Aktualisiert 26.07.2018 20:07

Stan Wawrinka

«Es ist hart, doppelt so viel investieren zu müssen»

Knapp ein Jahr nach seinen beiden Knieoperationen sieht sich Stan Wawrinka auf gutem Weg zu alter Stärke. Warum dieser so beschwerlich ist, erzählt er im Interview.

von
Kai Müller
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Im Gespräch mit 20 Minuten gibt sich Stan Wawrinka zuversichtlich, dass die herausragenden Resultate bald wieder kommen werden. Am Donnerstag fliegt er nach Washington, wo er nächste Woche auf die Tour zurückkehrt.

Im Gespräch mit 20 Minuten gibt sich Stan Wawrinka zuversichtlich, dass die herausragenden Resultate bald wieder kommen werden. Am Donnerstag fliegt er nach Washington, wo er nächste Woche auf die Tour zurückkehrt.

Armon Ruetz/Witwinkel.ch
Der 33-jährige Lausanner nahm zuletzt eine kurze Auszeit, seit gut zehn Tagen ist er wieder im Training. Am Mittwoch überraschte er für Evian, dessen Markenbotschafter er ist, im Zürcher Einkaufszentrum Sihlcity Passanten, um sie für einen Wettbewerb zu gewinnen. Der glückliche Sieger ergatterte zwei Tickets fürs US Open.

Der 33-jährige Lausanner nahm zuletzt eine kurze Auszeit, seit gut zehn Tagen ist er wieder im Training. Am Mittwoch überraschte er für Evian, dessen Markenbotschafter er ist, im Zürcher Einkaufszentrum Sihlcity Passanten, um sie für einen Wettbewerb zu gewinnen. Der glückliche Sieger ergatterte zwei Tickets fürs US Open.

Armon Ruetz/Witwinkel.ch
Am Montag weilte Wawrinka in Gstaad, wo er die Gewinner der Junior Champion Trophy traf. «Es macht mich glücklich, mich mit jungen, motivierten Spielern, die Profis werden wollen, auszutauschen», sagt er.

Am Montag weilte Wawrinka in Gstaad, wo er die Gewinner der Junior Champion Trophy traf. «Es macht mich glücklich, mich mit jungen, motivierten Spielern, die Profis werden wollen, auszutauschen», sagt er.

Keystone/Peter Schneider

Vor drei Wochen scheiterten Sie in Wimbledon in Runde 2. Was haben Sie seither gemacht?

Ich nahm ein paar Tage frei, um mich zu erholen. Nun bin ich seit über zehn Tagen wieder im Training. In erster Linie habe ich an der Fitness gearbeitet, dazu ein bisschen Tennis gespielt. Am Donnerstag fliege ich nach Washington, wo ich nächste Woche auf die Tour zurückkehre.

Dauerte es lange, bis Sie die Niederlage gegen den weitgehend unbekannten Italiener Thomas Fabbiano verdaut hatten?

Natürlich war es hart, aber ich wusste ja auch, wo ich stand, deshalb konnte ich das akzeptieren. Ich habe lange gebraucht, um nach meiner Knieoperation wieder an den Punkt zu gelangen, an dem ich jetzt bin. Vor allem mit meinem körperlichen Zustand bin ich sehr zufrieden. Nun will ich mehrere Turniere hintereinander spielen. Deshalb werde ich vor dem US Open in Washington, Toronto und Cincinnati antreten. Ich bin gespannt, zu sehen, wozu ich fähig bin.

Mit welchem Ziel reisen Sie nach Nordamerika?

Für mich geht es darum, die Spiele zu geniessen, mich auf dem Platz wohlzufühlen. Bis zum US Open bleiben noch gut vier Wochen, umso wichtiger ist es, davor möglichst ­viele Spiele zu bestreiten.

Für das nächste grosse Turnier, den Rogers Cup in Toronto, haben Sie keine Wildcard bekommen – der dreifache Major-Champion Stan Wawrinka muss in die Qualifikation …

Das wird auf jeden Fall speziell, denn das musste ich schon sehr lange nicht mehr. Aber ich bin halt zurzeit nur die Nummer 201 der Welt. Ich habe kein Problem damit.

Glauben Sie, dass Sie als US-Open-Sieger 2016 für Flushing Meadows sicher eine Wildcard kriegen, falls Sie dann noch darauf angewiesen sein sollten?

