Aktualisiert 16.02.2018 17:04

US-Bomben auf russische Söldner«Es ist eine beispiellose Warnung an Moskau»

In Syrien haben US-Bomben mehrere russische Söldner getötet. Experten sprechen von einer roten Linie, die gezogen werden sollte.

von
Noah Knüsel
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US-Kampfjets haben in Syrien fünf bewaffnete Russen im Kampfeinsatz getötet. Es ist die erste direkte militärische Konfrontation der beiden Grossmächte seit Jahrzehnten.

US-Kampfjets haben in Syrien fünf bewaffnete Russen im Kampfeinsatz getötet. Es ist die erste direkte militärische Konfrontation der beiden Grossmächte seit Jahrzehnten.

Colton Elliott / us air Force Handout
Der Zwischenfall ereignete sich zwar schon am 7. Februar, doch erst jetzt bestätigte der Kreml die Todesopfer: «Ich möchte betonen, dass es sich nicht um russische Militärangehörige handelt», sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

Der Zwischenfall ereignete sich zwar schon am 7. Februar, doch erst jetzt bestätigte der Kreml die Todesopfer: «Ich möchte betonen, dass es sich nicht um russische Militärangehörige handelt», sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

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Die USA hätten eine rote Linie ziehen wollen, glaubt Politologe Vicken Cheterian von der Genfer Webster-Universtität: «Östlich des Euphrat ist eine amerikanische Zone, dorthin dürfen weder Truppen der Assad-Regierung noch russische Söldner vorrücken.» (Bild: US-General Jamie Jarrard in Syrien)

Die USA hätten eine rote Linie ziehen wollen, glaubt Politologe Vicken Cheterian von der Genfer Webster-Universtität: «Östlich des Euphrat ist eine amerikanische Zone, dorthin dürfen weder Truppen der Assad-Regierung noch russische Söldner vorrücken.» (Bild: US-General Jamie Jarrard in Syrien)

AP/Susannah George

US-Kampfjets haben in Syrien fünf bewaffnete Russen im Kampfeinsatz getötet. Es ist die erste direkte militärische Konfrontation der beiden Grossmächte seit Jahrzehnten. Der Zwischenfall ereignete sich zwar schon am 7. Februar, doch erst jetzt bestätigte der Kreml die Todesopfer: «Ich möchte betonen, dass es sich nicht um russische Militärangehörige handelt», sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

Am Euphrat in der ostsyrischen Provinz Deir as-Saur griffen Assad-Truppen und russische Söldner eine Basis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) an, wo sich auch US-Militärberater aufhielten. Die Verteidiger forderten Hilfe an, und die US-Luftwaffe wehrte den Angriff mit massivem Bombardement ab.

Beide Seiten haben sich in den letzten Tagen auffallend zurückgehalten mit gegenseitigen Anschuldigungen und Vorwürfen. Zwei Kenner der Region schätzen die derzeitige Situation ein.

«Eine beispiellose Warnung»

Die USA hätten eine rote Linie ziehen wollen, glaubt Politologe Vicken Cheterian von der Genfer Webster-Universtität: «Östlich des Euphrat ist eine amerikanische Zone, dorthin dürfen weder Truppen der Assad-Regierung noch russische Söldner vorrücken.»

Weder im Georgien-Krieg 2008 noch während der Ukraine-Krise 2014 habe es eine direkte Konfrontation zwischen den Grossmächten gegeben. Doch jetzt senden die USA Drohgebärden aus. «Es ist eine bisher beispiellose Warnung in Richtung Moskau», so Cheterian zu 20 Minuten.

Dem widerspricht Muriel Asseburg von der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik: «Ich gehe nicht davon aus, dass den Amerikanern in dieser Situation bewusst war, dass sie russische Söldner direkt treffen würden.»

«Putin will Syrien-Einsatz als beendet verkaufen»

Einig sind sich die beiden Politologen, dass keine der beiden Seiten eine weitere Eskalation will. Washington wolle aber eine klare Verteilung der Einflusszonen im Nahen Osten, so Cheterian: «Die wurde von Russland mit dem militärischen Eingreifen in den Syrien-Konflikt vom September 2015 infrage gestellt.» Moskau habe aber nicht die militärischen Mittel, um sich direkt mit den USA zu messen, sagt er weiter.

In Russland selbst stehe die Mehrheit der Bevölkerung nicht hinter dem Syrien-Einsatz, sagt Asseburg zu 20 Minuten: «Gerade vor den Präsidentenwahlen am 18. März will Putin deshalb die Intervention als erfolgreich und beendet verkaufen.»

Söldnerarmee kämpft in Syrien

In Russland ist es eigentlich illegal, als Söldner zu arbeiten oder Söldner anzuheuern. Trotzdem enthüllte das Internetportal Fontanka.ru 2016 die Existenz einer Söldnertruppe, geführt von dem Ex-Geheimdienstoffizier Dmitri Utkin alias Wagner. Mitglieder sind meist ehemalige Soldaten. Viele haben schon für die prorussischen Separatisten in der Ostukraine gekämpft.

In Syrien wurden sie gegen den IS eingesetzt, zum Beispiel bei der Eroberung der Städte Palmyra und Dair as-Saur. Die Söldner sind von Vorteil für die reguläre Armee, weil diese weniger eigene Verluste erleidet, die sie der Öffentlichkeit erklären muss.

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