27.09.2019 06:28

Voluntourismus

«Es ist logisch, dass Freiwilligenarbeit kostet»

Voluntourismus-Expertin Christine Plüss erklärt, worauf man bei einem Einsatz achten sollte, und ruft zur Prüfung der eigenen Motivation auf.

von
hum
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Beispiel eines Forschungsprojektes der Meeresschutzorganisation Oceancare.

Beispiel eines Forschungsprojektes der Meeresschutzorganisation Oceancare.

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Eine Crew, bestehend aus einer Wissenschaftlerin, einem Skipper und sechs Freiwilligen ...

Eine Crew, bestehend aus einer Wissenschaftlerin, einem Skipper und sechs Freiwilligen ...

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... dokumentiert die räumliche und zeitliche Verbreitung von Walen und Delfinen und untersucht, wo Konflikte zwischen Mensch und Tier gelöst werden müssen, um die Meeressäuger besser schützen zu können.

... dokumentiert die räumliche und zeitliche Verbreitung von Walen und Delfinen und untersucht, wo Konflikte zwischen Mensch und Tier gelöst werden müssen, um die Meeressäuger besser schützen zu können.

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Frau Plüss, «Fair unterwegs» empfiehlt die Forschungsreisen der Schweizer NGO Oceancare für Voluntouristen. Was zeichnet ein solches Angebot aus?

Das Forschungsprojekt von Oceancare stufen wir als seriös ein. Es ist eine wissenschaftliche Leitung an Bord, es gibt ein klares Tätigkeitsprofil und man ist ausreichend informiert und gut begleitet. Seriöse Angebote machen aus, dass man als Volunteer direkt mit dem Projekt in Kontakt steht.

Was sollte man mitbringen, wenn man einen Einsatz leisten möchte?

Eine grosse Offenheit und Neugier, im guten Sinne. Aber zuerst muss man sich die Frage stellen: Was ist meine Motivation? Der wichtigste Beweggrund sollte sein, etwas lernen zu wollen. Nicht etwas Gutes zu tun. Das kann ein Zusatznutzen sein. In erster Linie geht es darum, dass man selber eine neue Lebenserfahrung macht.

Welche Eigenschaften sollte man lieber nicht mitbringen?

Besserwisserei, vor allem in ärmeren Ländern, sollte man ablegen. Ein Beispiel: Es ist logisch, dass Abfall getrennt werden muss, aber das ist nur möglich, wenn die Infrastruktur dafür vorhanden ist. Man muss sich vorher unbedingt gut über das Zielland informieren, sich auseinandersetzen und vorbereiten.

In Sachen Kosten entstehen häufig Missverständnisse, denn Voluntourismus-Einsätze kosten oft nicht gerade wenig. Gibt es überhaupt seriöse Projekte, die kein Geld verlangen?

Unsere Untersuchungen ergeben klar, dass es völlig logisch ist, dass für die Volunteers Kosten entstehen. Im Falle der Oceancare-Expedition: Ein wissenschaftlicher Guide, ein Skipper, das Boot wird gechartert, Essen, Trinken – das kostet alles Geld. Wenn man jedoch davon ausgeht, dass man eine Lehrerfahrung macht, dann ist dies nur logisch, denn Weiterbildung ist etwas wert. Seriös ist es aber nur, wenn man nachvollziehen kann, wohin das Geld fliesst.

Heute ist Voluntourismus ein Trend. Welche Entwicklung wünschen Sie sich in den kommenden zehn Jahren?

Dass es selbstverständlich wird, dass man Freiwilligenarbeit leistet, ohne auf dem Planeten herumzureisen. Neben dem Job sollten aus Solidarität zur Gesellschaft Einsätze geleistet werden. Es gibt nämlich auch hier viel zu tun: etwa in den Bergen, im sozialen Bereich oder mit Asylsuchenden.

20 Minuten war mit an Bord des Forschungsschiffes von Oceancare. Den Erfahrungsbericht lesen Sie hier >>

Christine Plüss ist Geschäftsführerin von fair unterwegs – Arbeitskreis Tourismus und Entwicklung (akte). Voluntourismus-Empfehlungen gibts auf: fairunterwegs.org

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