Nein, keineswegs. Es gibt keine Garantie, nur weil ich drei Grand Slams gewonnen habe. Aber ich hoffe natürlich darauf.

Sie haben 2018 nur einmal zwei Partien nacheinander gewonnen. Wie erklären Sie das?

Mir war am ersten Tag nach der Operation klar, dass es über ein Jahr dauern wird, bis ich vollständig zurück bin. Das ist schwierig zu verkraften und braucht eine Menge Geduld. Als ich Anfang Jahr ein Comeback versuchte und ein paar Turniere spielte, wusste ich, dass mein Körper und mein Tennis noch nicht bei 100 Prozent sind. Aber es war ein wichtiger Belastungstest. Ich bin auch nicht enttäuscht wegen der Resultate der letzten Wochen. Wichtiger ist, dass ich Positives aus einzelnen Matches mitnehmen und mich verbessern konnte.

Wie frustrierend ist es, zu wissen, dass es lange dauern wird, bis man wieder die Allerbesten fordern kann?

Das Härteste ist, dass du weit von deinem alten Niveau entfernt bist und doppelt so viel investieren musst, um wieder dorthin zu gelangen – wo du doch weisst, welch enormen Aufwand du schon betrieben hast, um es überhaupt so weit zu bringen. Mental ist das extrem ermüdend, aber du hast keine andere Option, wenn du zurück an die Spitze willst.

Als Sie Ihren ersten Comebackversuch Ende Februar am Turnier in Marseille abbrachen, geisterte eine andere Option durch Ihren Kopf: der Rücktritt. Wie haben Sie diese Gedanken vertrieben?

Am Ende ist es ganz einfach: Tennis ist meine Leidenschaft. Ich will nicht, dass eine Verletzung meine Karriere beendet. Ich begann, kurzfristiger zu denken und mich an kleinen Schritten zu erfreuen.

In dieser schwierigen Zeit brachten Sie Ihren Erfolgscoach Magnus Norman dazu, nach der Trennung im Oktober wieder mit Ihnen zu arbeiten. In Paris war er dabei, während Wimbledon weilte er in den Ferien mit seiner Familie. Wie geht es weiter mit Ihnen beiden?

Er wird nun mit mir in die USA reisen, danach müssen wir weiterschauen. Wichtig ist für mich, dass mein Team wieder komplett ist. Ich bin mir sicher, dass die herausragenden Resultate wiederkommen werden. Ich weiss nicht, ob es in diesem Sommer, Ende Jahr oder erst nächste Saison so weit ist. Aber ich bin positiv genug eingestellt, um zu wissen, dass es passieren wird.

Sie sagten einmal, dass es Ihr Coach nicht immer leicht habe mit Ihnen. Würden Sie gern einen Spieler wie Stan Wawrinka coachen?

(lacht) Ja! Aber ich weiss nicht, ob ich ein guter Coach wäre. Ich denke, es gibt bei mir zwei gegensätzliche Aspekte. Einerseits ist es einfach mit mir, weil ich gerne zuhöre, lerne, arbeite und nach neuen Wegen suche, um mich zu verbessern. Andererseits unterliegt mein Spiel starken Schwankungen. An einigen Turnieren spiele ich nicht mein bestes Tennis, an anderen dafür fantastisch. Es ist die Aufgabe des Trainers, den Spieler in die richtige Spur zu bringen.

Sie betrachten 2018 als Übergangsjahr. Wie lange sehen Sie sich noch auf der Tour?

Es ist mein Ziel, noch einige Jahre zu spielen. Ob es zwei, drei, vier oder fünf sein werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Vom Spitalbett zur Guerilla-Aktion

Im August 2017 unterzog sich Stan Wawrinka (33) zwei Operationen, um den Knorpelschaden im linken Knie zu beheben. Anfang Jahr kehrte er auf die Tour zurück, pausierte dann aber wieder, ehe er Mitte Mai in Rom sein erneutes Comeback gab. ­Seine Jahresbilanz steht bei 6:10. Am Mittwoch überraschte er in einer Guerilla-Aktion für Evian Passanten im Zürcher ­Shoppingcenter Sihlcity, ehe er am Donnerstag nach Washington reist. Der Getränkehersteller ermöglichte auch dieses Interview.

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