Ref Alain Bieri: «Es ist hart, dass man uns keine Fehler zugesteht»
Aktualisiert

Ref Alain Bieri«Es ist hart, dass man uns keine Fehler zugesteht»

Der FCB profitiere ständig von Schiri-Patzern. So der Vorwurf nach dem Berner Penalty-Drama. Schiri Bieri stand deshalb am Mittwoch in Basel speziell unter Beobachtung.

von
Eva Tedesco

Schiedsrichter Alain Bieri nach dem Spiel zwischen dem FC Basel und Sion. (Video: 20 Minuten Online)

Die Schiedsrichter-Diskussion hat sich in den letzten Tagen hochgeschaukelt. Nachdem den Young Boys am Sonntag im Heimspiel gegen den FC Basel ein glasklarer Penalty von Ref Stephan Studer verwehrt wurde, mokierten die Betroffenen, die Unparteiischen würden zu oft Fehlentscheide zugunsten des Meisters fällen (20 Minuten Online berichtete).

Unter diesen Vorzeichen stand Schiedsrichter Alain Bieri am Mittwoch in der Partie zwischen dem FCB und Sion speziell unter Druck. Er machte seine Aufgabe ordentlich. Strittige Szenen hatte der Berner nicht zu meistern. Er verteilte fünf Gelbe Karten, zwei gegen Basel sowie drei gegen Sion und liess im Fall von Valentin Stocker auch Gnade vor Recht ergehen. Nach dem Spiel stellte sich Bieri den Medien und sprach, obwohl er noch kein Feedback des Inspizienten hatte, von einem «guten Bauchgefühl».

«Druck ist sicher dagewesen, aber der ist eigentlich in jedem Spiel da», so Bieri. «Aber es wäre nicht ehrlich, wenn ich sagen würde, dass es nicht speziell gewesen ist, aber das gehört zum Geschäft.» Liest er die Artikel, in denen er als «Tomaten-Schiri» bezeichnet wird? «Wenn man es selber nicht liest, wird es einem vorgelesen. Man lernt, damit umzugehen und je länger man dabei ist, desto einfacher wird es. Wir bereiten uns immer seriös vor und versuchen das Beste zu geben. Das ist heute nicht anders gewesen. Manchmal gelingt es und manchmal nicht.»

«Man muss mit einer gewissen Fehlerkultur leben»

Auf die Anschuldigung, dass es gegen Basel häufiger Fehlentscheide geben soll, antwortet Bieri: «Für uns ist das absolut kein Thema. Solche Fehler wie am letzten Wochenende tun mir leid für jene, die Pech gehabt haben, wie die Spieler und Vereine. Vor allem aber tut es mir für die Kollegen leid oder eben auch mir, wenn mir das passiert, denn das sind keine angenehmen Tage. Es macht keiner extra Fehler. Es ist einfach menschlich und mit einer gewissen Fehlerkultur muss man leben können. Es gibt Spieler, die Penaltys verschiessen und Schiedsrichter, die Penaltys nicht sehen. Das ist einfach ein Teil dieses Sportes.»

Nur geraten Spieler, die den Elfmeter verschiessen, selten so ins Kreuzfeuer der Kritik. Bieri: «Als Schiedsrichter darf man nicht täglich auf der Suche nach Fairness sein. Es wird nicht immer korrekt mit einem umgegangen. Aber das ist auch ein Teil des Jobs.» Zu denken geben müsse aber, dass der Unparteiische auf diesem Niveau der einzige Amateur sei. Selbst Masseure und Platzwarte arbeiten im Bereich Profifussball vollamtlich. «Es gibt gewisse Grenzen mit Beruf, Pfeifen und Familie. Es ist hart für uns, dass man uns dann in diesem Umfeld keine Fehler zugesteht. Wenn wir uns in Zukunft verbessern wollen, braucht es den einen oder anderen Schritt.»

Plädoyer für Professionalisierung

Der 33-Jährige hätte in dieser Sache schon Ideen, gibt sie aber nicht preis. «Es gibt verschiedene Modelle. Entscheidend wäre, dass man offen ist und Bereitschaft zeigt uns entgegenzukommen. Aber nicht für uns, sondern für die Sache. Selbstverständlich sieht auch ein Profischiedsrichter nicht jeden Penalty. Aber Gegenfrage: Macht jeder Profifussballer jeden Elfmeter rein? Aber es gäbe bessere Rahmenbedingungen, die sicher förderlich für eine bessere Leistung und schliesslich mehr Glaubwürdigkeit wären.»

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