Aktualisiert 08.09.2009 20:07

Eindringlicher Obama«Es ist Zeit zu handeln»

Zwei Tage vor seiner wichtigen Rede vor dem amerikanischen Kongress über die Reform des Gesundheitswesens bekräftigte Barack Obama, dass es «Zeit zu handeln» sei. Der US-Präsident hat die Reform zu seiner innenpolitischen Priorität erkoren.

Zum Beginn des neuen Schuljahres hat US- Präsident Barack Obama am Dienstag eine Rede an die Schüler der USA gehalten. Sein landesweit übertragener Auftritt an einer Schule in Arlington nahe Washington hatte bei den Konservativen scharfe Kritik ausgelöst.

Republikaner hielten Obama vor, Schulkinder zu «indoktrinieren». Besonders war moniert worden, dass Obama laut einem zunächst veröffentlichten Redetext von den Schülern verlangen wollte, zu überlegen, wie sie «dem Präsidenten helfen könnten». Diese Passage strich Obama in der Folge aus der Rede.

Um die Kritik an seinem Auftritt zu entkräften, war der revidierte Redetext bereits am Montag veröffentlicht worden. Obama vermied jede Äusserung zu parteipolitischen Streitthemen und beschränkte sich auf Aufrufe zu Fleiss und Durchhaltevermögen.

«Was Ihr heute in der Schule lernt, entscheidet darüber, ob wir als Nation unsere grössten Herausforderungen in der Zukunft bestehen können», sagte Obama. Der US-Präsident ermutigte die 50 Millionen Schulkinder seines Landes, Widerstände zu überwinden.

«In jedem von Euch steckt etwas, das ihr gut könnt», sagte Obama in seiner teilweise leidenschaftlich vorgetragenen Rede. Jeder sei verpflichtet, seine Talente zu entdecken und zu fördern. Wer die Schule vorzeitig aufgebe, gebe sich selbst auf - und sein Land.

Wer schlechte Noten bekomme, dürfe nicht an sich zweifeln, sondern müsse intensiver lernen. Der US-Präsident erzählte auch von seiner Kindheit, in der ihn seine alleinerziehende Mutter mit Strenge zum Lernen gebracht habe - das habe ihm den Weg zum Erfolg geebnet.

Laura Bush verteidigt Obama

Viele Eltern hatten laut der «Washington Post» angekündigt, aus Protest gegen die in alle Schulen übertragene Rede Obamas ihre Kinder am Dienstag nicht in die Schule zu schicken. Mehrere Schulbezirke weigerten sich, Obamas Ansprache auszustrahlen.

Besonders stark war der Widerstand offenbar in Texas und Florida. Der Vorsitzender der Republikaner in Florida, Jim Greer, hatte Obama beschuldigt, «sozialistische Ideologie» verbreiten zu wollen. US- Bildungsminister Arne Duncan nannte die Kritik «töricht».

Rückendeckung bekam Obama auch von der früheren First Lady Laura Bush. «Ich finde es angemessen, wenn der Präsident der USA zu Schülern spricht und sie ermutigt», sagte Bush im Sender CNN.

Der Präsident gehe mit gutem Beispiel voran, wenn er Schüler zu Anstrengungen beim Lernen auffordert. Vor Obama hatten früher schon zahlreiche andere US-Präsidenten - wie die Republikaner Ronald Reagan und George Bush - Reden an die Schüler gehalten.

Sommerpause ist vorbei

Die Rede des Präsidenten markiert das Ende der politischen Sommerpause in Washington. Der Kongress nahm am Montag seine Arbeit wieder auf. Obama, dessen Popularität laut Umfragen spürbar gesunken ist, stösst derzeit auf mehreren politischen Feldern auf erhebliche Schwierigkeiten.

Vor allem seine geplante Gesundheitsreform - sein wichtigstes innenpolitisches Reformvorhaben - ist heftig umstritten. Um dabei wieder die Initiative zu gewinnen, spricht Obama am Mittwochabend (Ortszeit) vor beiden Parlamentskammern des Kongresses. (dapd)

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