Hüllenlos: Es hat sich «ausgeblüttelt» im Alpstein
Aktualisiert

HüllenlosEs hat sich «ausgeblüttelt» im Alpstein

Schluss mit Nacktwandern im Alpstein: Die Innerrhoder Kantonsregierung verbietet «nacktes Aufhalten in der Öffentlichkeit». Stimmt die Landsgemeinde im April dem neuen Übertretungstrafgesetz zu, wird Nacktwandern endgültig ein Offizialdelikt.

Im vergangenen Herbst tauchten erstmals Nackedeis in Wanderstiefeln und mit Rucksäcken en masse im Alpstein auf. Aufregung und Empörung waren entsprechend gross. Jetzt handelt der Kanton: Der Grosse Rat verabschiedete am Montag ein revidiertes Übertretungsstrafgesetz, in dem Littering, Lärm, grober Unfug und anstössiges Verhalten zu Offizialdelikten werden.

«Natursportart widerspricht den grundlegenden Sitten»

«Als Natursportart ist das Nacktwandern auch heute noch in besonderer Weise geeignet, Natur auf unmittelbare Art und Weise zu erleben. Der Verzicht auf unpraktische Kleidung ermöglicht den direkten Kontakt mit Wind, Sonne und Temperatur», argumentieren deutsche Naturisten auf www.nacktwandern.de. Für sie ist Nacktheit keine Provokation.

Die Innerrhoder sehen das allerdings anders: «Nacktwandern widerspricht den grundlegenden Sitten, da auch viele Goofen damit konfrontiert werden», sagte ein Ratsherr. In der nächsten Wandersaison können Nackedeis im Alpstein bereits gebüsst werden, wenn die Landsgemeinde das Gesetz am 26. April gutheisst. Mit 200 Franken wird dann das Nacktwandern mit der höchsten Busse im neuen Ordnungsbussenkatalog bestraft (siehe Infokasten). So einfach unterordnen werden sich die hüllenlosen Alpinisten wohl aber nicht: «Vom Wandern im Alpstein lassen wir uns nicht abhalten», teilten sie schon mal vorsorglich mit (20 Minuten Online berichtete). Nackt sein möge unsittlich sein oder eine Frage des Geschmackes, ein Verbrechen sei es aber nicht, so die Nacktwanderer weiter.

User finden Gesetz übertrieben

Sympathien der 20 Minuten-Online-User scheinen ihnen sicher: Die meisten der User-Kommentare zum Thema sind pro Nacktwanderer und gegen das Gesetz. So schreibt User «MJ»: «Ich finde das lächerlich nur wegen ein paar nackten Leuten so ein Rummel zu machen». Anna Berg fehlt die Verhältnismässigkeit: «Raser werden mit Samthandschuhen angefasst und harmlose Nacktwanderer werden kriminalisiert - das ist super!», formuliert sie ironisch. KS findet: «Man sollte diesen Menschen ihren Spass gönnen.» Schade sei es nur, dass sie nicht auch barfuss gehen.

20 Minuten Online hat vor dem neuen Gesetz den Härtetest gemacht und begleitete mit der Kamera einen langjährigen «Wanderer mit nix» bei 6 Grad auf einer Tour im Alpstein. Lesen Sie morgen den Bericht dazu hier.

(sda/amc)

Bussenkatalog des neuen Gesetzes

Neben Nacktwandern werden auch andere Delikte künftig mit Sofortbussen geahndet. Wer mehr als die erlaubte Menge Pilze sammelt, zahlt 100 Franken, wer seinen Hund trotz Leinenzwangs nicht anleint, ist 50 Franken los, wer Hundekot nicht beseitigt sogar 100 Franken.

(Quelle: sda)

Deine Meinung