Stress in US-Zeitung: «Es ist jammerschade für die Schweiz»
Aktualisiert

Stress in US-Zeitung«Es ist jammerschade für die Schweiz»

Dank Christoph Blocher und seinen «Ultranationalisten» der SVP gilt Rapper Stress als Sprachrohr des Widerstandes in der Schweiz – zumindest aus Sicht der «New York Times». Im Interview mit 20 Minuten Online nimmt Stress Stellung zu seinem Porträt in der renommierten US-Zeitung.

von
Philipp Dahm

Kein Zweifel: Aus westlicher Perspektive gilt die Schweiz als Land mit starken Rechtsaussen-Tendenzen. Gemeint damit wird die Schweizerische Volkspartei. So titelte heute die «New York Times»: «In der stillen Schweiz nimmt ein unverblümter Rapper die Rechtsaussen ins Visier».

Die Zeitung beschäftigt sich darin mit dem Kampf Schweizer Künstler gegen die SVP. Die «ultranationalistische» Partei schüre hierzulande Ausländerhass, klärt die «Times» ihre Leser auf, doch diverse Künstler kämpfen für den guten Ruf des Alpenlandes. Und niemand mehr als der «führende Schweizer Rapper» Stress, der im Artikel mehrmals zu Worte kommt (20 Minuten Online berichtete).

«[Die SVP] repräsentiert nicht die Schweiz, in der ich aufgewachsen bin,» so Stress im Artikel, «die Schweiz, die von Menschen gemacht wurde, die kamen, um das Land aufzubauen, die im wahrsten Sinne des Wortes ihre Häuser und Strassen gebaut haben.»

20 Minuten Online befragten den Erfolgsrapper zum Artikel in der US-Zeitung:

20 Minuten Online: Wie kam dieses Interview zustande?

Stress: Ganz einfach - wir wurden angefragt und sagten zu.

Die renommierte «New York Times» hat dich interviewt. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch der Artikel dreht sich um rechte Tendenzen in der Schweiz: Was sagst Du dazu, dass unser Land deswegen wieder im Fokus der USA steht?

Nun, es ist sehr schmeichelnd, denn viel renommierter als die «New York Times» geht es nicht. Was das Thema Schweiz betrifft kann ich nur sagen, wir können nicht Wahlkampagnen haben wie wir sie in der Schweiz führen, sie aber danach verstecken, wenn eine grosse ausländische Zeitung danach fragt, was hier so los sei. Ja, das ist jammerschade und nicht gerade das, was man von einem Land wie der Schweiz erwarten könnte. Doch wir haben diese Themen und müssen mit ihnen fertig werden.

Wie fühlt man sich von einer der grössten US-Zeitungen als der führende Schweizer Rapper bezeichnet zu werden?

Wie gesagt, es ist sehr schmeichelhaft, egal aus welcher Betrachtungsweise.

Die honore US-Zeitung war durch sein Pariser Büro auf den Mann aus Lausanne aufmerksam geworden. Für das Interview mit Stress war der Autor eigens nach Zürich gekommen, um sich zwei Stunden lang mit dem Musiker zu unterhalten. Im Interview bessert Stress das Image der Schweiz in den USA auf, was offenbar dringend nötig ist, heisst es doch in der Einleitung des «Times»-Artikels, hinter Geranienkästen und Geschäften mit Edel-Uhren würde eine Schweizer Version von Kulturkampf toben.

Christoph Blocher hatte es selbst übrigens abgelehnt, mit dem amerikanischen Journalisten zu sprechen.

Talkback: «Käse machende Bergler» vs eine junge moderne Schweiz – das ewige Reizthema. Als vor kurzem ein Landei zum Mr. Schweiz gewählt wurde, tobte im 20-Minuten-Online-Talkback ein heftiger Kampf um den Güllengraben, welcher Stadt und Land trennt. Demnach stimmt wohl die These des Schweizer Kulturkampfes, wie sie die «New York Times» diagnostiziert. Oder nicht? Ihre Meinungen ist gefragt …

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