Sexueller Übergriff: «Es ist krank, einem Kind den Penis zu zeigen»
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Sexueller Übergriff«Es ist krank, einem Kind den Penis zu zeigen»

A. S.* (24) nahm mehrfach sexuelle Handlungen mit einem Mädchen vor und wurde nun zu einer Geldstrafe verurteilt. Wir fragen einen Psychiater, was er vom Strafmass hält.

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dk/pam
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A. S.*, der Sohn einer Tagesfamilie im Aargau, hat mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Mädchen vorgenommen.

A. S.*, der Sohn einer Tagesfamilie im Aargau, hat mehrfache sexuelle Handlungen mit einem Mädchen vorgenommen.

qll/20M
Nun wurde S. zu einer bedingten Geldstrafe von 19'690 Franken und einer Busse von 1000 Franken verurteilt.

Nun wurde S. zu einer bedingten Geldstrafe von 19'690 Franken und einer Busse von 1000 Franken verurteilt.

qll/20M
Wir haben den forensischen Psychiater Andreas Frei aus Luzern mit dem Fall konfrontiert.

Wir haben den forensischen Psychiater Andreas Frei aus Luzern mit dem Fall konfrontiert.

privat

Die sexuellen Übergriffe des heute 24-jährigen A. S.* begannen 2013: Während die Mutter der damals dreijährigen M. M* zur Arbeit ging, wurde das kleine Mädchen von einer Tagesfamilie im Kanton Aargau betreut und dabei Opfer von sexuellen Übergriffen des Sohnes der Tagesfamilie.

Nun wurde S. zu einer bedingten Geldstrafe von 19'690 Franken und einer Busse von 1000 Franken verurteilt. Zudem muss er sich einer ambulanten Behandlung unterziehen. 20 Minuten hat beim forensischen Psychiater Andreas Frei aus Luzern nachgefragt, wieso die Strafe nicht höher ausfällt.

Herr Frei, was geht in einem damals 20-jährigen Täter vor, der einem dreijährigen Mädchen seinen Penis zeigt?

Das ist ohne ein persönliches Gespräch nur schwer zu beurteilen. Ich kann mir aber vorstellen, dass das vermutlich jemand ist, der unter einer geistigen Behinderung leidet und Probleme hat, zu begreifen, was sich gehört und was nicht. Wenn sich ein Täter so junge Opfer aussucht, überlegt man sich sicher, ob er nicht schwer gestört ist. Schliesslich ist es nicht normal, sondern krank, einem Kind seinen Penis zu zeigen.

Welche Rolle spielte beim Fall das Umfeld, also dass die Mutter des Täters das Kind im gleichen Haus betreute?

Die wahrscheinlich geistige Behinderung gekoppelt mit der sozialen Inkompetenz lassen vermuten, dass der Täter die Tat nicht plante oder vorbereitete, sondern jeweils die «Gunst der Stunde» nutzte. Ich nehme nicht an, dass seine Mutter damit rechnete, dass ihr Sohn so etwas machen würde.

Als das Opfer schon älter war und wusste, was ein Penis ist, begann es sich zu wehren. Zuvor nannte es den Penis «Spielzeug». Was macht eine solche Tat mit dem Opfer?

Es ist schwierig abzuschätzen, wie das Mädchen mit dem Erlebten umgeht. Da die Taten jeweils in einer fremden Umgebung mit einer ihr fremden Person passierten, ist anzunehmen, dass die Folgen für das Opfer voraussichtlich minimal bleiben. Wäre die Tat bei ihr zu Hause mit einer ihr nahestehenden Person passiert, wäre das schlimmer, da das Vertrauensverhältnis zerstört wäre.

Das ist meiner Meinung nach einer der Gründe, wieso er nur zu einer Geldstrafe und einer ambulanten Therapie verurteilt wurde.

Wie meinen Sie das?

Das Urteil ist ein Hinweis darauf, dass es sich bei S. um einen Täter handelt, der nicht sehr raffiniert vorging und geistig relativ beschränkt ist. Daher kann sein Verhalten mit einer ambulanten Therapie kontrolliert werden.

Was versucht man in einer solchen Therapie zu erreichen und mit welchen Methoden?

In einer Gesprächstherapie geht es darum, dem Täter die Tragweite seiner eigenen Tat bewusst zu machen. Im weitesten Sinn soll eine Opferempathie geweckt werden, das Bewusstsein, dass mit dem eigenen Handeln die psychische oder physische Gesundheit des Opfers stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Welche Hoffnung auf Besserung besteht bei einer Behandlung des Täters?

Das wird sich weisen müssen. Aber aufgrund der Entscheidung der Staatsanwaltschaft, ihn nicht in einer geschlossenen Institution festzuhalten, ist davon auszugehen, dass sich sein Verhalten durch die ambulante Therapie korrigieren wird.

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