Schrebergarten in Winterthur verwüstet: «Es ist entsetzlich, was die Vandalen angerichtet haben»
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Schrebergarten in Winterthur verwüstet«Es ist entsetzlich, was die Vandalen angerichtet haben»

In Winterthur haben Unbekannte einen Schrebergarten verwüstet. Die Polizei geht von einem politisch motivierten Hintergrund aus.

von
Thomas Mathis
Stefan Hohler
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Meliha A.* und ihr Vater sind entsetzt über den Anschlag auf ihren Schrebergarten in Winterthur-Töss.

Meliha A.* und ihr Vater sind entsetzt über den Anschlag auf ihren Schrebergarten in Winterthur-Töss.

Unbekannte haben diese Woche auf dem Areal Einrichtung beschädigt und Sprayereien hinterlassen.

Unbekannte haben diese Woche auf dem Areal Einrichtung beschädigt und Sprayereien hinterlassen.

Auf einem Gartentisch schrieben sie den Namen des Kriegsverbrechers Ratko Mladic.

Auf einem Gartentisch schrieben sie den Namen des Kriegsverbrechers Ratko Mladic.

Darum gehts

  • Ein Schrebergarten in Winterthur wurde diese Woche verwüstet.

  • Die Familie vermutet serbische Nationalisten dahinter.

  • Die Polizei geht von einem politisch motivierten Hintergrund aus.

Für die bosnische Familie aus Winterthur war es ein Schock: «Die Polizei meldete sich am Mittwoch bei uns, dass unser Schrebergarten in Töss verwüstet wurde», sagt Leser-Reporterin Meliha A.* Die Unbekannten hätten unter anderem die Einrichtung und auch angebautes Gemüse beschädigt und auch Sprayereien hinterlassen. «Auch unsere Bosnierflagge, die an einer Fahnenstange hing, ist weg», so die 18-Jährige. Sogar eine Schaukel sei entwendet worden. «Es müssen wohl mehrere Vandalen gewesen sein.»

Wer dahinter steckt, ist unklar. Aber die Täterschaft hat Spuren hinterlassen. Auf einem Gartentisch etwa steht der Name des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladic. Auf dem Plattenboden wird mit einem Spruch das Massaker von Srebrenica verherrlicht und zur Tötung von Muslimen aufgerufen. Auch das serbische Kreuz ist an mehreren Stellen zu sehen. «Das ist entsetzlich, das ist Propaganda von serbischen Nationalisten», sagt die junge Frau.

Spuren gesichert

Der Vorfall habe die Familie mitgenommen. «Meine Eltern haben den Krieg miterlebt. Nun ist das alles wieder hochgekommen.» Seit etwa 20 Jahren kümmere sich die Familie nun um den Garten, doch so etwas sei noch nie passiert. «Ich habe auch noch nicht von einem ähnlichen Vorfall gehört.» Die Familie hat den Garten inzwischen aufgeräumt und hofft, dass die Polizei die Unbekannten ermittelt. «Das geht nicht so. Viele Bekannte haben sich gemeldet und verurteilen das.»

Bei der Stadtpolizei Winterthur bestätigt man die Anzeige. Es sei ein Sachschaden von ungefähr tausend Franken entstanden. «Aufgrund der ersten Erkenntnisse muss von einem politisch motivierten Hintergrund ausgegangen werden», sagt Sprecher Michael Wirz. Es seien Spuren gesichert worden. Die Ermittlungen gegen die noch unbekannte Täterschaft laufen.

«Ruhig zwischen den Bevölkerungsgruppen»

Dass die Vandalen gerade auf das Massaker von Srebrenica hinweisen, überrascht Südosteuropa-Experte Cyrill Stieger nicht. «Das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat das Massaker als einen Völkermord, einen so genannten Genozid, eingestuft.» Es war das grösste Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien und wird auch heute noch von Serbien und der serbischen Teilrepublik in Bosnien verleugnet. «Sie argumentieren, dass der Genozid nichts mit dem serbischen Staat zu tun hat», sagt Stieger.

In der Schweiz, so der Südosteuropa-Experte, sei die Situation zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen ruhig, seines Wissens sei es zu keinen ernsthaften Zwischenfällen gekommen – nicht einmal bei Fussballspielen. Dem pflichtet Andreas Ernst, Journalist und Südosteuropa-Spezialist, bei: «Es gab auch keine Auseinandersetzungen zwischen den Bevölkerungsgruppen, als in Bosnien noch Krieg herrschte.» Die Diaspora komme in der Schweiz inzwischen gut miteinander aus, nicht zuletzt, weil die Sprache verbinde.

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Hier findest du Hilfe:

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GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Tel. 147

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