Lebendig begraben: «Es ist der komplette Horror» – jetzt spricht der Chef des Verschütteten

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Lebendig begraben «Es ist der komplette Horror» – jetzt spricht der Chef des Verschütteten

Am Donnerstagmorgen wurde in der Stadt Winterthur ein Bauarbeiter (27) in einem Graben verschüttet. Jetzt spricht der Vorgesetzte des Verstorbenen.  

von
Michelle Ineichen

Am Donnerstag ereignete sich in Winterthur ein tödlicher Arbeitsunfall. 

BRK News 

Darum gehts 

Am Donnerstagvormittag kam es in Winterthur zu einem tödlichen Unfall: In einem Wohnquartier in der Stadt stieg ein Arbeiter in einen Graben, mit dessen Aushebung er beschäftigt war. In der Folge rutschten die Seitenwände ab und verschütteten den Mann. Wie 20 Minuten weiss, handelt es sich bei dem Verschütteten um den 27-jährigen N.* 

Der Vorgesetzte von N. erzählt gegenüber 20 Minuten: «Es ist der komplette Horror.» Er habe viele Jahre mit N. zusammengearbeitet und stehe noch immer unter Schock. «N. war ein überaus erfahrener Projektleiter und meine rechte Hand, ich weiss nicht, wie ich ohne ihn weiterarbeiten soll.» Zudem seien die beiden privat gut befreundet gewesen. «Ich habe nicht nur einen Mitarbeiter, sondern auch einen Freund verloren», so der 46-Jährige. «Er war ein herzensguter Mensch.» 

«Wir haben nicht fahrlässig gehandelt»

Der Unfall sei bei der Reparatur einer Leitung passiert: «N. befand sich in dem knapp drei Meter tiefen Graben, als eine Seitenwand einbrach und ihn verschüttete.» Er selbst sei währenddessen nicht vor Ort gewesen, sondern sei aufgrund eines Anrufs der Polizei kurz später eingetroffen. «Ich wusste nicht, was los war, und bin mit einem besorgten Gefühl angereist.» Im Anschluss habe er seinen Mitarbeiter für die Polizei identifizieren müssen.  

Für ihn ist klar: «N. war äusserst erfahren und hat Entscheidungen stets intuitiv und selbstständig gefällt.» Alle  Sicherheitsvorkehrungen seien befolgt worden.  Der Unfall sei ein schwerer Schicksalsschlag. 

So geht es der Familie 

Der Vorgesetzte hätte am Freitagmorgen mit der Familie und der Verlobten des Verstorbenen Kontakt aufgenommen, um ihnen sein Beileid auszusprechen: «Sie sind selbstverständlich sehr betroffen, insbesondere N.s Vater ist zerrissen.» Die Polizei habe am Donnerstag zusammen mit einem Care Team die Angehörigen
informiert und betreut.

Auch die Belegschaft der Firma ist tief betroffen: «Wir sind ein familiärer Betrieb und trauern alle um N.», so sein Vorgesetzter. N. sei ein sehr beliebter Mitarbeiter gewesen, der von allen geschätzt wurde. «Er war dafür bekannt, stets ein offenes Ohr zu haben und sofort zu reagieren, wenn jemand Hilfe benötigte.» Um N. zu gedenken, hätten die Mitarbeitenden am Donnerstag eine Schweigeminute abgehalten. 

Nur noch tot geborgen 

Am Donnerstagvormittag wurde der 27-jährige Arbeiter in einem ungesicherten Graben verschüttet. Die Seitenwände stürzten ein. Sein Kollege und die alarmierten Einsatzkräfte der Stadtpolizei Winterthur versuchten, den Verschütteten zu bergen, wie die Kantonspolizei Zürich mitteilte.

Aufgrund des ungesicherten Grabens und des zu hohen Eigenrisikos musste der Graben zuerst von einem aufgebotenen Bauunternehmen mit einem Saugbagger und Spriesswänden gegen ein weiteres Abrutschen gesichert werden. Nach der Bergung konnte nur noch der Tod des Mannes festgestellt werden.

Der Arbeitsunfall wird durch die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland untersucht. Neben der Kantonspolizei Zürich und der Stadtpolizei Winterthur standen die Feuerwehr von Schutz & Intervention Winterthur, der Rettungsdienst Winterthur, das Forensische Institut Zürich, eine Baustatikerin, die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, ein Feuerwehrinspektor der GVZ und ein Sicherheitsfachberater der SUVA im Einsatz. 

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Wie 20 Minuten weiss, handelt es sich bei dem Verschütteten um den 27-jährigen N.*

Wie 20 Minuten weiss, handelt es sich bei dem Verschütteten um den 27-jährigen N.*

20min/muli
Laut dem Vorgesetzten von N. passierte der Unfall bei der Reparatur einer Leitung.

Laut dem Vorgesetzten von N. passierte der Unfall bei der Reparatur einer Leitung.

20min/muli
«Er war ein herzensguter Mensch,» so der 46-jährige Vorgesetzte. 

«Er war ein herzensguter Mensch,» so der 46-jährige Vorgesetzte. 

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* Name der Redaktion bekannt. 

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