Nach 12 Jahren Geiselhaft: «Es hat sich so viel verändert»
Aktualisiert

Nach 12 Jahren Geiselhaft«Es hat sich so viel verändert»

Der kolumbianische Soldat Pablo Emilio Moncayo wurde nach über 12 Jahren Geiselhaft in den Fängen der Rebellengruppe FARC freigelassen. Er entdeckt nun eine neue Welt.

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«Es war eine wunderschöne Begrüssung. Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie schön es ist, wieder die Zivilisation zu sehen», waren am Dienstagabend die ersten Worte des freigelassenen Pablo Emilio Moncayo an die Öffentlichkeit. Der Soldat war 19, als er am 21. Dezember 1997 von den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC) verschleppt wurde. Heute ist er 32. Und für den jungen Mann hat sich viel verändert.

«Meine Familie hat sich radikal verändert», bemerkt Moncayo, der wenige Minuten zuvor seine sechsjährige Schwester Laura Valentina kennengelernt hatte. «Sie sind aber die gleichen liebevollen Menschen geblieben, die immer hinter mir standen». Was ihn sonst noch überrascht habe, wollten die Journalisten wissen. «Die Technologie, soweit ich bis jetzt gesehen habe, hat mich am meisten erstaunt. Ich weiss aber noch nicht richtig, was ich alles verpasst habe.»

Was meint er zu den FARC?

Zorn oder Wut war in Mocayos Worte allerdings nicht zu spüren: «Ich bin stolz, so viele Dinge während meiner Gefangenschaft erlebt zu haben – alles aus Liebe zum kolumbianischen Volk», sagte er vor den versammelten Medien. Er nütze auch die Gelegenheit, um eine Nachricht von zwei weiteren Gefangenen zu überbringen. «Es sind Botschaften von meinem Oberst und meinem Leutnant. Sie verlangen, dass irgendeine Wohltätigkeitsorganisation sich um ihre Freilassung kümmert. Sie sagten mir, sie fürchten um ihr Leben», erklärte der Soldat.

Seine Meinung zu den FARC wollte Moncayo nicht äussern: «Das ist irrelevant, es wird nicht die Geschichte Kolumbiens ändern. Die Guerilla-Organisation sei aber eine Realität im Land, die sich nicht leugnen lasse.

Er selbst habe die meiste Zeit seiner Geiselhaft in Ketten verbracht, erzählte Moncayo weiter. Für seine Kameraden empfindet er den grössten Respekt. «Sie sind alle Helden.» Ob er weiter in der Armee bleibt, wollte der Freigelassene am Dienstag noch nicht verraten. «Ich habe bereits eine Entscheidung getroffen, ihr werdet es zu gegebener Zeit erfahren.»

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