Gute Noten für die SNB: «Es ist absolut richtig, zu handeln»
Aktualisiert

Gute Noten für die SNB«Es ist absolut richtig, zu handeln»

Die Nationalbank (SNB) stösst mit ihren Massnahmen gegen den starken Franken bei Politikern und Verbänden auf grosse Zustimmung. Sie fordern aber noch weitere Schritte.

Breite Zustimmung für die Schweizerische Nationalbank.

Breite Zustimmung für die Schweizerische Nationalbank.

Wirtschaftspolitiker begrüssen den Entscheid der Nationalbank (SNB), den Franken zu schwächen. Sie mahnen aber zur Vorsicht und auch zur Voraussicht. Denn jede Massnahme berge auch Risiken, und der Handlungsspielraum der Nationalbank habe Grenzen.

«Es ist absolut richtig, zu handeln», sagte CVP-Ständerat Bruno Frick (SZ) am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Richtig sei auch, dass die Nationalbank tief eingestiegen sei, aber auf die weitere Entwicklung schaue und sich weitere Schritte offen halte. «Vorsicht ist geboten, weil jede Massnahme zweischneidig sein kann.»

Nationalrat Pirmin Bischof (CVP/SO) warnt vor Illusionen: Die globale Entwicklung werde mit dieser sanften Reaktion wohl nicht gestoppt. Entscheidend sei das Signal der SNB. CVP-Generalsekretär Tim Frey fügte an, dass der Grundsatz respektiert werden sollte, dass die SNB unabhängig bleiben müsse.

Deindustrialisierung verhindern

Auch Nationalrat Ruedi Noser (FDP/ZH) begrüsst den Eingriff: «Man muss intervenieren, weil der Wechselkurs-Zerfall sich in den letzten Wochen noch beschleunigt hat.» Sonst komme die Schweizer Exportindustrie sehr unter Druck. Es gehe um Stellen: «Eine Deindustrialisierung im Inland muss verhindert werden.»

Geldpolitisch sei der Eingriff der SNB richtig. Werte sich der Franken dennoch weiter auf, müsse die Nationalbank erneut schnell und überzeugend handeln, fordert Noser. Bedingung für die FDP sei, dass in US- und EU-Staatspapiere nicht mehr investiert werden dürfe, um damit nicht Schulden dieser Länder zu importieren.

Der Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime hält das Eingreifen der Nationalbank ebenfalls für richtig. Der Wert des Euro gegenüber dem Franken sei am Vormittag zwar etwas gestiegen. Doch: «Ich weiss nicht, ob es wirkt.»

Problem nicht in der Schweiz

Das eigentliche Problem liege nicht in der Schweiz, sondern in den USA und in der Euro-Zone, sagte Rime. Gegen die Ursachen vorzugehen, sei deshalb schwierig. Der in der Holzindustrie tätige Unternehmer ist pessimistisch, was die Aussichten für die kommenden Monate betrifft.

Der SP geht der Entscheid der SNB zu wenig weit. Angesichts der schwierigen Situation brauche es weitere Massnahmen, so unkonventionell diese auch erscheinen würden, schrieb sie in einer Mitteilung.

SP-Ständerat Alain Berset (FR) war von der Ankündigung der Nationalbank, den Leitzins zu senken, nicht überrascht. Mittelfristig sieht er darin aber ein Risiko für den Immobilienmarkt. Sehr tiefe Zinsen würden zu Anschaffungen verleiten, die Käufer mit eigenen Mitteln nicht bezahlen könnten.

Politische Massnahmen werden nötig sein

Das wichtigste Problem seien aber der Wert des Frankens und die Folgen für die Exportindustrie, sagte er. «In dieser Frage hat die SNB kaum noch Spielraum.» Politische Massnahmen würden sich deshalb als nötig erweisen, etwa die Einführung eines Negativzinses. Die Modalitäten dazu müssten noch festgelegt werden.

Rime hegt Zweifel gegenüber diesem Vorschlag, der bereits in der Wirtschaftskommission diskutiert worden war. Für ihn ist nicht sicher, ob ein Negativzins nicht schon hätte eingeführt werden sollen, als der Euro noch einen Wert von 1.25 Franken hatte - und ob er überhaupt eine Wirkung hätte.

(sda)

Zustimmung von Verbänden und Gewerkschaften

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse hat Verständnis für die Massnahmen der Schweizerischen Nationalbank. «Angesichts der gegenwärtigen Krisensituation unterstützen wir die Intervention der Nationalbank. Sie sendet damit ein klares Signal an die Märkte», sagte Thomas Pletscher, Mitglied der Economiesuisse- Geschäftsleitung, am Mittwoch der Nachrichtenagentur sda.

Gleichzeitig betonte Pletscher, dass es sich bei der Frankenstärke um ein langfristiges Problem handle, welches die gesamte Wirtschaft betreffe. «Es braucht nachhaltige Massnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu erhöhen.» Die Unternehmen müssten dabei unterstützt werden, die Nachteile des starken Frankens zu kompensieren.

Ähnlich äusserte sich der Schweizerische Gewerbeverband (SGV). Mit der Zinssenkung und der Erhöhung der Liquidität am Franken- Geldmarkt setze die Nationalbank zwei wichtige Zeichen gegen die Frankenstärke, teilte der SGV mit. Nun sei die Politik gefordert, die Wirtschaft zu deregulieren und einschränkende Gesetzesbestimmungen abzubauen.

Auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) äusserte sich zufrieden. «Der SGB ist froh, dass die SNB endlich von ihrer Laissez- faire-Politik abweicht und die massive Überbewertung des Frankens bekämpft», heisst es in einem Communiqué des Verbands.

Die eingeleiteten Massnahmen gehen den Arbeitnehmervertretern aber zu wenig weit. «Bei den beschlossenen Massnahmen handelt es sich nur um ein Light-Paket», heisst es in der Mitteilung. Die SNB werde nicht darum herumkommen, eine Untergrenze des Euros gegenüber dem Franken festzulegen.

Deine Meinung