Jerusalemer Center fordert - Hitler-Eiche soll doch weg – «Es ist an der Zeit, diesen Baum zu fällen»
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Jerusalemer Center fordertHitler-Eiche soll doch weg – «Es ist an der Zeit, diesen Baum zu fällen»

Ein Baum mit Nazi-Vergangenheit: Efraim Zuroff, Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem, fordert, dass die «Hitler-Eiche» in Winterthur verschwindet.

von
Dafina Eshrefi
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Die Eiche beim Leichtathletik-Stadion Deutweg wurde der Stadt Winterthur geschenkt.

Die Eiche beim Leichtathletik-Stadion Deutweg wurde der Stadt Winterthur geschenkt.

20min/Michael Scherrer
«Die Stadtverwaltung freut sich, wenn Sie ihr die Pflege ihrer als Siegespreis erworbenen Olympia-Eiche anvertrauen werden», steht im Dokument aus dem Archiv.

«Die Stadtverwaltung freut sich, wenn Sie ihr die Pflege ihrer als Siegespreis erworbenen Olympia-Eiche anvertrauen werden», steht im Dokument aus dem Archiv.

Den Baum taufte der Sportler Georg Miez «Sonja», benannt nach seiner Tochter.

Den Baum taufte der Sportler Georg Miez «Sonja», benannt nach seiner Tochter.

Darum gehts

  • In Winterthur befindet sich eine Eiche, die dem Winterthurer Sportler Georg Miez in Nazi-Deutschland 1936 geschenkt wurde.

  • Gemäss Recherchen der Tamedia-Zeitungen soll die Eiche Islamisten als Treffpunkt dienen.

  • Die jüdische NGO Simon Wiesenthal Center in Jerusalem fordert, dass die Eiche gefällt wird.

  • Nationale Politiker und Fachstellen teilen diese Ansicht nicht.

Seit über 80 Jahren steht sie in Winterthur: Die «Hitler-Eiche» beim Stadion Deutweg. Aktuell soll sie laut Tamedia-Zeitungen Islamisten als Treffpunkt dienen. Trotz dieser Tatsache und ihrer Nazi-Vergangenheit soll die Eiche jedoch bleiben, sind verschiedene Politiker und Fachstellen überzeugt .

Ganz anders sieht das Dr. Efraim Zuroff, Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem: «Es ist an der Zeit diese Eiche zu fällen.» Der Baum solle entweder irgendwo versteckt, oder für einen guten Zweck gefällt werden, erklärt Historiker Zuroff auf Anfrage.

«Brauchen keine Ratschläge von ausländischen Organisationen»

Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes entgegnet dieser Forderung: «Wir bleiben bei unserer Meinung, wonach eine historische Einordnung zielführender ist, als dass man diese Eiche einfach fällen würde. Ohnehin brauchen wir keine Ratschläge von ausländischen Organisationen, die vielleicht gar nicht wissen, wo Winterthur liegt.»

Auch die Eidgenössische Organisation gegen Rassismus bleibt bei ihrer Aussage, dass die Eiche «an sich nicht problematisch» sei und deswegen auch nicht gefällt werden müsste.

«Wir nehmen die Befindlichkeiten der jüdischen Gemeinde ernst»

Auch der Winterthurer Stadtrat Stefan Fritschi hält an seiner ursprünglichen Aussage fest, dass der Baum stehen bleiben könne, fest. Er führt weiter aus: «Wir nehmen aber die Befindlichkeiten der jüdischen Gemeinde ernst und werden daher eng mit der Israelitischen Gemeinde Winterthur zusammenarbeiten, wenn wir die Informationstafel für diesen Baum erstellen.»

So kam die «Hitler-Eiche» nach Winterthur

An den Olympischen Spielen in Berlin 1936 wurde den Goldmedaillen-Gewinnern eine «Olympie-Eiche» geschenkt. Eine davon ging an den Winterthurer Georg Miez (1904-1999), der an den Spielen im Bodenturnen gewann. Laut dem «Tages Anzeiger» wurde der Baum von Adolf Hitler persönlich überreicht. Diesen schenkte der Winterthurer Sportler daraufhin der Stadt. «Mit Vergnügen» sei die Stadtverwaltung Winterthur bereit, den Baum «in Obhut» zu nehmen, steht im Stadtratsprotokoll vom 6. Mai 1938. Die damalige Aufschrift: «Olympia-Eiche ‘Sonja’ von G. Miez, Olympia-Sieger in Berlin 1936». Der Sportler, der im übrigen bei den Spielen den Hitlergruss verweigert hatte und dem Nazi-Regime sehr kritisch gegenüberstand, hatte den Baum nach seiner Tochter Sonja benannt. Wo die restlichen «Hitler-Eichen» heute stehen, ist nicht vollständig bekannt. Einige der Bäume wurden inzwischen aus Pietät gefällt.

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