Publiziert

Schnäppchenjäger«Es ist kein Geiz, sondern ein Müssen»

Schweizer achten immer öfter auf Rabatte und Aktionen. Das liegt für die 20-Minuten-Leser aber nicht unbedingt am Geiz. Vielen fehlt das Geld oder die Motivation, mehr zu bezahlen.

von
vro
1 / 8
Die Aktionsschilder wirken: Schweizer Konsumenten achten laut einer Studie bei Lebensmitteln stark auf Rabatte.

Die Aktionsschilder wirken: Schweizer Konsumenten achten laut einer Studie bei Lebensmitteln stark auf Rabatte.

Keystone/Christian Beutler
Bei Lebensmitteln geben 58 Prozent der Befragten an, Aktionen zu berücksichtigen. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als noch 2017.

Bei Lebensmitteln geben 58 Prozent der Befragten an, Aktionen zu berücksichtigen. Das sind 11 Prozentpunkte mehr als noch 2017.

Keystone/Gaetan Bally
Ebenfalls scharf auf Aktionen sind die Konsumenten laut der Studie bei Elektronik- sowie bei Mode- und Sportartikeln.

Ebenfalls scharf auf Aktionen sind die Konsumenten laut der Studie bei Elektronik- sowie bei Mode- und Sportartikeln.

Leser-Reporter

«Ich verdiene gut, kaufe aber auch Aktionen»

Reto: Wo ist das Problem? Ich habe zwar ein Jahreseinkommen von 250'000 bis 300'000, kaufe aber (wenn ich es grad brauche) auch Aktionen. Beispielsweise hatte letztes Wochenende der Denner Rindsfilet für den halben Preis. Sehr gute Qualität.

Ben: Der Aktionspreis ist in Tat und Wahrheit der richtige Preis. Alles andere ist überteuert.

Hzwo: In England, zum Beispiel bei Morrison, wird am Abend immer das Brot mit teils über 90 Prozent Rabatt verkauft anstatt es wegzuwerfen. Zum Beispiel 9 Rappen anstatt 1.20. Das lohnt sich und find ich auch sinnvoller als vernichten. Sollte hierzulande auch gemacht werden, auch wenn es vielleicht den Händler ein wenig Umsatz kostet. Dafür wächst der Respekt und das Ansehen des Marktes, was in der Schweiz meines Erachtens nicht mehr vorhanden ist.

«Kein Geld hat nichts mit Geiz zu tun»

Tycho: Vielleicht sind auch einfach nur die steigenden Krankenkassenprämien schuld, dass die Konsumenten mehr auf den Preis schauen müssen.

Butterblüemli: Ich kann für mich reden und eventuell für viele andere. Es ist kein Geiz, sondern ein Müssen, damit man bis zum Ende des Monats über die Runden kommt. Sicher für einige nicht nachvollziehbar.

Tom Tomson: Schon mal daran gedacht, dass wir im Verhältnis zu den obligatorischen Abgaben immer weniger verdienen? Hat nichts mit Geiz zu tun!

Peter W.: Bodenlose Frechheit, den durch enorm teure Lebensmittel aufgezwungenen Sparsinn «Geiz» zu nennen.

Marco: Ich bin Handwerker, verdiene netto 4500.-. Nach allen Pflichtabzügen muss ich mit dem, was ich steuern kann, sehr gut haushalten. Ich will nie in Schulden geraten oder auf andere angewiesen sein. Wenn es keine billigen Nahrungsmittel mehr geben sollte, werde ich halt mehr Cervelat essen müssen.

schrotti: Ich kaufe vieles zum halben Preis, bevor das Datum am nächsten Tag abgelaufen ist. Grosspackungen packe ich um und was ich kann, friere ich ein oder mache es im Einmachglas ein. Hat nichts mit Geiz zu tun, sondern einfach kein Geld. Meine fetten Jahre sind vorbei und der Rubel gerollt. Jetzt muss ich auf verbilligte Aktionen achten. Fleisch kaufe ich generell nur heruntergesetzt. Mein Rekord war für eine Aktion von 5 Bratwürsten, die nur noch 5 Stutz kosteten und wegen dem Datum nochmals 50 Prozent billiger waren. Eine Bratwurst kostete danach nur noch 50 Rappen. Alle einzeln eingefroren und freue mich jedesmal darüber. Habe schon Reis gehabt, der 5 Jahre übers Datum war und der war immer noch fein. Kein Geld hat nichts mit Geiz zu tun.

«Jeder muss selbst wissen, wo er Prioritäten setzt»

Gilly: Ach kommt! Hören wir doch auf zu klagen. Das Problem ist nicht, dass wir immer weniger haben, sondern immer mehr wollen. Beim Essen sollte man nicht sparen, da es das einzige ist, was wir in uns rein werfen. Darum nur das Beste!

Beobachter: Gejammert, was das Zeug hält. Aber jeder hat 2 Handys, Auto, iPad, moderne Wohnung, 3-4 Mal Ferien, 2 TVs, teure Klamotten, usw. Was soll das?

King Ralph: Muss schon jeder selbst wissen,

wo er/sie Prios setzt – aber sich Luxusgüter leisten und an Lebensnotwendigem sparen hat für mich dann schon was mit Geiz zu tun. Also wer seine Prios auf Luxusgüter und Billig-Food setzt, sollte demnach nicht jammern, das Lebensmittel und so zu teuer sind.

Argus: Und warum wundert ihr euch? Die Geschäfte sind ja das ganze Jahr im «Aktions-und Schnäpchenmodus». Die Marketing- und Verkaufsleute erziehen sozusagen eine Geiz-ist-geil-Generation heran. Die Leute verlieren das Gespür und den Sinn für die Logik und kaufen alles, ob es sinnvoll und qualitativ gut oder schlecht ist. Selbst denken: Fehlanzeige. Wie die Lemminge wird drauf los gekauft. Die Strategie der Verkaufsprofis geht also auf. Also liebe Leute: Teurer wäre oft günstiger und bei Lebensmitteln gesünder. Lasst euch nicht über den Tisch ziehen!

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.