09.07.2020 11:41

Harter Alk an Sek-Abschluss«21 Kinder mit literweise hartem Alkohol zu versorgen, ist fahrlässig»

Die Abschlussfeier einer Sek-Klasse aus Walenstadt ist eskaliert. Es wurde auch Schnaps konsumiert. Der Alkohol stammt von der Schulratspräsidentin. Eltern prüfen nun rechtliche Schritte gegen sie. Die Schulratspräsidentin äussert ihr Bedauern.

von
Michel Eggimann
Patrick Gasser
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Minderjährige Sek-Schüler aus Walenstadt haben ihren Abschluss mit hartem Alkohol gefeiert. Den Alkohol besorgt hat die Schulratspräsidentin.

Minderjährige Sek-Schüler aus Walenstadt haben ihren Abschluss mit hartem Alkohol gefeiert. Den Alkohol besorgt hat die Schulratspräsidentin.

privat
Die Feier ist offenbar ausgeartet. Die Rede ist von einem ohnmächtigen Mädchen und Jugendlichen, die Erbrechen mussten.

Die Feier ist offenbar ausgeartet. Die Rede ist von einem ohnmächtigen Mädchen und Jugendlichen, die Erbrechen mussten.

privat
Oliver Zerres, dessen Tochter auch ihren Abschluss gefeiert hat, findet in einem Elternbrief sehr deutliche Worte. Was ihn besonders stört, ist die Tatsache, dass die Schulratspräsidentin den Jugendlichen den harten Alkohol besorgt hat.

Oliver Zerres, dessen Tochter auch ihren Abschluss gefeiert hat, findet in einem Elternbrief sehr deutliche Worte. Was ihn besonders stört, ist die Tatsache, dass die Schulratspräsidentin den Jugendlichen den harten Alkohol besorgt hat.

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Darum gehts

  • Eine Sek-Klasse aus Walenstadt hat am Wochenende ihren Abschluss ausgiebig gefeiert.
  • Die Schulpräsidentin hat den Jugendlichen dafür Schnaps zur Verfügung gestellt.
  • Die Feier ist ausgeartet. Die Rede ist auch von einem Mädchen in Ohnmacht.
  • Eltern prüfen nun rechtliche Schritte gegen die Schulratspräsidentin.
  • Die Schulratspräsidentin bedauert, was passiert ist.

Eine Sek-Klasse von 21 Schülern aus Walenstadt SG hat am Wochenende den Abschluss der offiziellen Schulzeit gefeiert. Dazu hat man sich in einer Hütte in Flumserberg getroffen. Gefeiert haben die minderjährigen Jugendlichen auch mit Schnaps. Wie publik wurde, ist die Feier eskaliert. Die Rede ist von einem ohnmächtigen Mädchen und Jugendlichen, die erbrechen mussten.

Oliver Zerres, dessen Tochter auch ihren Abschluss gefeiert hat, findet in einem Elternbrief sehr deutliche Worte. Was ihn besonders stört, ist die Tatsache, dass die Schulratspräsidentin den Jugendlichen den harten Alkohol besorgt hat. Er schreibt: «Es ist sehr bedenklich, dass ein durch unsere Schulratspräsidentin organisierter Anlass derart ausarten kann.» Wie er erfahren hat, seien – bis auf wenige Ausnahmen – alle «total besoffen» gewesen. Beaufsichtigt seien die Jugendlichen nicht gewesen.

Eltern prüfen rechtliche Schritte

Seine Frau und eine Kollegin hätten ihre Kinder nach der Benachrichtigung von seiner Tochter abgeholt. Im Brief meint Zerres weiter: «Ich weiss nicht, inwieweit Ihr als Eltern darüber informiert wurdet, dass sich unsere Kinder ohne jegliche Aufsicht die Kante mit hartem Alkohol gegeben haben.» Er und seine Frau seien sich bewusst gewesen, dass an der Feier Wein und Bier getrunken werde, doch von Schnaps seien sie nicht ausgegangen.

Der Vater belässt es aber nicht beim Brief an die anderen Eltern. Sie würden sich weitere rechtliche Schritte gegen die Schulratspräsidentin vorbehalten, schreibt das Ehepaar Zerres im Brief, der auch von einem anderen Paar unterschrieben wurde. Es sei absolut unverständlich, dass ein Mitglied eines Schulrates und Mutter einer Mitschülerin «mit voller Absicht eine ganze Klasse von 14- bis 16-jährigen Jugendlichen in Gefahr bringt». Zu 20 Minuten führt er aus: «21 Kinder mit literweise hartem Alkohol zu versorgen, ist fahrlässig.» Zudem fragt sich der Vater, was die nächste Eskalationsstufe sei: «Etwa, dass den Schülern harte Drogen für eine Abschlussfeier zur Verfügung gestellt werden?»

Schulratspräsidentin verteidigt sich

Mit der betroffenen Schulratspräsidentin, Pascale Dürr, hatte Petra Zerres noch in der gleichen Nacht Kontakt. Die Schulratspräsidentin meinte, es sei alles in Ordnung an der Feier, sie stünde in Kontakt mit ihrer Tochter.

Am Donnerstag hat sich Pascale Dürr in einer Stellungnahme zu der Abschlussfeier geäussert. Sie gibt zu, dass der Alkohol von ihr stammt. Sie habe im Hinblick auf eine Geburtstagsfeier eines Freundes Alkohol eingekauft. «In diesem Zusammenhang wurde ich von meiner Tochter und einigen ihrer Mitschüler gebeten, ihnen einige Flaschen zu überlassen. Es trifft zu, dass ich ihnen dies nicht untersagt habe, was ich im Nachhinein sehr bedaure», so die Schulratspräsidentin.

Weiter meint Dürr, sie sei nicht über alle Einzelheiten der Feier informiert, da sie den Anlass weder organisiert noch mit deren Beaufsichtigung betraut gewesen sei. Sie habe die Hütte nur für die Schüler gemietet. Wie sie von der Vermieterin erfahren habe, sei die Nachtruhe eingehalten worden und die Hütte am nächsten Morgen «von gesunden Jugendlichen sauber geputzt und in einwandfreiem Zustand zurückgegeben» worden.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Noch bevor eine Anzeige eingegangen ist, hat die St. Galler Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen bezüglich des Falls aufgenommen. Mediensprecherin Beatrice Giger sagt: «Wir prüfen, was vor Ort tatsächlich passierte. Überprüft wird unter anderem ein allfälliger Verstoss gegen das Verbot der Verabreichung von gesundheitsgefährdender Stoffe an Kinder unter 16 Jahren.» Es gelte für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

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