KFC Chur - «Es ging drunter und drüber, manche kamen sogar weinend heraus»
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KFC Chur«Es ging drunter und drüber, manche kamen sogar weinend heraus»

Über ein Dutzend Personen haben in der Nacht auf Mittwoch in Chur vor dem KFC campiert. Sie erhofften sich ein Jahr lang gratis Essen, viele wurden enttäuscht und sind nun verärgert.

von
Michel Eggimann

Einer der glücklichen Gewinner, der vor dem Restaurant campiert hat, schildert seine Eindrücke.

20 Minuten

Darum gehts

  • In Chur öffnete am Mittwoch ein KFC.

  • In der Nacht vor der Eröffnung campierten Jugendliche vor dem Restaurant.

  • Sie sagen, Angestellte der Fast-Food-Kette hätten Versprechen nicht eingehalten.

  • Dabei geht es um die Vergabe von Gutscheinen.

  • Die Eröffnung endete in einem grossen Gedränge.

Die Freude war gross. Am Mittwoch, Punkt 11 Uhr, öffnete Kentucky Fried Chicken in Chur eine Filiale. Die amerikanische Fast-Food-Kette versprach den ersten 20 Gästen ein Jahr gratis Essen. Ihnen wurden jeweils Gutscheine im Wert von 1040 Franken übergeben. Was schön klingt, endete für einige Jugendliche in einer Enttäuschung. Einer aus der Gruppe meint: «Die Idee war nicht schlecht, nur die Umsetzung war eine Katastrophe.»

Angefangen hat für ihn alles am Abend vor der Neueröffnung. Gemeinsam mit vorwiegend anderen Jugendlichen hat er sich vor dem Restaurant versammelt. Er schildert: «Wir stellten Zelte auf, assen und freuten uns auf den morgigen Tag. Es regnete und windete zeitweise sehr stark in der Nacht. Viele von uns schliefen zugedeckt unter Jacken auf Stühlen.» Trotz des Wetters sei es ein freudiges Ereignis gewesen. Sie hätten seit längerer Zeit zum ersten Mal wieder das Gefühl von Freiheit bekommen. Es sei vergleichbar gewesen mit einem Open Air – nur halt Corona-konform und ohne zu laute Musik.

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Vor dem neuen KFC in Chur bildete sich eine lange Schlange. Im Gedränge kam es zu kleinen Handgreiflichkeiten.

Vor dem neuen KFC in Chur bildete sich eine lange Schlange. Im Gedränge kam es zu kleinen Handgreiflichkeiten.

News-Scout
Die ersten 20 Kundinnen und Kunden erhielten einen Gutschein.

Die ersten 20 Kundinnen und Kunden erhielten einen Gutschein.

20min/Taddeo Cerletti
Die Gutscheine sind nur im Restaurant in Chur gültig.

Die Gutscheine sind nur im Restaurant in Chur gültig.

20min/Taddeo Cerletti

Jugendliche organisierten sich

Schon im Verlaufe des Abends seien sie immer mehr geworden, schildert der Jugendliche. Da es nur für 20 Personen Gutscheine gab, hätten sie sich organisiert. «Der Deal war einfach. Komm her, schreib dich ein und bleib hier bis morgen (WC-Pausen ausgenommen).» Alle hätten das begriffen, auch diejenigen die nicht auf der Liste landeten. Das Dokument fand auch den Weg zu den Angestellten der KFC-Filiale in Chur. Laut dem Jugendlichen wurde ihnen versprochen, dass sie die Gutscheine bekommen, wenn sie am nächsten Tag noch immer anwesend sind. «Die Realität war am nächsten Morgen jedoch ganz anders», so der Bündner.

Nachdem es hell wurde, erschienen immer mehr Personen vor dem Restaurant. Die 20 Leute auf der Liste wurden langsam nervös. Doch ihnen wurde kurz nach 8 Uhr noch einmal versichert, es werde alles gut. Erst später habe ein Mitarbeiter gesagt: «Der Schnellere gewinnt.»

Eröffnung endete im Chaos

Wie der Jugendliche und auch andere Leute vor Ort sagten, endete die Eröffnung im Chaos. Es wurde geschubst, geschrien und gedrängelt. Sicherheitsleute sind, laut einem Reporter von 20 Minuten, keine vor Ort gewesen. Alles habe sehr unorganisiert gewirkt. Der Jugendliche schildert: «Es ging drunter und drüber, manche kamen sogar weinend heraus. Es war ein Schauspiel wie ich es nur von Filmen oder einem Black Friday in Amerika kannte.» Von den 20 Personen, die bis zu 13 Stunden gewartet, gezittert und gelitten hätten, seien nur drei dafür mit den Gutscheinen belohnt worden und unter den ersten 20 Gästen gewesen.

Einer der glücklichen Gewinner, der vor dem Restaurant campiert hat, schildert seine Eindrücke.

20 Minuten

Die Kommunikationsverantwortlichen von Kentucky Fried Chicken Schweiz räumen ein gewisses Chaos ein. In einer Stellungnahme heisst es: «Unser Sicherheitskonzept innerhalb des Restaurants hat funktioniert, leider ergaben sich aber ausserhalb des Restaurants Engpässe.» Man sei überrascht worden, dass so viele Leute zur Eröffnung des Restaurants gekommen sind. Vor allem auch, da die Gewinn-Aktion nur mittels sehr kleinem Werbebudget und während sehr kurzer Zeitdauer kommuniziert worden sei. Bezüglich den Campierenden steht in der Stellungnahme: «Alle Leute, die vor dem Restaurant campiert haben, wurden als erste hereingelassen.»

Das sagen die Leser und Leserinnen

Ein erster Artikel zur Eröffnung und dem Campieren wurde von der 20-Minuten-Community kontrovers diskutiert. Jemand schreibt etwa: «Hauptsache gratis, da sind die Schweizer immer dabei. Egal ob es schmeckt oder nicht.» In einem weiteren Kommentar heisst es: «Es sind Gutscheine im Wert von über 1000 Franken. Da lohnt es sich schon, draussen zu übernachten. Immerhin ist man auch nicht allein.» Ein anderer Leser beklagt sich über die Vordrängler. «Gratis hat immer einen hohen Preis», heisst es in einem weiteren Kommentar. Oder: «Früher standen sie für Autogramme, Konzertkarten, iPhones oder rare Sneakers an. Jetzt für KFC-Gutscheine? Die Welt sinkt immer tiefer.»

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