Tierquälerei oder nicht? - «Es ist, als würde man den Muni am Ohrläppli ziehen»
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Tierquälerei oder nicht?«Es ist, als würde man den Muni am Ohrläppli ziehen»

Weil an einer Viehauktion ein Stier am Nasenring geführt wurde, wurde Nationalratspräsident Andreas Aebi, der die Auktion leitete, angezeigt. Bauern und Veterinäre erkennen darin aber keinen Fall von Tierquälerei.

von
Alexia Mohanadas

In Langenbruck BL wurde ein Rind an einem Nasenring durch die Arena gezogen. Die Tierschutzorganisation Basel Animal Save hat nun wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz Anzeige eingereicht. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft führt derzeit eine Vorprüfung der erhobenen Vorwürfe durch.

Video: Telebasel

Darum gehts

  • In Langenbruck BL wurde ein Rind an einem Nasenring durch die Arena gezogen.

  • Die Tierschutzorganisation Basel Animal Save hat nun wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz Anzeige eingereicht.

  • Nicht jeder sieht die Strafanzeige gegen Nationalratspräsident Andreas Aebi (SVP) als sinnhaft.

Bei einer Viehauktion in Langenbruck BL wurde ein Stier an einem Nasenring quer durch die Arena gezogen. Die Bilder wurden damals in einem News-Beitrag des Regionalsenders Telebasel eingefangen. Wie die Tierschutzorganisation Basel Animal Save am Mittwoch mitteilte, zeigen diese Bilder «reine Tierquälerei». Deswegen habe sie nun gegen den unbekannten Ganthelfer sowie gegen den Nationalratspräsidenten Andreas Aebi, der die Auktion leitete, bei der Baselbieter Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Verstosses gegen das Tierschutzgesetz eingereicht.

«Das Ziehen am Ring verursacht keine grossen Schmerzen.»

Bergbauer Armin Capaul aus Bern

«Das wird ja nur noch blöder», sagt der Bergbauer Armin Capaul aus Bern gegenüber 20 Minuten. Capaul wurde als Initiant der Hornkuhinitiative, die im November 2018 an der Urne scheiterte, prominent. Er finde, dass die Strafanzeige völlig übertrieben ist. Auch finde er es legitim, wenn ein Muni an einem Ring geführt wird. «Das Ziehen am Ring verursacht keine grossen Schmerzen. Es ist, als würde man am Ohrläppli ziehen», so Capaul.

«Man kann doch das Ohrläppli nicht mit der Nase vergleichen», kontert der Aktivist Oliver Bieli von Animal Save Basel, auf die Aussage von Capaul. «Genau weil die Nase eben so empfindlich ist, wird der Ring genau dort angebracht. Ansonsten würde so ein starker Stier nicht einfach so mitgehen», so Bieli. Er betont, dass die Schmerzen beim Ziehen am Nasenring sehr wohl gross sind, dies sei übrigens auch belegt. «Das wissen die Bauern genau», unterstreicht Bieli. Und deshalb sei es auch klar Tierquälerei.

«Im Video ist klar zu erkennen, dass der Muni ohne Grund am Ring gezogen wird»

Aktivist Oliver Bieli von Animal Save Basel

Der Ring solle laut Bieli mehr ein «Notfallknopf» sein. Man solle grundsätzlich den Muni am Halfter führen und lediglich nur dann, sobald sich das Tier wehrt, zum Ring greifen, meint der Aktivist, der generell gegen den Ring ist. «Im Video ist klar zu erkennen, dass der Muni ohne Grund am Ring gezogen wird», so Bieli.

Im Gegensatz zu Kälbern und Kühen, wo Nasenringe verboten sind, sei er bei Stieren ab 18 Monaten Pflicht. «Der Nasenring ist für Notfälle vorgeschrieben, wenn ein Tier beginnen sollte, durchzustarten», hält Cesare Sciarra vom Schweizer Tierschutz fest. Immerhin könne so ein Stier über eine Tonne schwer werden. Am Nasenring herumzuführen oder gar zu ziehen gehe dagegen nicht, so Sciarra: «Das ist alles andere als okay. Auch das Tier daran anzubinden beim Transport ist zum Beispiel nicht erlaubt.»

Die Baselbieter Staatsanwaltschaft führt aktuell eine Vorprüfung der erhobenen Vorwürfe durch. Im Falle eines hinreichenden Tatverdachts wäre die Immunität von Nationalrat Andreas Aebi tangiert. Eine Strafuntersuchung wäre nur nach Aufhebung der Immunität möglich.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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