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Adi Hütter«Es ist eine unfassbare Geschichte»

Wahnsinn. Yuya Kubo schiesst YB gegen Schachtar Donezk ins Penaltyschiessen – dabei sollte er eigentlich in Rio sein. Trainer Adi Hütter freuts.

von
E. Tedesco
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Freitag, 5. August 2016YB trifft in den Playoffs auf Borussia Mönchengladbach.

Freitag, 5. August 2016YB trifft in den Playoffs auf Borussia Mönchengladbach.

FreshFocus/Claudio de Capitani
Die beiden Clubs trafen in der Saisonvorbereitung am Uhrencup in Grenchen bereits aufeinander.

Die beiden Clubs trafen in der Saisonvorbereitung am Uhrencup in Grenchen bereits aufeinander.

Keystone/Thomas Hodel
Mittwoch, 3. August 2016YB braucht im Rückspiel gegen Schachtar Donezk ein kleines Wunder um die Playoffs der CL zu erreichen. Das Wunder trifft ein und der Jubel ist grenzenlos.

Mittwoch, 3. August 2016YB braucht im Rückspiel gegen Schachtar Donezk ein kleines Wunder um die Playoffs der CL zu erreichen. Das Wunder trifft ein und der Jubel ist grenzenlos.

FreshFocus/urs Lindt

Die Enttäuschung war riesig bei Yuya Kubo, als ihm YB vor einer Woche die Reise nach Brasilien zu den Olympischen Spielen verbaute. Alexander Gerndt verletzte sich im Hinspiel der CL-Qualifikation gegen Schachtar Donezk (0:2) und so wird der Japaner in den nächsten Wochen dringend gebraucht. So heisst es für Kubo Bern statt Brasilien. Trotz Olympia-Frust schiesst der Teufelskerl die Young Boys innert sechs Minuten erst in die Verlängerung und ins Penaltyschiessen. Dann trifft Kubo auch noch im Elfmeterschiessen, das YB gegen die Millionentruppe aus der Ukraine schliesslich 4:2 gewinnt.

«Ich fand es schade und war enttäuscht. In meinem Kopf ging mir immer Rio herum», sagt der Stürmer nach der Sensation im Stade de Suisse. Olympia sei halt sehr wichtig für Japaner, versuchte er zu erklären. «Aber irgendwann hat es in meinem Kopf gewechselt und so konnte ich die zwei Tore schiessen. Ich freue mich sehr darüber.»

Emotional und mental schwierig

«Er ist nicht unbedingt der Emotionalste, aber heute hat man gesehen, wie sehr er sich gefreut hat. Das hat mich sehr beeindruckt», sagt Trainer Adi Hütter über seinen treffsicheren Sushi-Bomber. «Es ist eine unfassbare Geschichte. Er hätte nach dem Hinspiel in der Ukraine nach Rio fliegen sollen, der Zwiespalt zwischen dem Enthusiasmus der Japaner für Olympia und der Pflicht, bei uns bleiben zu müssen, das war speziell. Es war emotional und mental schwierig für Yuya.»

YB-Coach Adi Hütter über den emotionalen Abend. (Video: 20 Minuten)

«Ich habe ihm in der Pause gesagt: Heute schiesst du zwei Tore und die werden entscheidend sein. Und genau so ist es auch gekommen», erzählt Keeper Yvon Mvogo später. Er wisse nicht warum er sich so sicher gewesen sei. «Aber ich hatte das im Gefühl, weil er einfach gut drauf war.»

Gut drauf war aber auch Mvogo. Der Schweizer EM-Teilnehmer zeigte starke Paraden und hielt den Penalty von Fred. «Mir fehlen die Worte, ich bin einfach zufrieden und will mit meinen Kollegen feiern – ohne Alkohol natürlich. Dafür mit einer Party in meinem Kopf.»

Die Party geht weiter

Die Party geht für YB in den Play-offs am 16./17. und 23./24. August. Die Auslosung steigt am Freitag. Dann wissen die Berner, gegen wen es als nächstes geht. Die möglichen Kandidaten: Manchester City, Porto, Ajax Amsterdam, Villareal und Gladbach. Einen Wunschgegner haben die Berner nicht. «Ich bin zu müde, daran zu denken», sagt Captain Steve von Bergen und stöhnt bei seinen Worten. «Lasst uns das erst einmal geniessen. Da waren gerade so viele Emotionen, die wir erlebt haben. Emotionen, die man nur im Sport erleben kann. Solche Spiele machen eine Mannschaft stark. Aber wir haben auch zwei Gesichter und dieses Gesicht vom Mittwoch wollen wir immer zeigen.»

Selten zuvor hat man diese zwei Gesichter innert weniger Tage so deutlich gesehen. Noch am Samstag, nach dem peinlichen 1:2 gegen Lugano, sass Trainer Hütter unheimlich sauer im Medienraum. Vier Tage später sagt der Österreicher an gleicher Stelle: «Das ist der schönste Tag für mich, seit ich YB-Trainer bin. Der Erfolg war wichtig für die Zukunft und wichtig für den Schweizer Fussball. Unsere Reise in Europa geht weiter und wir werden versuchen, auch in der nächsten Runde alles zu geben.»

Dann vielleicht vor mehr als nur 9365 Zuschauern wie gegen Schachtar. Die Kulisse in Bern war das einzig Negative an diesem tollen Fussballabend.

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