ManU - ManCity: «Es hätte eine Beerdigung sein müssen»

Aktualisiert

ManU - ManCity«Es hätte eine Beerdigung sein müssen»

Das Derby bot alles, was man sich denken kann: Schlagende Spieler, ausrastende Zuschauer und natürlich auch emotionale Trainer. Ein Rückblick auf das Derby für die Geschichtsbücher.

von
Lars Gansäuer

Die englischen Medien suchen gerne grosse Schlagzeilen, doch für einmal waren sich alle einig: Das Duell von Manchester United gegen Manchester City wird als eines der verrücktesten und spannendsten Derbys in die Geschichte eingehen. Und es bot auch nach den 90 Minuten noch unendlich viele Schlagzeilen.

Die ominöse Nachspielzeit

Im City-Fanblock war der Jubel grenzenlos. Gerade eben hatte Craig Bellamy für seine Farben in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit einen vermeidlichen Punkt gesichert. Es wäre ein glücklicher Punkt für Manchester City gewesen, denn die Hausherren hatten nach einer schwachen ersten Halbzeit deutlich zugelegt und das Spielgeschehen klar dominiert. Dennoch stand es nun 3:3. Plötzlich stürmte ein United-Anhänger das Spielfeld, wurde jedoch von den Stewards in bester Football-Manier getackled. City-Doppeltorschütze Bellamy marschierte dennoch schnurstracks auf diesen Selbstdarsteller zu und wollte ihm eine Standpauke mit auf den Weg in die Zelle geben. Der Fan reagierte jedoch mit einem Kopfstoss in Richtung des City-Spielers, woraufhin dieser ihm reaktionsschnell ins Gesicht fasste und den Kopf wegstiess. So jedenfalls sah es Schiedsrichter Martin Atkinson.

Apropos Schiedsrichter: Dieser kündigte nämlich vier Nachspielminuten an. Für die Citizen sollte dann aber die sechste Nachspielminute zum Verhängnis werden: Noch einmal warf United alles nach vorne und tatsächlich tat sich ein Loch auf der rechten Abwehrseite auf. Der eingewechselte Michael Owen läuft hinein, wird angespielt und setzt mit dem siebten Treffer den Schlusspunkt unter ein denkwürdiges Stadtderby.

City-Coach Mark Hughes ausser sich

Für den Trainer, der den unverdienten, aber sicher geglaubten Punkt nun doch noch verlor, war dies natürlich zuviel: Er gab das Rumpelstilzchen und tanzte rund um den vierten Offiziellen herum. Dabei deutete er immer wieder auf die Uhr an seinem Handgelenk. Er fühlte sich bestohlen. Trainer-Fuchs Alex Ferguson nutzte dies jedoch für seine eigene Revanche eiskalt aus: Mit einem seiner breitesten Grinsen, das die Mundwinkel hergeben, baute sich Sir Alex vor dem Kollegen auf und streckte ihm demonstrativ die Hand entgegen um den Handschlag des Unterlegenen einzufordern. Hughes griff kurz zu, schüttelte ein einziges Mal und würdigte seinen Widerpart keines Blickes.

Fergusson bleibt sich selbst treu

Aber nicht nur damit wurde der ManU- Erfolgstrainer seinem Ruf als provokativem Napoleon wieder einmal gerecht. Nachdem er schon vor dem Spiel einige Giftpfeile in Richtung der Blauen geschossen hatte («Solange ich lebe, wird City nie mit United auf Augenhöhe sein»), war er auch mit seiner Spielanalyse nicht um Provokationen verlegen: «Die Gegentore waren doch allesamt Geschenke. Wenn wir einigermassen vernünftig verteidigt hätten, wären wir mit einem 6:0 oder 7:0 vom Platz gegangen. Eigentlich hatte es eine Beerdigung sein müssen.»

«Wir haben grosse Qualitäten gezeigt»

Mark Hughes hatte sich auf der Pressekonferenz für seine Analyse des Spiels auch schon wieder beruhigt: «Wir haben zeitweilig hervorragende Qualitäten bewiesen, vor allem in der Art und Weise, wie wir nach den Gegentreffern zurückgekehrt sind. Aber wir machten in der Defensive zu viele Fehler und mussten uns zu oft im eigenen Strafraum gegen die Angriffe wehren». Nicht angesprochen hat Hughes dabei die gnadenlose Unterlegenheit im Kopfballspiel. Wäre es mit dem im Sommer aussortieren Captain Dunne aus so gekommen? Nach wie vor hat Hughes nicht nur Freunde im eigenen Fanlager; erst recht nicht nach einer emotional so schmerzvollen Derby-Niederlage.

Garrido von Münze getroffen

Ebenfalls für Gesprächsstoff sorgte ein Münzwurf gegen City-Reservist Javier Garrido. Der Einwechselspieler ging in einer Gruppe von Citizen in die Garderobe, ehe er vom Wurfgeschoss am Kopf, knapp oberhalb des rechten Ohres getroffen wurde. Der Spanier war jedoch Manns genug, sofort wieder aufzustehen und geschützt von anderen Mitspielern in die Kabine zu laufen.

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