Aktualisiert 18.07.2011 14:18

Mit Antrag abgeblitzt

Es ist amtlich – Filesharing ist keine Religion

Junge Schweden wollen Filesharing als staatlich anerkannte Religion betreiben. Doch die Behörden spielen nicht mit und schmettern auch den zweiten Antrag mit einem «Nej» ab.

von
owi
Staat nimmt «Kirche des Kopierens» den Wind aus den Seegeln.

Staat nimmt «Kirche des Kopierens» den Wind aus den Seegeln.

Im hohen Norden sind die Filesharer besonders erfinderisch, wenn es darum geht, ihrem Hobby einen legalen Anstrich zu verpassen. Vor rund einem Jahr schlossen sich schwedische Filesharer in der «Missionary Church of Kopimism» zusammen. In der «Kirche des Kopierens» wollen sie ihren Glauben vom Staat als Religion anerkannt wissen. Das freie Teilen von Informationen soll so geschützt werden.

Im Pionierland der Piratenpartei fand die von einem Philosophie-Studenten gegründete «Kirche» bislang etwa 1000 Anhänger, wie der auf Filesharing spezialisierte Blog «TorrentFreak» schreibt. Mit der erhofften Anerkennung als Religion verbanden die gläubigen Filesharer die Absicht, nicht mehr juristisch verfolgt werden zu können. In Schweden ist die Religionsfreiheit verfassungsmässig geschützt. Wer seine Religion ausübt, darf deshalb nicht verfolgt werden. Für Filesharer wäre ein solcher staatliche Schutz vor Verfolgung natürlich hoch willkommen.

Der Staat legt sich quer

Vorderhand werden aus schwedischen Tauschbörsen wie «The Pirate Bay» keine virtuellen Gotteshäuser. Wie «TorrentFreak» schreibt, wurde auch der zweite Antrag von den schwedischen Behörden abgelehnt. Selbst die Ernennung der Tastenkombinationen CTRL+C und CTRL+V als heilige Symbole der «Copy-Paste-Religion» konnte die Behörden nicht überzeugen.

Bereits im Frühjahr dieses Jahres wurde ein erstes Begehren um Religionsanerkennung abgelehnt. Die Begründung lautete damals: Die Vereinigung sei zwar tatsächlich eine Glaubensgemeinschaft, doch fehle bei den regelmässigen Treffen der religiöse Aspekt der Anbetung.

«Dieses Mal können wir wirklich keinen Grund für die Ablehnung unseres Antrages sehen», sagte Kirchengründer Isak Gerson gegenüber «TorrentFreak». Trotzdem. Geschlagen gibt sich die junge Religionsgemeinschaft noch lange nicht: «Eins ist sicher. Wir werden uns weiterhin treffen, weiterhin ans Kopieren glauben, unseren Glauben vertiefen und auf politischem Weg für eine Welt kämpfen, in der Kopieren nicht nur akzeptiert, sondern begrüsst wird.»

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