Schweizer Kletterin Petra Klingler - «Es ist schön zu sehen, wozu der Mensch fähig ist, wenn er sich pusht»
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Schweizer Kletterin Petra Klingler«Es ist schön zu sehen, wozu der Mensch fähig ist, wenn er sich pusht»

Klettern, Surfen, Skateboarden, Karate und Baseball/Softball sind neue Sportarten an den Olympischen Spielen 2021. Die Schweizer Kletterin Petra Klingler freut sich auf die Spiele.

von
Adrian Hunziker
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Die 29-jährige Zürcherin Petra Klingler sicherte sich 2016 an der WM Gold in der Disziplin Bouldern. 

Die 29-jährige Zürcherin Petra Klingler sicherte sich 2016 an der WM Gold in der Disziplin Bouldern.

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Sie freut sich auf das Abenteuer Tokio mit der Kletter-Premiere. 

Sie freut sich auf das Abenteuer Tokio mit der Kletter-Premiere.

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Die Aargauerin Elena Quirici gehört im Karate zu den Medaillenanwärterinnen an den Olympischen Spielen in Tokio. 

Die Aargauerin Elena Quirici gehört im Karate zu den Medaillenanwärterinnen an den Olympischen Spielen in Tokio.

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Darum gehts

  • Das Internationale Olympische Komitee will die Spiele attraktiver für Junge machen.

  • Deshalb wurden fünf neue Sportarten in die Sommerspiele aufgenommen.

  • Dazu gehört auch das Sportklettern.

  • 20 Minuten hat mit der Schweizer Athletin Petra Klingler gesprochen.

Sportklettern feiert an den Sommerspielen in Tokio olympische Premiere. Qualifiziert hat sich auch die Schweizerin Petra Klingler. Die Zürcherin sicherte sich 2016 an der WM Gold in der Disziplin Bouldern.

Im Interview mit 20 Minuten erklärt die 29-Jährige, wie gross ihre Vorfreude auf Tokio ist. Klingler fliegt am Montag, 26. Juli, nach Japan, zum Einsatz kommt sie erstmals am 4. August.

Petra Klingler, wie bereiten Sie sich jetzt noch auf Tokio vor?

Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, das Training bringt jetzt nichts mehr. Es geht nun darum, Sicherheit fürs Klettern an der Wand zu bekommen und sich gut zu erholen – das ist das Zentralste. Weniger ist mehr.

Bitte erklären Sie die Sportart Klettern für einen Laien in wenigen Sätzen.

Im Klettern gibt es diverse Disziplinen indoor und outdoor. Ich fokussiere mich aufs Indoor-Klettern. Im sogenannten Sportklettern gibt es drei Disziplinen – in Tokio findet ein Kombi-Wettkampf dieser Disziplinen statt: Im Speedklettern gibt es eine standardisierte 15-m-Wand und es geht darum, diese möglichst schnell zu bewältigen. Im Bouldern hat man eine Sequenz von drei bis vier Metern zu besteigen, dort ist man ungesichert, würde aber auf Matten fallen. Diese Disziplin – meine Spezialität – ist dynamisch und koordinativ anspruchsvoll. Und im Routen- oder Lead-Klettern klettert man an einem Seil eine rund 20 m hohe Wand hinauf. Es ist die Ausdauerdisziplin, es ist ein Kampf gegen das Laktat. Es geht darum, möglichst hoch hinauf zu kommen.

Wieso ist Klettern für den Zuschauer attraktiv?

Das Faszinierendste für mich ist zu sehen, wie die Athleten die Probleme und Routen unterschiedlich angehen und lösen. Vor allem beim Bouldern kann es vorkommen, dass drei von vier Athleten einen anderen Lösungsansatz haben. Es ist eindrücklich, an was für kleinen Griffen sich man halten kann. Es ist schön mitanzusehen, wozu der Mensch fähig ist, wenn er sich pusht.

Was zeichnet eine gute Kletterin aus?

Um erfolgreich klettern zu können, braucht es nicht nur Kraft. Man braucht Koordination, Technik, Taktik, Ausdauer, Beweglichkeit. Kraft haben wir ja alle – es geht aber darum, das in Bewegungen umzusetzen und an die Wand zu bringen. Alles zu kombinieren und zu wissen, wann muss ich was einsetzen, das ist die grosse Herausforderung. Soweit ich weiss, ist Klettern die Sportart, die am meisten unterschiedliche Muskeln beansprucht.

Was ist Ihre Stärke?

Das ist sicher die Kraft – und der Ehrgeiz. Der kann zwischendurch aber auch im Weg stehen. Erfahrung und Disziplin helfen auch. Aber auch die Freude am Klettern, die Herausforderung diese Probleme zu lösen.

