Aktualisiert 20.08.2018 06:42

Rassismus-Debatte an Fasnacht

«Es ist eine Frage des Anstands»

Elisio Macamo leitet das Zentrum für Afrikastudien an der Universität Basel. Wie beurteilt er die als rassistisch kritisierten Logos der Guggenmusiken Negro Rhygass und Mohrekopf?

von
lha
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Elisio Macamo wuchs in Mosambique auf und leitet an der Universität Basel das Zentrum für Afrikastudien, wo er seit 2009 eine ordentliche Professur hält.

Elisio Macamo wuchs in Mosambique auf und leitet an der Universität Basel das Zentrum für Afrikastudien, wo er seit 2009 eine ordentliche Professur hält.

Derek Li Wan Po/Uni Basel
«Solche Bilder haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, die schlechte Behandlung der Schwarzen zu rechtfertigen», sagt der Soziologe.

«Solche Bilder haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, die schlechte Behandlung der Schwarzen zu rechtfertigen», sagt der Soziologe.

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Macamo verlangt nicht, dass die Guggen ihr Logo ändern, sagt aber: «Wenn es jemandem nichts ausmacht, die Gefühle von anderen zu verletzen, kann ich ihm auch nicht weiterhelfen.»

Macamo verlangt nicht, dass die Guggen ihr Logo ändern, sagt aber: «Wenn es jemandem nichts ausmacht, die Gefühle von anderen zu verletzen, kann ich ihm auch nicht weiterhelfen.»

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Herr Macamo, empfinden Sie den Auftritt der Guggenmusiken Negro Rhygass und Mohrekopf als rassistisch?

Nicht alles, was unhöflich ist, ist rassistisch. Ich halte den Auftritt für wenig rücksichtsvoll. Ich habe volles Verständnis für die Leute, die sich durch solche Bilder beleidigt fühlen. Solche Bilder haben in der Vergangenheit dazu beigetragen, die schlechte Behandlung der Schwarzen zu rechtfertigen.

Die beiden Fasnachtsvereine selbst distanzieren sich von Rassismus und verweisen darauf, dass weder der Name noch der optische Auftritt rassistisch gemeint sind. Spielt es eine Rolle, wie der Sender der Botschaft diese meint?

Klar spielt das eine Rolle. Aber wenn jemand sich durch eine Äusserung von mir beleidigt fühlt, bin ich aus Anstand, und wenn ich gut erzogen bin, verpflichtet, zuzuhören und allenfalls meine Handlung zu überdenken.

Fänden Sie es angebracht, wenn die beiden Vereine ihren Namen oder zumindest ihr Logo ändern würden?

Jeder ist frei, sich so zu benehmen wie er es für richtig hält, solange er nicht gegen das Gesetz verstösst. Dass etwas nicht gegen das Gesetz verstösst, heisst allerdings nicht, dass es gut oder anständig ist. Das ist eine Frage des Anstands. Wenn es jemandem nichts ausmacht, die Gefühle von anderen zu verletzen, kann ich ihm auch nicht weiterhelfen.

Elisio Macamo (53) wuchs in Moçambique auf und studierte in der Landeshauptstadt Maputo, Salford und London (England) sowie Bayreuth (D) Soziologie. In Bayreuth, wo er habilitierte, war er Gründungsmitglied der International Graduate School für African Studies. Seit 2009 ist er Professor am Zentrum für Afrikastudien der Universität Basel, das er auch leitet. Er ist auch als Gastdozent in Moçambique tätig. In seiner Forschung untersucht er die Politik des Rechtsstaats und vergleichende Entwicklungsstudien zu Afrika und Asien.

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