Auslaufmodell: Es ist Skilager - und fast keiner geht hin
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AuslaufmodellEs ist Skilager - und fast keiner geht hin

In der Schweiz werden jedes Jahr weniger Schneesportlager durchgeführt. Hohe Kosten und ein grosser Organisationsaufwand für die Lehrer sind Gründe dafür.

von
feb
Ist das bald Vergangenheit? Bundespräsidenten, wie   Samuel Schmid im Jahr 2005, die Skiklassen eines Jugendskilagers besuchen.

Ist das bald Vergangenheit? Bundespräsidenten, wie Samuel Schmid im Jahr 2005, die Skiklassen eines Jugendskilagers besuchen.

Es ist Skilager-Zeit und fast keiner geht mehr hin. Ganz so dramatisch ist es zwar nicht, die Zahlen sind jedoch alarmierend. Waren es im Jahre 2005 noch 2703 Teilnehmer, die an J&S-Schneesportlagern teilnahmen, sind es 2008 gerade mal noch 2292. Das entspricht einer Abnahme von 411 Jugendlichen, Tendenz sinkend.

So kommt es heute vor, dass in Gemeinden mit 200 Kindern weniger als 50 mit ins Skilager fahren, wie die «Tagesschau» am Montag berichtete. Von den Zuhausegebliebenen können die Meisten nicht Skifahren oder Snowboarden; ein Obligatorium wäre also sinnlos.

Teure Ausrüstung, viel Aufwand für die Lehrer

Etliche bleiben auch im Unterland, die teilnehmen wollen, aber nicht können. Eine ganze Skiausrüstung zu kaufen oder zu mieten ist für sie ganz einfach zu teuer. Die Kosten sind im Vergleich zu früher höher. Wegen Konkurrenzangeboten ist die Verankerung des Wintersports zudem etwas kleiner als in der Vergangenheit.

Ein weiterer Grund für die sinkenden Zahlen ist der enorme organisatorische Aufwand für die Lehrer, den ein Skilager mit sich bringt. Fast rund um die Uhr müssen die Kinder heute betreut werden - besorgte Eltern verlangen in diesem Zusammenhang mehr als noch vor einigen Jahren, heisst es beim Bundesamt für Sport (BASPO). Die Bereitschaft der Eltern administrativ oder rechtlich gegen Lehrer vorzugehen, sei gestiegen.

10 000 Leiter ausgebildet

Zudem sei es so, dass die Teilnehmerzahlen immer in Wellenbewegungen zu und abnehmen. Hinzu kämen geburtenschwache Jahrgänge.

Christoph Lauener, Kommunikation BASPO, glaubt aber nicht, dass die Jugendskilager ganz aussterben werden: «Letztes Jahr haben wir 10 000 J&S-Leiter ausgebildet, das sind nur unwesentlich weniger als in den Jahren zuvor.» An diesen liegt es dann, die Kinder für den Schneesport zu motivieren. Als weiteres Beispiel für die Bemühungen, die Ski- und Snowboardlager am Leben zu erhalten, wird das BASPO die Ski-WM 2017 in der Schweiz als Aufhänger nehmen, um für den Skisport zu werben. Abschliessend ist Lauener überzeugt: «Die Schweiz ist und bleibt eine Winternation, Jugendsiklager wird es deshalb immer geben.»

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