Linkin Park: «Es ist hart und geil, die ganze Zeit»
Aktualisiert

Linkin Park«Es ist hart und geil, die ganze Zeit»

Am 13. Juni erscheint Linkin Parks neues Album «The Hunting Party». Wir haben die Frontmänner Mike Shinoda (37) und Chester Bennington (38) zum Interview in Los Angeles getroffen.

von
Catharina Steiner

Könnt ihr euch immer noch dafür begeistern, ein Album zu promoten?

Chester: Absolut. Das coole an Linkin Park ist, dass es einem so vorkommt, als wäre man mit jedem neuen Album in einer neuen Band. Dieses ist das stilistisch linearste, das wir jemals gemacht haben. Es ist hart und geil, die ganze Zeit.

Ihr habt euch also bewusst dafür entscheiden, wieder eine laute Platte zu machen?

Chester: Ja, wir sind auf die Bremse getreten und so schnell wir konnten in die andere Richtung gefahren.

Die Texte klingen nach verlorener Unschuld. Seht ihr das auch so?

Chester: Wir haben viel über die Texte geredet. Am Anfang sagten wir: O.k., wir machen ein hartes Album. Aber die Texte müssen zu uns passen, wir können uns nicht über dieselben Dinge beschweren wie mit 20.

Mike: Unser Bassist Dave sagte kürzlich: Mit 19 waren wir zornig über die Dinge, die uns direkt betrafen. Sehr egozentrisch. Wenn man älter wird, öffnet man sich dem Rest der Welt. Als wir «Meteora» promotet haben, kamen all die Fragen: Ihr seid jetzt Superstars, worüber könnt ihr euch überhaupt beschweren? Das ist so grotesk. Darf ich nicht die Fülle aller menschlichen Emotionen fühlen, nur weil ich Geld habe?

Ein neuer Song auf dem Album heisst «Rebellion». Glaubt ihr, eure Generation hat nichts, gegen das sie sich auflehnen kann? Oder sind wir zu faul und egoistisch?

Mike: Als Kind war Rebellion wichtig. Public Enemy und Two Life Crew waren meine Lieblingsbands. Ich wusste, dass meine Eltern nicht wollten, dass ich den ekelhaften Mist anhöre. Ich habe rebelliert dagegen, was sie für angemessen für ein Kind hielten. Das war ein wichtiger Moment für mich. Als Erwachsener weiss ich aber auch, dass man das schwer mit Leuten vergleichen kann, die Molotow-Cocktails werfen und Häuser niederbrennen, um gegen ihre Regierung zu demonstrieren. Meine Art der Rebellion war im Vergleich ziemlich klein.

Chester: Ich schaue gern Reality-TV. «The Real Housewives» und so. Die Probleme, die die haben, und worüber sie sich aufregen können, das ist so dumm. Man kann sich einfach nicht über solchen Scheiss beklagen, wenn andere zur Sklaverei gezwungen werden.

Einer eurer Schweizer Fans hat sich Chesters Gesicht auf die Brust tätowieren lassen. Was haltet ihr davon?

Chester: Das klingt wie ein übler Streich, den ich einem betrunkenen Freund spielen würde. Aber im Ernst, es ist schwierig, das zu beantworten. Wenn ich jemanden mit einem Bob-Marley-Tattoo sehe, finde ich das nicht seltsam. Marley war eine wichtige Persönlichkeit. Man konnte ihn bewundern, er hatte auf menschliche Art etwas beizutragen, war eine Ikone. Aber ich sehe mich nicht so. Ich sehe mich als einen verdammten Idioten, der im Lebens-Lotto gewonnen hat.

Apropos Fans. Wir haben euren die Chance gegeben, eine Frage an euch zu richten. Rebecca will wissen: Falls ihr durch die Zeit reisen könntet, würdet ihr lieber euer zukünftiges Ich oder euer vergangenes Ich treffen?

Chester: Ich würde in meine früheren Leben zurückgehen. Zum Beispiel zu Chester während der Renaissance-Zeit. Ich würde gern sehen, ob ich damals coolen Shit gemacht habe, wie in einer Höhle leben und Larven essen.

Mike: Chester, tut mir leid, dass ich dir das sagen muss, aber in einem früheren Leben warst du ein Hase.

Chester: Ja, das macht Sinn.

Und du, Mike?

Ich bin schon eher so, dass ich gern in die Zukunft schaue. Ich konzentriere mich nicht zu sehr auf die Vergangenheit. Das ist irgendwie eine langweilige Antwort, oder? Ich mag die Sache mit dem Hasen lieber.

Samuel will wissen: Welche Songs spielt ihr am liebsten live und welche am wenigsten?

Chester: Ich habe immer «Papercut» geliebt. Dieser Song ist Linkin Park für mich, bis heute. Es fühlt sich verdammt grossartig an, den Song zu spielen. Ich denke jedesmal: Fuck yeah!

Mike: Wenn ich jetzt in diesem Moment genau einen Song spielen sollte, dann wäre das «Lies Greed Misery».

Leonie will wissen: Standen Linkin Park schon mal kurz vor der Auflösung?

Mike: Ich wüde sagen nein, aber es gibt Momente, wie in jeder Band, in denen man sich gegenseitig nervt. Diese kommen normalerweise, wenn wir das Gefühl haben, dass nicht alle dasselbe wollen. Sind unsere Prioritäten so verschieden, dass es ein Problem ist? Das ganze Linkin-Park-Universum muss effizient funktionieren, auch wenn es zum Beispiel nur darum geht, effizient zu kommunizieren. Oder wenn jemand etwas sagt und sich nichts dabei denkt, aber man selbst findet es ziemlich unhöflich. Aber zum Glück nehmen mir diesen Kram nicht zu ernst.

Matthias will wissen: Mike, im letzten Interview mit 20 Minuten hast gesagt du willst in der Schweiz Urlaub machen. Warst du schon da?

Mike: Leider nicht, wie waren zu beschäftigt. Aber wir kommen ans Greenfield Festival und vielleicht kann ich dann noch ein bisschen Zeit dranhängen.

Chester: Ich freue mich, wenn ich an Orte komme und mir vornehmen kann, zurückzukommen. Wir spielen in all diesen Ländern, überall. Es ist wie ein Degustationsmenü der Welt.

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