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Diskussionen gehen weiter«Es ist nicht das erste Mal, dass israelische Sportler Hass spüren»

Bei den Olympischen Spielen in Tokio haben bereits zwei Judokas dem Israeli Tohar Butbul den Kampf verweigert. Solche Boykotte gab es schon häufiger. Das bestätigt auch die Gesellschaft Schweiz-Israel.

von
Nils Hänggi
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Nachdem am Montag zum zweiten Mal bei diesen Olympischen Spielen ein Judoka auf seinen Kampf gegen den Israeli Tohar Butbul verzichtet hatte, entbrannte eine rege Diskussion. 

Nachdem am Montag zum zweiten Mal bei diesen Olympischen Spielen ein Judoka auf seinen Kampf gegen den Israeli Tohar Butbul verzichtet hatte, entbrannte eine rege Diskussion.

imago images/Bildbyran
Manche verstanden den Entscheid des Boykotts, andere nicht. 

Manche verstanden den Entscheid des Boykotts, andere nicht.

REUTERS
Walter Blum von der Gesellschaft Schweiz-Israel meint auf Anfrage:  «Die Sportlerinnen und Sportler haben die Idee von Olympia nicht verstanden.»

Walter Blum von der Gesellschaft Schweiz-Israel meint auf Anfrage: «Die Sportlerinnen und Sportler haben die Idee von Olympia nicht verstanden.»

AFP

Darum gehts

  • Der Sudanese Mohamed Abdalrasool trat am Montag nicht zu seinem Zweitrunden-Kampf gegen den Israeli Tohar Butbul an.

  • Damit verzichtete ein weiterer Judoka auf einen Kampf gegen den Israeli.

  • Seither ist die Aufregung gross.

  • 20 Minuten hat bei der Gesellschaft Schweiz-Israel nachgefragt.

Um den Eklat wird es nicht ruhiger. Nachdem am Montag zum zweiten Mal bei diesen Olympischen Spielen ein Judoka auf seinen Kampf gegen den Israeli Tohar Butbul verzichtet hatte, entbrannte auf Twitter und in der 20 Minuten-Community zunächst eine rege Diskussion.

«Sudan von den Olympischen Spielen ausschliessen, weil es gegen den olympischen Geist verstösst», schrieb etwa ein Twitter-User. Ein anderer bezeichnete Judoka Mohamed Abdalrasool, der auf den Kampf gegen den Israeli verzichtete, als «Feigling.» Andere verstanden den Entscheid des Verzichts. Beispielhaft dazu dieser Kommentar: «Mohamed Abdalrasool folgt dem ehrenvollen Beispiel von Fethi Nourine aus Algerien und zieht sich aus dem Wettbewerb zurück, um Israel bei den Olympischen Spielen in Tokio zu boykottieren.»

Doch das war nicht alles. Nein. Der Iraner Vahid Sarlak, früher Judoka und heute Trainer des Teams aus Tadschikistan, drehte nach dem Boykott in Tokio ein Video mit einem israelischen Trainer. Darin sprechen sich die beiden dafür aus, den Sport und nicht die Politik in den Mittelpunkt zu stellen. Am Ende des Videos umarmten sie sich. Butbul selbst gab sich schmallippig. Konkret auf das Verhalten seiner beiden Kontrahenten wollte er nichts Genaues sagen. «Das sind Dinge, die im Judo manchmal passieren. Es war nicht so ungewöhnlich für mich. Das passiert uns israelischen Athleten eben. Ich möchte aber nicht zu viel über politische Dinge sprechen», sagte der 27-Jährige.

Gesellschaft Schweiz-Israel meldet sich zu Wort

20 Minuten hat noch in der Schweiz nachgefragt. Walter Blum von der Gesellschaft Schweiz-Israel meint auf Anfrage: «Die Sportlerinnen und Sportler haben die Idee von Olympia nicht verstanden. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Israel oder israelische Sportler bei Sportveranstaltungen Hass zu spüren bekommen.» Und: «Das Ganze ist aber ganz klar nicht religiös motiviert. Die Religion wird nicht kritisiert. Es ist eine politische Protestaktion.» Er frage sich einfach, weshalb Sportlerinnen und Sportler an Olympia teilnähmen, wenn sie nicht gegen jede Athletin /jeden Athleten antreten.

Mit der Sache, dass es ist nicht das erste Mal ist, hat Blum recht. Es ist keine Seltenheit, dass Sportlerinnen und Sportler aus gewissen muslimischen Ländern nicht gegen israelische Kontrahentinnen und Kontrahenten antreten. Durch die Spannungen zwischen jüdischen Israelis und Palästinensern wurde die Situation zuletzt zusätzlich verschärft. Vielen wird vielleicht noch der Fall bewusst sein, der sich bei der WM vor zwei Jahren abspielte. Damals wurde der Iraner Saeid Mollaei von seinem Verband durch Drohungen gegen ihn und seine Familie dazu gezwungen, absichtlich zu verlieren. Der Grund? Im Finale hätte er gegen den Israeli Sagi Muki antreten müssen.

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