Pokerverbot: «Es ist aus, fertig, vorbei»
Aktualisiert

Pokerverbot«Es ist aus, fertig, vorbei»

Bei Schweizer Pokeranbietern herrscht Krisenstimmung. Sie müssen von heute auf morgen Personal entlassen. Ihre Investitionen sind in den Sand gesetzt.

von
Joel Bedetti
Aus, fertig vorbei: Pokerturniere wie hier 2009 in der Eventhall in Zuerich Oerlikon gibt es ab sofort nicht mehr.

Aus, fertig vorbei: Pokerturniere wie hier 2009 in der Eventhall in Zuerich Oerlikon gibt es ab sofort nicht mehr.

Götterdämmerung in der Pokerszene: Das Pokerverbot durch das Bundesgericht hat Bestürzung und Enttäuschung im jungen Gewerbe ausgelöst. Die einen sehen das Ende nahen, die anderen berufen eine Krisensitzung ein: Im Pokerclub «Raise Place» in Regensberg ZH sind derzeit einige Pokergrössen versammelt und diskutieren, wie man mit dem Urteil, das einem Todesstoss gleichkommt, umgehen will.

Claudia Chinello, Poker-Macherin der ersten Stunde, sagt: «Das Verbot ist ein Schlag gegen die Pokerszene und gegen die Freiheit im Allgemeinen. Es ist unglaublich, eine Tragödie.» Man ziehe eine Volksinitiative in Erwägung. «Denn das Verbot ist definitiv nicht das, was das Volk will.»

Horrorszenarien

Als einstweiliges Sammelbecken hat Chinello hat mit den Poker-Szenis René Mathis und Sascha Creschonini heute Morgen eine Facebookgruppe gegründet, deren Mitgliederzahl stündlich um über 100 steigt.

Das Pokerverbot gilt jedoch per sofort. Die für heute angekündigten Turniere sind bereits illegal und müssen abgesagt werden. Damit bleiben auch die Einnahmen aus. In den letzten, hektischen Stunden mussten die Besitzer grosser Pokerclubs deshalb bereits Szenarien entwerfen, wie sie kurzfristig Kosten senken können.

«Die kleinen werden verschwinden»

Denis Esen, Betreiber des Basler Zockerclubs «Other Poker» sagt: «Wir haben einen sofortigen Investitionsstopp verfügt. Wir entlassen per sofort einige unserer Mitarbeiter, und wir minimieren die Mietfläche.» Man habe auch Anwälte eingeschaltet, die bei der Eidgenössischen Spielbankenkommission anklopfen würden. «Wir wollen, dass wir eine Übergangsfrist bekommen, dass wir unseren Betrieb den Umständen anpassen können», sagt Esen.

Mittelfristig müsse man prüfen, ob man nicht einen rechtlichen Schlupfwinkel finde, um weiterhin Turniere veranstalten zu können. «Eine Option wäre, dass sich Pokerclubs der Spielbankenkommission unterstellen, Kontrollen zulassen und dafür Mini-Konzessionen bekommen», sagt Esen. Klar ist für ihn aber: «Die kleinen Betriebe werden verschwinden.»

Als Verein weiterführen

Resignierter tönt Oliver Lutz vom «House of Poker» in Arbon SG: «Wir verlieren 1000 Stammspieler, ich und mein Partner haben 120 000 Franken in den Sand gesetzt, zwei Kellner und zwölf Dealer verlieren die Jobs.» Man müsse schauen, was jetzt passiere.

Auch René Ruch, Betreiber des «Queenspoker bei Langenthal», macht sich keine Hoffnungen: Man kann es nicht anders sagen: «Es ist aus, fertig, vorbei.» Für ihn sei das Verbot nicht existenzgefährdend, er sei pensioniert und habe das Queenspoker ehrenamtlich aufgebaut, sagt Ruch. «Meine zwölf Angestellten aber kann ich nicht weiter bezahlen.» Ruch will den Betrieb als Verein weiterführen, «denn Spiele im privaten Rahmen sind gemäss Bundesgerichtsurteil weiter erlaubt.»

Böse Casinos

Einig sind sich die Zocker im Ärgernis über das Vorgehen des Casinoverbands, der die Pokerfrage bis vor das oberste Gericht im Lande gebracht hat. «Wir haben uns immer um Kontakt zu den Casinos bemüht, aber von ihrer Seite kam nicht viel zurück», sagt Claudia Chinello. Für Casinos sei Poker gar nicht profitabel. «Die mögen es den Privaten einfach nicht gönnen, dass sie mit Poker Geld verdienen, während sie es wegen der hohen Abgaben nicht können.» René Ruch sagt: «Die wollen, dass die Spieler nicht mehr private Pokerabende machen können, sondern ins Casino müssen und ihr Geld bei reinen Glückspielen wie Roulette und Black Jack liegen lassen.»

Auch die Eidgenössische Spielbankenkommission, die Anfang 2008 Poker als Geschicklichkeitsspiel definierte und damit die Pokerszene in Sicherheit wiegte, scheint vom Entscheid überrascht zu sein. David Steiner von der ESBK sagt: «Wir müssen nun vor allem prüfen, inwiefern wir den vom Bundesgericht erwähnten Rahmen von Spielen im Familien- und Freundeskreis definieren können.» Zu Übergangsfristen für die Pokerclubs habe man sich noch keine Gedanken gemacht.

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