16.06.2020 20:45

Corona-Lockerungen«Es ist noch zu früh, die Abstandsregeln abzuschaffen»

Schon in zwei Wochen könnte die 2-Meter-Regel aufgehoben werden. Während die SVP und die SP den Schritt befürworten, steht Infektiologe Andreas Cerny dem Vorhaben kritisch gegenüber.

von
Michelle Muff
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Die 2-Meter-Abstandsregel könnte bald wegfallen.

Die 2-Meter-Abstandsregel könnte bald wegfallen.

KEYSTONE
Laut dem Bundesrat könne dies schon in zwei Wochen geschehen.

Laut dem Bundesrat könne dies schon in zwei Wochen geschehen.

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Für Andreas Cerny, Tessiner Arzt für Infektiologie, kommt eine Auflockerung zu früh: «Eine Reduktion des Mindestabstands noch diesen Juni wäre eine voreilige Reaktion.» Denn zurzeit könne man noch nicht sagen, was für Auswirkungen die Lockerungen vom 6. Juni haben werden.

Für Andreas Cerny, Tessiner Arzt für Infektiologie, kommt eine Auflockerung zu früh: «Eine Reduktion des Mindestabstands noch diesen Juni wäre eine voreilige Reaktion.» Denn zurzeit könne man noch nicht sagen, was für Auswirkungen die Lockerungen vom 6. Juni haben werden.

Privat

Darum gehts

  • Gemäss dem Bundesrat könnte die 2-Meter-Regel bereits in zwei Wochen abgeschafft werden.
  • Die SVP und die SP befürworten den Schritt.
  • Der Tessiner Infektiologe Andreas Cerny findet eine Reduktion des Mindestabstands «eine voreilige Reaktion».

Seit März sollte man in der Schweiz im Rahmen des Social Distancing einen Mindestabstand von zwei Metern gegenüber seinen Mitmenschen einhalten. Nun könnte die Regel schon Ende Juni der Vergangenheit angehören. So antwortete Bundesrat Alain Berset während der Sommersession auf die Frage von Thomas Aeschi (SVP), ob der Bundesrat an seiner Sitzung vom 24. Juni den Mindestabstand «aufheben oder reduzieren» wird, unter anderem: «Eine Reduktion des Mindestabstands steht zur Diskussion.» Die Voraussetzung dafür: Die Fallzahlen müssten weiterhin tief bleiben.

«Angst vor einer zweiten Welle»

Andreas Cerny, Infektiologe und Tessiner Klinikdirektor, findet es «generell richtig», dass die «Corona-Massnahmen den tiefen Fallzahlen angepasst» werden. Aber: «Eine Reduktion des Mindestabstands noch diesen Juni wäre eine voreilige Reaktion.» Zurzeit könne man nämlich noch nicht sagen, wie sich die Lockerungen vom 6. Juni auf die Fallzahlen auswirken würden: «Eine eindeutige Prognose ist erst vier Wochen nach einem Lockerungsschritt möglich.»

Als aktuelles Beispiel nennt Cerny Israel. «Dort erleben die Leute gerade eine zweite Welle, Israel hat momentan täglich über 200 Corona-Neuinfektionen.» Die erneute Corona-Welle habe sich aber erst vier Wochen nach den ersten Lockerungsmassnahmen gezeigt. «Deswegen habe ich auch in der Schweiz Angst vor einer zweiten Welle, wenn die Massnahmen zur Eindämmung von Corona zu schnell gelockert werden.»

SVP will Einschränkungen sofort aufheben

Anders sieht das die SVP, die in einer Medienmitteilung schnellstmögliche Corona-Lockerungen verlangt. Die ausserordentliche Lage soll «sofort» beendet und sämtliche Einschränkungen aufgehoben werden. SVP-Ständerat Werner Salzmann: «In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens wird der vom BAG immer noch geltende Mindestabstand von zwei Metern überhaupt nicht eingehalten.» Als Beispiel nennt er öffentliche Plätze und die verschiedenen Demonstrationen, die in den vergangenen Tagen abgehalten wurden.

Dass wiederum Restaurants ihren Betrieb wegen der geltenden Abstandsregel stark einschränken müssten und dadurch nach wie vor «grosse Verluste» schreiben, findet Salzmann «paradox und unfair»: «Schliesslich müssen auch sie ihre Kosten decken können.» Eine Reduktion oder gar eine Abschaffung des Mindestabstandes würde «der Gastronomiebranche und auch anderen Branchen» zu einem «dringend benötigten Aufschwung» verhelfen.

Dass man mit den Lockerungen der Abstandsregel eine zweite Infektionswelle in Kauf nimmt, glaubt Salzmann nicht: «Die Fallzahlen sind schon seit Wochen konstant sehr tief. Und falls es dennoch wieder zu einem Anstieg der Infektionen kommen würde, könnte man auch wieder einen grösseren Mindestabstand einführen.»

SP stellt sich hinter den Entscheid des Bundesrats

Auch SP-Nationalrätin Mattea Meyer befürwortet die baldigen Auflockerungen: «Wenn die Gesundheitsbehörden zu dieser Einschätzung kommen, dann spricht nichts dagegen, das auch zu tun.» Ihre Parteikollegin Yvonne Feri kommt zu einer ähnlichen Einschätzung: «Wenn die Experten und Expertinnen sagen, dass der Mindestabstand reduziert werden kann, dann wird es so richtig sein.» Man müsse diese Entscheide «den Spezialisten zusammen mit dem Bundesrat» überlassen.

Feri mache sich aber dennoch «etwas Sorgen»: «Ich beobachte, dass die Leute den zwei Meter-Abstand kaum noch einhalten und sehe auch zunehmend oft wieder Personen, die sich zur Begrüssung die Hand geben. Reduzieren wir die zwei Meter, stelle ich mir die Frage, ob dann überhaupt noch ein Abstand eingehalten wird.»

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500 Kommentare
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Weiss von nix, rate nur.

17.06.2020, 23:42

Euch ist klar, dass das Virus nur ein paar Tage mit dem validierten PRC Test nachgewiesen werden kann? Euch ist auch klar, dass der Antikörpertest nicht validiert ist und dementsprechend wertlos ist, weil die Genauigkeit bei 50% liegt? Und jetzt denkt doch einen kurzen Moment darüber nach.

Freie Stimme

17.06.2020, 23:06

Wenn eine zweite Welle kommt, dann nur weil diese gemacht wird. Entweder weil man grosse Demos eifach geschehen lässt oder wenn's nicht reicht; mehr Tests machen. Panik machen ist die Devise... die Wirtscht leidet. Zuerst starkes linkes Lager, dann sarkes rechtes Lager... Siehe Deutschland 1930

VerstehtdieWeltnicht

17.06.2020, 22:40

Bitte hebt die Massnahme, dass um 24.00 Uhr alles geschlossen sein muss, auf! Dies ist für nichts und traurig für Hochzeitsfeiern