07.10.2018 09:24

Marcel Koller«Es ist gut, konnte YB einmal jemand stoppen»

Für Marcel Koller war das Spiel in St. Gallen eine Reise in die Vergangenheit. Mit einem guten Ende. Der FCB gewinnt 3:1 und sichert sich den ersten Auswärtssieg.

von
E.Tedesco
St. Gallen

Das sagen die Trainer Marcel Koller und Peter Zeidler nach der unterhaltsamen Partie im Kybunpark. (Video: 20 Minuten)

Es war ein perfekter Frühling für den FC St. Gallen im Jahr 2000. Die Ostschweizer trumpften in der Liga überraschend auf und standen mehrere Runden vor Schluss als Meister fest. Zum ersten Mal nach 96 Jahren. Am 1. Dezember 2001 machte Marcel Koller sein letztes Heimspiel als FCSG-Trainer im Espenmoos. 17 Jahre später, sitzt der 57-jährige Zürcher am Samstagabend erstmals wieder in St. Gallen auf der Trainerbank. Diesmal als FCB-Verantwortlicher und im Kybunpark.

«Ich war als Zuschauer beim Länderspiel gegen Island im Stadion. Selber hatte ich in St. Gallen nie mehr die Gelegenheit, auf der Trainerbank zu sitzen. Damals war das ja noch Espenmoos-Zeit», sagt Koller. «Es waren drei wunderschöne Jahre, in denen ich viele Freunde gewonnen und gute Leute kennengelernt habe. Ich komme immer gerne nach St. Gallen.»

Der FCB ist ein dankbarer Gegner geworden

Die schönen Erinnerungen kann Koller mit dem 3:1 auffrischen. Der FCB brauchte diesen ersten Auswärtssieg der Saison, um den tieferen Fall in der Tabelle aufzufangen, aber auch, um das ramponierte Image aufzupolieren. «Wir hätten uns mit dem 1:1 zufriedengeben können», sagt FCSG-Trainer Peter Zeidler, «aber wir haben auf Sieg gespielt.» Torschütze Vincent Sierro ergänzt: «Diese Niederlage ist nur schwer zu akzeptieren.»

Was weder Zeidler noch Sierro ausspricht, aber deutlich aus ihren Sätzen herauszuhören ist: Gegen diesen FCB. Jeder Gegner scheint gegenwärtig in Rotblau einen dankbaren Kontrahenten zu sehen. Die Demut der Konkurrenz ist längst weg. Abgewandert nach Bern.

«Diese Niederlage ist schwer zu akzeptieren»

Das sagt Vincent Sierro und die Basler Gegner zum Spiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FCB in der 10. Runde. (Video: 20 Minuten)

Vincent Sierro hat Mühe, die Niederlage zu akzeptieren. (Video: 20 Minuten)

Jeder in der Liga hat gegen den FCB schon getroffen

Keine Überraschung bei solchen rotblauen Kennzahlen. Noch nie seit der Einführung der Super League vor 15 Jahren hat der FCB nach dem ersten Quartal mehr Gegentreffer kassiert: 19 nach neun Partien waren es. Am 10. Spieltag kam das 20. Gegentor dazu. Kein Super Ligist ausser Aufsteiger Xamax (9/21) hat eine vergleichbar durchlässige Defensive. Bisher hat jede Mannschaft in der Liga mindestens einmal gegen den FCB getroffen. Und auch in St. Gallen suchte die Vierer-Abwehrreihe lange nach der nötigen Balance.

«Es war wichtig, dass wir das Spiel kehren und für uns entscheiden konnten», sagt Innenverteidiger Eray Cömert, «aber wir wissen auch, dass Vieles noch nicht gepasst hat.» Man habe in gewissen Situationen zu schnell und zu leichtfertig den Ball hergegeben und in Konter gelaufen. Dass die Fehler ohne Folgen bleiben, hat Rotblau herrlich herausgespielten Toren von Luca Zuffi (81.) und Blas Riveros (85.) und der schwachen Offensivleistung der Ostschweizer zuzuschreiben.

11 statt 14 Punkte Rückstand auf YB

«Der Sieg ist sicher nicht gestohlen», fasst Koller das 3:1 zusammen und ist erleichtert, dass man mit einem «positiven Gefühl in die Länderspielpause» gehen kann. Die Tatsache, dass der Rückstand auf Leader YB (2:3 gegen den FCL) etwas kleiner wurde, mag Koller nicht gross kommentieren. Es seien noch viele Runden zu spielen und der Vorsprung der Berner immer noch gross.

«Es ist für die ganze Liga gut, dass sie mal jemand stoppen konnte. Jetzt müssen andere nachziehen, damit das Ganze an der Spitze wieder spannender wird.» 14 Punkte Rückstand hatte der FCB auf YB vor Samstag. Neu sind es 11. Die weiteren Verfolger FCZ (12) und Thun (13 ) treffen am Sonntag ab 16 Uhr im Direktduell aufeinander.

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