25.07.2020 03:01

Gewaltige Lawine

«Es ist spektakulär, wie der Gletscher arbeitet»

Ein Leser-Reporter konnte am letzten Wochenende ein atemberaubendes Naturereignis mit der Kamera einfangen. Vom Tödigletscher ist ein grosser Brocken Eis abgebrochen. Ein Gletscherforscher erklärt das Phänomen.

von
Nathan Keusch
Gletscher-Abbruch am Tödi

Im Video sieht man die Lawine von der Fridolinshütte in den Glarner Alpen aus.

Leser-Reporter

Darum gehts

  • Am Tödi ist es zu einer Lawine wegen eines Gletscher-Abbruchs gekommen.
  • Ein Leser-Reporter war fasziniert vom Anblick.
  • Durch die Klimaerwärmung könnte es noch zu viel grösseren solcher Gletscher-Lawinen kommen.

Auf dem Tödi in den Glarner Alpen liegt eine dicke Eiskappe. Leser-Reporter Daniel Landolt (39) war am letzten Wochenende mit vier Freunden auf einer Bergtour in der Region unterwegs, als die Truppe Zeuge eines atemberaubenden Naturereignis wurde: Ein grosses Stück Eis brach vom Tödigletscher los und rollte als Lawine den Berg hinunter.

«Plötzlich hörten wir ein lautes Knacken fast wie ein Donnergrollen», erzählt Landolt. Die Truppe machte zu diesem Zeitpunkt gerade Rast in der Fridolinshütte, die eine gute Sicht auf den Tödigletschers zulässt. Der erfahrene Berggänger Landolt wusste sofort: «Jetzt kommt irgendwo etwas runter.» Ein Blick in Richtung Berg habe seinen Instinkt bestätigt. Landolt reagierte schnell: Er zückte sein Handy und konnte den Gletscher-Abbruch mit der Kamera einfangen. Auch für ihn, der in den Bergen zuhause ist, war der Anblick der rohen Naturgewalt eindrücklich: «Es ist einfach spektakulär, wie die Gletscher arbeiten.»

Kein Zusammenhang mit Klimaerwärmung

Der Glaziologe Matthias Huss von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) ordnet das Phänomen als ganz normalen Prozess ein:«Der Schnee lagert sich auf dem Gipfel an, wird dort zu Eis und wandert dann Richtung Felswand, wo das Eis schlussendlich abbricht.» Der Gletscherforscher geht davon aus, dass sich bei diesem Gletscher-Abbruch einige 10’000 m³ Eis losgelöst haben. Dies sei ein mittelgrosser Abbruch, aber an dieser Stelle ungefährlich.

Gletscher-Abbrüche dieser Grössenordnung seien nicht auf die Klimaerwärmung zurückzuführen, sagt Huss. In einem wärmeren Klima könnten diese sogar abnehmen, da sich schlicht zu wenig Eis auf dem Gipfel ansammle, das dann abbrechen könne.

Mit höheren Temperaturen könne es in bestimmten Situationen jedoch auch zu viel gewaltigeren Eis-Abbrüchen kommen: «Das erwärmte Eis kann den Halt am Untergrund verlieren und sich komplett loslösen.» Die Folge wäre dann eine Lawine mit grösserer Reichweite, die Infrastruktur und sogar Dörfer bedrohen könnte. Dem Tödigletscher gehe es aber momentan noch gut: «Er ist aktuell stabil, da er sich in grosser Höhe befindet und es dort nur relativ wenig Schmelze gibt», erklärt Huss. Im Gegensatz zu Talgletschern wie dem Aletschgletscher seien solche Gipfelgletscher wie auf dem 3’614 m.ü.M gelegenen Tödi noch weniger stark vom Klimawandel betroffen.

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11 Kommentare
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Die Technik

25.07.2020, 06:43

Warum man immer noch im Hochformat Filmen muss ist mir schleierhaft! Jeder hat dich auch ein Fernseher, welcher viel breiter ist als hoch, sprich 16:9

Gregor

25.07.2020, 06:36

Darf man das überhaupt spektakulär finden? Ist ja schliesslich der Klimawandel dran schuld

Röby

25.07.2020, 06:20

Oh das ist doch nichts neues ! Pflanzen und Tiere kommen auch von der Ferne und ändern unsere Landschaft ! Wir lieben unsere Pflanzen nicht den die meisten gelten als Unkraut sind einfach und nicht so Fotogen! Wiesen müssen Golfplätzen weichen Tiere müssen verhungern Bauen ohne Verstand , Tourismus ohne Rücksicht zum Ökosystem. Geld, Geld , Schwachsinn und Spaß den wir nicht mehr lange haben werden. Der Mensch das Armutzeugnis der Welt ! Na ja ist ja auch von Gott erschaffen ? Oder doch nicht !