«Die Vorfreude, das innere Feuer, dass sich etwas Spannendes tut, war da.»

Petra Klingler

Was haben Sie gedacht, als bekannt wurde, dass Klettern olympisch wird?

Ich habe die Entscheidung live mitverfolgt. Es war spannend und ich freute mich sehr darüber. Ich konnte es in diesem Moment aber noch nicht so richtig einordnen. Ich wusste da noch nicht, ob ich versuchen werde, mich zu qualifizieren oder nicht. Ich stellte mir einige Fragen, was ändert sich, was sind die genauen Kriterien? Aber die Vorfreude, das innere Feuer, dass sich etwas Spannendes tut, war da. Ich freute mich auf ein Abenteuer.

Wie enttäuscht sind Sie, dass die Olympia-Premiere vor leeren Rängen vonstatten geht?

Es ist keine Enttäuschung da, ich kann die Entscheidung verstehen, es war absehbar. Klar wünschen wir uns was anderes, aber wir haben derzeit andere Probleme. Ich bin vor allem froh, dass die Olympischen Spiele stattfinden. Es wäre eine riesige Enttäuschung für mich gewesen, wenn der Anlass abgesagt worden wäre.

Was sind Ihre Erwartungen an Tokio?

Ich habe nicht viele Erwartungen, denn ich weiss, egal, was ich mir vorstelle, es kommt sowieso anders. Es wird ein grosses Abenteuer und es ist cool, dass es endlich losgeht. Es ist eine riesige Vorfreude da.

Wie stehen Ihre Chancen auf eine Medaille?

Das ist extrem schwierig zu sagen, da wir erstmals überhaupt in diesem Format antreten. Die bisherigen Kombi-Wettkämpfe sind immer anders abgelaufen. Es ist schwierig einzuschätzen, wo man steht mit der Kombination der drei Disziplinen. Zudem hat man viele Athleten wegen Corona nie gesehen in den vergangenen zwei Jahren. Es wird deshalb eine Überraschung. Ich werde definitiv mein Bestes geben und bis am Schluss kämpfen und dann werden wir sehen, zu was es reicht.

Fünf neue Sportarten

Die neuen olympischen Disziplinen verheissen actionreiche Bilder und sollen das Lebensgefühl von vor allem jungen Sportlerinnen und Sportlern auf das traditionsreiche Ringefestival übertragen.

Klettern: Bei einigen Kletterern sorgt der Modus für Unmut. Für die Sommerspiele wurde ein Dreikampf-System aus Lead (im Vorstiegsklettern wird unter Zeitdruck die maximale Höhe bewertet), Bouldern (Klettern ohne Kletterseil) und dem bei einigen Kletterern verpönten Speedklettern eingeführt.

Karate: Karate ist neben Judo und Taekwondo die dritte asiatische Kampf-Sportart, die an Olympischen Spielen ausgeführt wird. Karate ist in Tokio erstmals olympisch, fällt in vier Jahren in Paris aber bereits wieder aus dem Programm.

Surfen: Nicht jeder Surfer findet, dass der für viele auch mit einem lockeren Lifestyle verbundenen Sport zu Olympia passt. Gerade die Athleten, die ihre Disziplin sehr ambitioniert und nicht nur als Hobby betreiben, sehen den neuen Olympia-Status dagegen überwiegend positiv. Die Surferinnen und Surfer reiten ihre Wellen in der Präfektur Chiba östlich von Tokio in der Kategorie Shortboard.

Skateboard: Die Olympia-Macher setzen darauf, dass durch die trendigen Disziplinen und ihre Vertreter noch mehr junge Menschen für die Spiele begeistert werden. Doch auch die Skater-Szene ist gespalten. Auf der einen Seite befürchten die Kritiker die Kommerzialisierung ihrer Sportart. Die Athletinnen und Athleten, die teilnehmen, freuen sich aber auf ihren Event und den Fakt, dass sie ihren Sport vor einem grossen Publikum vertreten können.

Baseball/Softball: Für Baseball und Softball ist es eine Rückkehr, die beiden Sportarten waren seit 1992 respektive 1996 im Programm, fielen 2012 und 2016 aber weg. Japan und die USA gehören bei den Frauen und bei den Männern zu den Favoriten. Bei den Männern werden viele Stars aus der nordamerikanischen MLB fehlen, da die Saison in vollem Gang ist. Das betrifft vor allem das US-amerikanische Team, aber auch Japan, Kuba und andere Länder. (dpa/hua)

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