Aktualisiert 11.03.2014 17:32

Yann Sommer«Es ist ein guter Schritt und der richtige Schritt»

Yann Sommer wechselt im Sommer zu Mönchengladbach, vermeldete der FCB am Montag. Im Interview äussert sich der 25-jährige Goalie zu den Beweggründen und Zielen.

von
Eva Tedesco

FCB-Goalie Yann Sommer spricht über seinen im Sommer bevorstehenden Wechsel zu Borussia Mönchengladbach, wo er einen 5-Jahres-Vertrag unterschrieben hat. (Video: 20 Minuten)

Yann Sommer, der Wechsel ist seit geraumer Zeit klar, jetzt sind auch die Verträge unterzeichnet. Wie erleichtert sind Sie, dass das Versteckspiel ein Ende hat?

Ich bin sehr erleichtert, denn es war nicht immer einfach, den Leuten nicht die Wahrheit sagen zu können, zumal ich selber noch nicht gewusst habe, wann es so weit ist. Aber die Gespräche zwischen den Vereinen sind relativ schnell über die Bühne gegangen, auch weil mir der FCB keine Steine in den Weg gelegt hat, und darüber bin ich froh. Jetzt kann ich mich wieder voll und ganz auf den FCB konzentrieren.

Konnten Sie das bisher nicht zu hundert Prozent?

Doch schon, aber es sind halt doch zwei, drei Nebengeräusche da gewesen und die sind jetzt weg.

Seit wann wissen Sie vom Interesse des Bundesligisten?

Seit Anfang Jahr und inzwischen war ich zweimal da und habe gute Gespräche mit Gladbach geführt.

Auch mit Trainer Lucien Favre?

Auch mit ihm, aber nicht sehr ausgiebig, denn seine Konzentration gilt der aktuellen Saison, zumal Gladbach derzeit in keiner einfachen Situation steckt und ich mit dem FCB auch in der laufenden Meisterschaft beschäftigt bin. Es hat aber sowieso nicht viel Überzeugungskraft durch den Trainer gebraucht, dass ich mich für Gladbach entscheide. Ich muss bei so einem Schritt spüren, dass mich alle wollen. Ich wollte nicht, dass mich nur der Trainer holen will und der Sportchef keine Ahnung hat, wer ich bin. Und dieses grosse Interesse an meiner Person habe ich von Anfang an gespürt.

Was waren die Punkte, die Sie so sicher machen, dass Gladbach der richtige Verein ist?

Er ist genau so familiär geführt wie der FCB. Die Fans, die Verantwortlichen und das Umfeld sind mir sehr echt rübergekommen und deshalb habe ich mich auch ziemlich rasch für die Borussen entschieden.

Auch wenn Ihnen klar sein muss, dass Sie vielleicht nicht so rasch wieder Champions League spielen werden und Sie den Balkon wohl nur noch von unten sehen werden?

Als Fussballer kann man nie sagen, dass man nur international spielen will, wenn man so einen Schritt macht. Klar, die internationale Erfahrung und die Erfolge, die ich mit dem FCB sammeln und feiern konnte, sind toll. Aber als Schweizer Fussballer kann man nicht so wählerisch sein und nur die Champions League anstreben. Wichtig sind für mich die Ambitionen, die ein Klub hat. Mir gefällt die Philosophie, die er verfolgt, und der Stil, den sie spielen. Ich möchte ein Teil davon sein, auch weil ich ambitioniert bin und das auch beim Klub spüre.

Wenn Sie so ambitioniert sind, hätten Sie nicht besser gewartet, ob im Sommer vielleicht ein grösserer, noch interessanterer Klub anklopft?

Es ist nicht so, dass alle auf einen Schweizer Fussballer warten und zehn Vereine bei einem anstehen. Ich kann mich nicht darauf verlassen, dass es bei Real Madrid oder ManUnited einen Goaliewechsel gibt. Das Interesse aus Gladbach war gross und ich hatte ein gutes Gefühl, also warum länger warten?

Aber es gab im letzten Sommer das Interesse der Fiorentina und auch englische Klubs hatten Sie beobachten lassen.

Es stimmt, es gab Interesse der Fiorentina, aber kein so konkretes, wie es jetzt aus Gladbach gab. Und im Nachhinein bin ich überzeugt, dass es gut war, noch ein Jahr – und das ist noch nicht fertig – beim FCB zu bleiben.

Aber ausgerechnet die Bundesliga hat viele eigene und gute Torhüter. Ist das die eigentliche Herausforderung, sich als Schweizer in einer Liga durchzusetzen, die selber gute Torhüter hat?

Es war immer ein Wunsch von mir, mich in einer grossen, in einer anderen Liga durchzusetzen. Aber klar, ich freue mich sehr auf diese Herausforderung, mich in einer Liga beweisen zu müssen, die viele gute Goalies hat. Und wenn sie einen Schweizer holen, zeigt das doch, dass ich nicht alles falsch gemacht habe. Ich werte das als schönes Zeichen.

FCB-Sportchef Georg Heitz sagt, dass Sie sich bei jedem Klub auf der Welt durchsetzen können. Ist Gladbach für Sie – trotz 5-Jahres-Vertrag – ein Zwischenschritt, ehe die ganz grossen Klubs anklopfen?

Es ist ein toller Schritt und der richtige Schritt – that's it! Gladbach ist mein nächster Verein und alles, was zählt. Ich habe mir noch nie Ziele über einen Schritt hinaus gesteckt. Immer nur step by step.

Was stellen Sie sich vor, wird Sie in der Bundesliga erwarten?

Wahrscheinlich mehr Schüsse auf mein Tor, ein schnellerer Fussball in grossen Stadien und vor meist über 50'000 Zuschauern. Aber so genau habe ich mich damit noch gar nicht auseinandergesetzt, da meine Konzentration dem FCB gilt.

Aber in der neuen Saison spielen Sie als die Nummer 2 in der Nati in der gleichen Liga wie Diego Benaglio, die aktuelle Nummer 1. Zudem kommt mit Vladimir Petkovic ein neuer Trainer. Wünschen Sie sich, dass dann die Karten neu gemischt werden?

Das müssen Sie den Trainer fragen. Auch das ist für mich ein ungelegtes Ei, über das ich mir derzeit keine Gedanken mache. Die Hierarchie in der Nati ist so, wie sie ist, und ich freue mich, wenn ich im Sommer an die WM kann. Klar ist auch mein Ziel, einmal die Nummer 1 in der Nationalmannschaft zu sein, aber erstens entscheidet darüber der Trainer und zweitens muss ich mich erst in der neuen Liga bewiesen. Dann wird man sehen.

Der FCB muss nun einen neuen Torhüter suchen. Was für einen Typ Goalie sehen Sie als Ihren Nachfolger am geeignetsten?

Ich will keine Tipps abgeben. Ich kann nur sagen, dass es viel Spass macht, beim FCB im Tor zu stehen. Es gibt in Basel wenige Sachen, die nicht stimmen und, dass es mir schwer fallen wird, wegzugehen.

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