Zürcher Firma in Bondo GR: «Es ist ein schönes Gefühl, helfen zu können»
Publiziert

Zürcher Firma in Bondo GR«Es ist ein schönes Gefühl, helfen zu können»

Die Geröllmassen in Bondo GR überfordern lokale Baufirmen nach dem Bergsturz. Deshalb ziehen die Behörden nun die Hilfe eines spezialisierten Bauunternehmens aus Zürich bei.

von
J. Furer / S. Ehrbar

Martin Furger brachte schwere Maschinen nach Bondo. Im Interview erzählt er von der Fahrt. (Video: ehs/jen)

Die Aufräumarbeiten nach dem Bergsturz vom Mittwoch in Bondo GR sind am Sonntag in vollem Gang. Dafür wurden sogar Baumaschinen von der Firma Eberhard aus Zürich aufgeboten. «Im Tal hat es nicht genug schweres Material. Deshalb brauchen wir Unterstützung aus allen Landesteilen», sagt Roman Rüegg, Sprecher der Kantonspolizei Graubünden, zu 20 Minuten.

Erwin Schnyder, Einsatzleiter der Firma Eberhard, sagt: «Ich war gestern vor Ort und habe mir den Schadensort angesehen. Aufgrunddessen konnten wir beurteilen, welche Maschinen wir ins Tal bringen können und müssen.» Gegen Mittag sind am Sonntag zwei Dumper und mehrere Bagger, darunter auch ein funkgesteuerter, in Bondo eingetroffen. Schnyder: «Letzterer dient dazu, an schwierige Orte zu gelangen ohne Menschenleben in Gefahr zu bringen.»

«Es ist ein schönes Gefühl, Hand bieten zu können»

Am Montag wird zusätzlich ein 50-Tonnen-Langarmbagger ins Tal gebracht und am Mittwoch kommt ein 100-Tonnen-Bagger zum Einsatz. «Dieser musste für die rund vierstündige Fahrt von Zürich nach Bondo teilweise auseinandergeschraubt werden», sagt Schnyder.

Die ganze Logistik sei eine Riesen-Herausforderung für die Firma gewesen. «Wir standen schon einige Tage in Kontakt mit den Behörden und mussten alles genau abklären und durchdenken», sagt Schnyder. Man könne beispielsweise nicht einfach mit den schweren Maschinen drauflos fahren. Schnyder: «Es müssen Bewilligungen eingeholt oder die Breite der Fahrbahnen angeschaut werden.»

Schnyder sei froh, dass er und seine Firma in Bondo helfen kann: «Auch ich wurde überrannt vom Ganzen. Die Verzweiflung der Menschen hat mich sehr berührt. Es ist ein schönes Gefühl, Hand bieten zu können.»

Schwergewichstransporter von Polizei begleitet

Für den Transport beauftragt hat das Bauunternehmen Eberhard die Firma Feldmann. Am Samstagabend sei der Auftrag eingegangen, sagt Chaffeur Martin Furger vor Ort zu 20 Minuten. «Am Sonntagmorgen um 6.30 Uhr haben wir drei Schwergewichstransporter mit den schweren Maschinen beladen», so Furger.

Um 11 Uhr sei der Konvoi in Rothenbrunnen GR angekommen. Furger: «Von dort aus hat uns die Polizei begleitet, die den Verkehr aufgehalten und uns die Strassen freigehalten hat.» Die Pässe auf dem Weg ins Bergell seien sehr eng und steil gewesen. «Das war schon eine Herausforderung», sagt Furger.

«Wir machen etwas Gutes, das ist das Schöne»

Für Furger sei es ein spezieller Einsatz gewesen. «Ich habe zwar schon ähnlich lange Fahrten gemacht, aber zu so einem Ereignis noch nie. Auch so spezielle und grosse Maschinen habe ich noch nie zu einem Katastrophengebiet gebracht.» Er sei dankbar, in Bondo helfen zu können. Furger: «Wir machen etwas Gutes, das ist das Schöne.»

Dass Furgers Firma gebraucht wurde, erstaunt ihn nicht: «Die Massen, die den Berg runtergekommen sind, können die Baufirmen vor Ort nicht bewältigen.»

Wann Furger und sein Team die Maschinen wieder abholen werden, ist unklar. Furger: «Das kann in drei Monaten oder einem halben Jahr sein. Das kommt darauf an, wie die Arbeiten vorwärts kommen und was genau gemacht werden muss.»

Deine Meinung