Dominique Gisin: «Es ist unglaublich, wie in einem Traum»

Aktualisiert

Dominique Gisin«Es ist unglaublich, wie in einem Traum»

In Crans-Montana schaffte Dominique Gisin, die in diesem Olympia-Winter mehrere Rückschläge einstecken musste und noch nie auf dem Podest stand, unverhofft noch vor Saisonende den Turn-around. Die 24-jährige Obwaldnerin gewann im Wallis vor der amerikanischen Seriensiegerin Lindsey Vonn.

Dominique Gisin freut sich über ihren Coup im Super-G von Crans-Montana. (Bild: Keystone)

Dominique Gisin freut sich über ihren Coup im Super-G von Crans-Montana. (Bild: Keystone)

Dominique Gisin, am Samstag nach ihrem 38. Platz in der Abfahrt gabs Tränen der Enttäuschung, nur 24 Stunden später siegten Sie im Super-G.

Dominique Gisin: «Es ist unglaublich und das Ganze ist wie in einem Traum. Das Pech, das ich in der Abfahrt hatte, kam nun als Glück im Super-G zurück. Ich bin einfach extrem glücklich.»

Wie empfanden Sie Ihre Fahrt?

«Mir ist ein guter Lauf gelungen. Ich habe zwar alles riskiert und überall versucht, noch 20 Zentimeter enger zu fahren oder einen halben Meter abzukürzen. Dennoch fühlte ich mich sehr sicher. Den Wind konnte ich nicht beeinflussen, doch bei allem Anderen, was in meinen Händen war, gab ich mein absolut Bestes. Umso schöner, wenn es am Schluss so aufgeht.»

Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg in der Schweiz?

«Es ist sehr schön hier in Crans-Montana. Das Publikum ist unglaublich. Sensationell, wie viele Fans hierher kamen und wie sie Stimmung machten. Ich freue mich auch für die Organisatoren hier im Wallis, die einen Super-Job gemacht haben. Auch danke ich den Arbeitern auf der Piste. Es gibt nicht manche Strecke, auf welcher man im Super-G mit der Startnummer 29 noch gewinnen kann.»

Wo haben Sie das Rennen gewonnen?

«Ich habe generell viel riskiert. Der obere Teil ist mir nicht perfekt gelungen, da hatte ich auch nicht das Gefühl, besonders schnell zu sein. Danach wurde es ein paar Mal eng. Doch ich versuchte, möglichst locker zu bleiben und mit wenig Kantendruck zu fahren. Unten dann ging mir alles genau so auf, wie ich es mir vorgestellt habe. Die Trainer haben da eine schnelle Linie gefunden und die bin ich gefahren.»

Sie waren im Super-G zuvor erst einmal in den Top 15 klassiert, als Sechste bei Fränzi Aufdenblattens Sieg in Val d'Isère. Wie erklären Sie sich den Leistungssprung in dieser Disziplin?

«Ich hatte im Super-G schon lange super Trainingsresultate. Schon vor zwei Jahren war ich im Sommer sehr schnell. Weder ich noch die Trainer haben dann letzte Saison verstanden, weshalb es nicht aufging. Irgendwie konnte ich zuvor im Super-G nie befreit fahren. In Val d'Isère, als Fränzi und Nadia (Styger - Red.) vorne waren und ich das am Start hörte, sagte ich mir, dass ich im Training auch mit ihnen mithalten kann. Und dann habe ich endlich einmal Gas gegeben und bin nicht wie ein Angsthase gefahren. Seitdem ist der Knopf wohl gelöst.»

Wie fällt Ihre Bilanz kurz vor Saisonende aus?

«Es war eine mega-harte Saison für mich. Anfang Winter war ich zweimal krank. Im Januar in Haus war ich dann auf Podestkurs, bevor ich stürzte und mich verletzte. Danach gab ich absolut alles, um für Olympia wieder bereit zu sein und doch dann stürze ich erneut. Ich brauchte nach Whistler schon einige Tage, um das Ganze zu verarbeiten. Ich hatte in den letzten Monaten das Gefühl, dass jedes Mal, wenn es mir etwas besser ging, ich wieder eines auf den Deckel kriegte. Doch so ist wohl der Skisport. Ich musste lernen, diese Rückschläge zu akzeptieren.»

Sie haben im Weltcup bisher dreimal gewonnen und Ihnen werden noch viele weitere Siege zugetraut. Wie schätzen Sie sich selbst ein?

«Ich spüre schon auch, dass ich das Potenzial für weitere Siege habe.»

Was geht Ihnen noch etwas ab?

«In erster Linie wohl eine Portion mehr Gelassenheit. Ich will versuchen, künftig geduldiger zu sein. Das ist vielleicht auch die Lehre vom Wochenende in Crans-Montana, nämlich dass immer wieder eine nächste Chance kommt und die gilt es dann zu packen. Nach der Abfahrt, in welcher ich nicht so viel schlechter gefahren bin als im Super-G, war ich komplett am Boden, einen Tag danach sieht alles wieder ganz anders aus.»

Interview: Valentin Oetterli, Crans-Montana

(si)

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