Aktualisiert 03.11.2014 16:03

Frau niedergestochen«Es hat geblutet wie aus einem Wasserhahn»

Ein Tamile soll im April 2013 in Biel eine Ticketkontrolleurin niedergestochen haben. Seit Montag steht er wegen versuchter vorsätzlicher Tötung vor Gericht.

von
Nora Camenisch
T. soll im April 2013 eine Billettkontrolleurin niedergestochen haben. Seit Montag steht er vor Gericht.

T. soll im April 2013 eine Billettkontrolleurin niedergestochen haben. Seit Montag steht er vor Gericht.

Eigentlich wollte die Billettkontrolleurin am späten Nachmittag des 2. April 2013 nur die Fahrkarten der Passagiere auf der Buslinie 2 in Biel kontrollieren. Als sie den damals 28-jährigen T. um sein Ticket bat, soll er ihr direkt seinen Ausweis entgegengestreckt haben – T. hatte kein Billett gelöst. Daraufhin stellte sie ihm die Busse aus. Alles schien normal zu laufen. «Er war ruhig, sagte kein Wort. Im Nachhinein zu ruhig», sagte das Opfer am Montagmorgen vor dem Regionalgericht in Biel.

«Ich hatte Todesangst»

Als die Ticketkontrolleurin bei der Haltestelle Taubenloch den Bus verliess, eskalierte die Situation. T. soll ihr während des Aussteigens einen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben. «In dem Moment, als ich langsam rückwärts fiel, zog er ein Messer aus seiner Jackentasche und zog voll durch», so das Opfer. «Wäre ich nicht so langsam gefallen, hätte er mich im Brust- oder Halsbereich getroffen.» Der Stich am linken Oberarm führte laut Anklageschrift zwischen einem und drei Zentimeter an der Hauptschlagader vorbei, die Trizepsmuskulatur wurde durchstochen, eine Oberarmschlagader vollständig sowie ein weiterer Nerv zu 30 Prozent durchtrennt. Aus der Anklageschrift geht hervor, dass das Opfer ohne die nachfolgende Notoperation verblutet wäre. «Es hat geblutet wie aus einem Wasserhahn. Ich hatte Todesangst», sagte sie.

Der Angeschuldigte gab am Montag vor Gericht zu, zugestochen zu haben. «Ich habe das getan, ohne es zu realisieren», so T. Ausserdem könne er sich nicht erinnern, dass er die Frau mit der Hand geschlagen habe. Auf die Frage des Gerichtspräsidenten, warum er das Küchenmesser bei sich hatte, sagte T., er habe vorher ein Schloss repariert und das Ikea-Messer aus Versehen in die Tasche gesteckt. Nach der Befragung entschuldigte sich der mutmassliche Täter beim Opfer. «Es tut mir leid. Sie tut mir leid. Ich habe ihr etwas angetan, ohne es zu realisieren.»

Opfer arbeitet wieder

Das Opfer ist nach einer längeren Heilungsphase seit Mitte März 2014 wieder voll arbeitsfähig. Jedoch wollte sie nicht in ihren alten Beruf als Kontrolleurin zurückkehren und hat eine andere Tätigkeit im öffentlichen Verkehr aufgenommen.

Der Angeklagte befindet sich in Haft. Bei ihm wurde eine psychische Erkrankung diagnostiziert. Seit er Medikamente erhalte, höre er aber keine Stimmen mehr im Kopf, so der Beschuldigte.

Das Urteil wird für Mittwoch erwartet.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.