Vulkanasche-Regelung: «Es kann doch nicht jeder tun, was er will»
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Vulkanasche-Regelung«Es kann doch nicht jeder tun, was er will»

Die Vulkanasche liess Airlines taumeln und Zehntausende stranden. Das soll nicht mehr passieren - zumindest nicht, weil die EU keine einheitliche Grenzwert-Regelung hat.

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ast/rub

Dass Vulkanasche sich in Flugzeugturbinen zu Glas verwandelt, ist kein Märchen. Berichte über beinahe über Vulkanen havarierte Flugzeuge liegen vor; mehrere F-16-Kampfflugzeuge der NATO landeten nach dem Vorbeiflug in Island mit Glas im Triebwerk.

Klar ist aber auch, dass die Konzentration der Aschepartikel über Europa teils so niedrig war, dass problemlos Testflüge über Sperrgebiet geflogen werden konnten. Der British-Airways-Chef Willie Walsh etwa setzte sich eigenmächtig über das von Grossbritannien verhängte Anflugverbot in London Heathrow hinweg und stürzte bekanntlich nicht ab.

Wie viel ist zu viel?

Testflüge der Schweiz und Deutschlands haben gezeigt, dass sich die Aschepartikel in wenigen, mehr oder weniger stabilen Luftschichten sammeln. Sie sind dort so dicht konzentriert, dass die Partikel als Dunst sichtbar sind. Wie hoch die Konzentration der Aschepartikel genau sein darf, bevor es für Flugzeuge gefährlich wird, ist hingegen völlig ungeklärt.

Bislang gibt es nur einer Art von Faustregel der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO. Sie besagt, dass ab einer Konzentration von 0,2 Milligramm pro Kubikmeter Luft die Flüge eingeschränkt und ab 2 Milligramm ganz untersagt werden. Diese Übergansregel gilt seit zwei Wochen. In den ersten Tagen der Aschewolke über Europa hatten die Länder die Regel nicht einheitlich angewandt.

Ein Standard für Europa

Unter dem Eindruck einer neuen Aschewolke über Irland hat die EU nun die Entwicklung eines einheitlichen Messsystems bis Ende Juni vereinbart. Bis dahin werden sich alle Mitgliedsstaaten den Vorgaben der europäischen Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol unterwerfen. Darauf einigten sich die EU-Verkehrsminister am Dienstag auf einer Dringlichkeitssitzung in Brüssel. Der deutsche Ressortchef Peter Ramsauer (CSU) sprach von einem grossen Fortschritt. Es sei sichergestellt, «dass kein Land mehr macht, was es will.» Einheitliche Grenzwerte sollen «so schnell wie möglich» aufgestellt werden, heisst es in der Abschlusserklärung.

Schweiz beteiligt

Beim Luftraumblock Zentraleuropa (FABEC) ist die Schweiz beteiligt, zusammen mit Deutschland, Belgien, Luxemburg, Frankreich und den Niederlanden. Bis Ende Jahr beabsichtigen die sechs Staaten einen entsprechenden Staatsvertrag zu unterschreiben, wie Anton Kohler, Sprecher des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, auf Anfrage erklärte.

Nebst dem Luftverkehr möchte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas für künftige Verkehrskrisen jeglicher Art auch einen «pan-europäischen Krisenplan» griffbereit haben. Die Kommission erhielt von den Ministern den Auftrag, konkrete Vorschläge auszuarbeiten.

Luftraumschliessungen in Irland und Schottland

Am Dienstag und Mittwoch musste in Irland und Schottland der Luftraum erneut gesperrt werden. In Irland blieb der Luftraum am Dienstagmorgen für sechs Stunden zu, weil eine Aschewolke aus Island von Norden über die Insel hinwegzog. Betroffen waren auch die Hebriden und die Faröer, der Transatlantikverkehr blieb hingegen ungestört.

Eine weitere Sperre wurde für den Mittwochmorgen ab 8.00 Uhr für Irland und Schottland verhängt, zunächst ohne Angabe zur voraussichtlichen Dauer. Ausserdem könnte die Aschewolke weiter nach Süden getragen werden, hiess es bei der britischen Luftfahrtbehörde. (ast/rub/sda/dapd)

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