativiert aber auch: «Am Freitagabend hatte es nicht so viele Leute und am Samstag zog gegen 22.30 Uhr ein Unwetter auf.» Später habe es aber noch einmal mehr Leute unterwegs gehabt. Broger ist selbst vor Ort gewesen. Aufgrund des Wetters wolle er aber noch kein abschliessendes Urteil fällen, ob die Massnahmen die Situation verbessert haben. Er sagt: «Die grosse Probe kommt erst, wenn an einem Samstagabend schönes, warmes Wetter herrscht.» Was der Stadtrat auch sagt, ist, dass die aktuelle Lage keine Endlösung sei.

Auch die Wirte selbst wollen noch keine Bilanz ziehen. Für viele ist es jedoch störend, nur in Bechern Getränke ausschenken zu dürfen. Besonders für die ältere Kundschaft sei das teils irritierend. Das sieht auch Broger ein und meint, die Wirte müssten da auch ein wenig aufklären. Bruno Wettstein vom Restaurant Kreuz sagt: «Bei den Bechern handelt es sich um Einwegbecher, auf denen es kein Depot gibt.» Falls das Wetter am nächsten Wochenende besser wird, werde man besser einschätzen können, ob die neuen Massnahmen etwas bewirkt haben. «Wir warten es nun ab», sagt Wettstein.

Ziel: Gesittete und geordnete Verhältnisse

Den grossen Andrang an der Strasse erklärt sich Wettstein einerseits mit der Lockerung der Massnahmen, doch: «Es fehlen momentan andere Veranstaltungen und Partys, an denen die Leute teilnehmen würden.» Man ist sich aber sicher, dass das Besucheraufkommen mit der Zeit wieder kleiner werden wird.

Das wird auch die Kantonspolizei St. Gallen genau beobachten. Sprecher Hanspeter Krüsi sagt: «Wir arbeiten in Altstätten alle zusammen. Das gemeinsame Ziel ist es, die Lage in den Griff zu bekommen.» Damit meint er gesittete und geordnete Verhältnisse, die für alle stimmen – also für die Wirte, die Gäste, die Stadt und auch die Anwohnenden an der Rue de Blamage.

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