Aktualisiert 26.08.2012 16:37

Oberste RaumplanerinEs hat noch Platz in der Schweiz

Die Schweiz wächst und wächst. Doch laut Berechnungen können es noch viel mehr Einwohner werden: Das jetzige Bauland solle für bis zu 10,1 Millionen Menschen reichen.

von
ann
8 Millionen Einwohner und noch lang nicht voll: Die Schweiz hat noch Platz für weitere 2 Millionen.

8 Millionen Einwohner und noch lang nicht voll: Die Schweiz hat noch Platz für weitere 2 Millionen.

In diesen Tagen überschreitet die Schweiz die Grenze von 8 Millionen Einwohnern. Es gibt aber noch reichlich Platz für weiteres Wachstum: Bis zu 10,1 Millionen Einwohner finden noch in den Baulandreserven Platz.

Diese Rechnung macht Maria Lezzi, Direktorin des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE). Es gebe heute Baulandreserven für 1,4 bis 2,1 Millionen zusätzliche Einwohner. «Für diese Flächen braucht es keine Einzonungen, keine Entscheide einer Gemeindeversammlung und keine Genehmigung durch den Kanton mehr», sagt sie im Interview mit dem «Sonntag».

Kurskorrekturen in der Raumplanung «dringend nötig»

Lezzi zeigt aber Verständnis für das verbreite Unbehagen gegenüber dem Bevölkerungswachstum. Die Annahme der Zweitwohnungsinitiative sei ein «klares Stoppsignal» gewesen, sagte Lezzi. Als weiteres Indiz für den Widerstand wertet die ARE-Direktorin die sich summierenden Ablehnungen von Einzonungen an Gemeindeversammlungen.

Aus Sicht des Bundes seien Kurskorrekturen in der Raumplanung nun «dringend nötig». Es gehe darum, die Standortvorteile und Qualitätsmerkmale der Schweiz zu wahren. Setze sich das Siedlungswachstum ungebremst fort, verkämen weite Teile der Schweiz zu einem gesichtslosen Siedlungsbrei, sagt Lezzi: «Dies beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern auch handfeste wirtschaftliche Interessen, etwa im Tourismus.»

Seit 1960 hat sich die Wohnfläche pro Person verdoppelt

Lezzi, die dem ARE seit 2009 vorsteht, räumte Versäumnisse ein. Grundsätzlich sei die Raumplanung Sache der Kantone. Der Bund habe seine Möglichkeiten zur Einflussnahme aber zu wenig wahrgenommen: «Wir waren diesbezüglich vielleicht zu tolerant.» Das revidierte Raumplanungsgesetz, das vor der Sommerpause vom Parlament verabschiedet wurde, sei ein Mittel gegen die Zersiedlung.

Neben dem Bevölkerungswachstum sei der steigende Platzbedarf ein Faktor für das sich verändernde Landschaftsbild: «Seit 1960 hat sich die beanspruchte Wohnfläche pro Person verdoppelt». Abhilfe könnte laut Lezzi mit verdichtetem Bauen geschafft werden. Schon mit der Verlagerung vom Ein- und Zweifamilienhaus zum Drei- oder Vierfamilienhaus lasse sich «sehr viel herausholen».

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